Sankt Niklas an der Drau (Šmiklavž ob Dravi)

Kath. Pfarrkirche St. Nikolaus

Orgel: Josef Grafenauer (Egg), 1883 (später verändert).


© Gabriel Isenberg, 22.08.2004
© Gabriel Isenberg, 22.08.2004

Das Dorf St. Niklas an der Drau gehört zur Stadtgemeinde Villach und liegt nördlich des Faaker Sees. Bereits im 14. Jahrhundert ist eine Kirche urkundlich belegt, 1486 wurde die Kirche nach den Türkeneinfällen wiedergeweiht. Die heutige neobarocke Kirche stammt aus dem Jahr 1862. Sie wurde beim Dorfbrand in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai 1910 erheblich beschädigt, der Turm brannte nieder und die Glocken fielen herab. In den folgenden Monaten wurde die Kirche wiederaufgebaut und renoviert.

Vermutlich gab es bereits in der alten Kirche (vor 1862) eine Orgel. Denn 1837 heißt es in einem Gesuch zur Besetzung der Lehrerstelle an der neu errichteten Schule in St. Niklas, dass des Orgelspielens kundigen Kandidaten der Vorzug gewährt werde. 1845 wird das Gehalt für den Schullehrer- und Organistendienst in der Kuratie St. Niklas mit einem jährlichen Einkommen von 80 Gulden beziffert.

In der 1862 neu erbauten Kirche wurde möglicherweise zunächst die alte Orgel verwendet. Laut Oskar Eberstaller erhielt die Kirche 1883 eine neue Orgel; er nennt die Registerzahl 4. Den Bauformen zufolge handelt es sich bei dem Instrument um ein Werk des Orgelbauers Josef Grafenauer aus Egg im Gailtal; ähnliche Brüstungsorgeln stehen etwa in Waidegg (1870) und Heiligengeist bei Villach (1854). Sicherlich nahm die Orgel beim Kirchenbrand 1910 Schaden und musste renoviert werden.

Laut Firmenschild am Orgelspieltisch wurde die Orgel (vermutlich Ende der 1970er-Jahre) durch Walter Ottitsch (Ludmannsdorf) renoviert. Diese Arbeiten waren offenbar von größeren Umfang; das Gehäuse (bis auf die Rückwand), Windladen und ein wesentlichter Teil des Pfeifenwerks stammen noch aus dem 19. Jahrhundert. Die Zinkpfeifen des Prinzipal 4' im Prospekt sind vermutlich noch der Ersatz für die im Ersten Weltkrieg für die Rüstungsindustrie abgegebenen originalen Prospektpfeifen aus Zinn. Die Spielanlage befindet sich an der Rückseite der Orgel; die Register werden über messergriffartige Holzhebel geschaltet, die links und rechts aus der Rückwand der beiden äußeren Gehäusetürme ragen.

MANUAL | C–c³

Gedackt 8'

Gamba 8'

Flötenbass 8' [C–c°]

Prinzipal 4'

Oktav 2'

Mixtur 2' [ist 1 1/3']

PEDAL | C–cº

angehängt


Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Klagenfurter Zeitung (13.08.1837, 21.12.1845) ⋄ Oskar Eberstaller, Orgeln und Orgelbauer in Österreich, Graz/Köln 1955, S. 213 ⋄ Frdl. Mitteilung von P. Marjan Gallob (Petschnitzen), 14.08.2004, und der Organistin und Messnerin vort Ort, 22.08.2004 ⋄ Eigener Befund.

Nr. 207 | Diese Orgel habe ich am 22.08.2004 im Rahmen meiner Kärnten-Orgeltour besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 24.01.2026.