Steinfeld (Oldb.)

Kath. Pfarrkirche St. Johannes Bapt. decoll.

Orgel: Anton Feith (Paderborn), 1930.


© Gabriel Isenberg, 21.02.2011
© Gabriel Isenberg, 21.02.2011

Bereits im 12. Jahrhundert gab es in Steinfeld (Oldenburger Land) eine Kirche. Sie befand sich auf dem heutigen Rathausplatz und war von einem Friedhof umgeben. Im Laufe der Jahrhunderte wurde das Gotteshaus mehrfach zerstört; allein im Dreißigjährigen Krieg fiel es zweimal den Flammen zum Opfer. Aufgrund der großen Armut der Bevölkerung erfolgten die Wiederaufbauten jeweils nur in einfacher, behelfsmäßiger Form. Die heutige Pfarrkirche, ein großer dreischiffiger neugotischer Back­steinbau nach Entwürfen des Münsteraner Architekten Wilhelm Rincklage, entstand in den Jahren 1897 bis 1899. Am 16. November 1899 wurde sie durch Bischof Hermann Dingelstad konsekriert.

In der alten Kirche errichtete der Herforder Orgelbaumeister Hinrich Klausing im Jahr 1708 eine neue Orgel mit neun Registern. Nach mehreren kleineren Reparaturen im 18. Jahrhundert führte der Quakenbrücker Orgelbauer Anton Franz Schmid 1823 eine umfangreichere Instandsetzung durch. Da sich die Klausing-Orgel später in einem zunehmend schlechten Zustand befand, wurde sie 1870/71 durch einen Neubau der Orgelbauwerkstatt J. B. Kröger & Söhne aus Goldenstedt ersetzt. Dieses Instrument verfügte über 21 Register auf zwei Manualen und Pedal und wurde zunächst 1899 in die neu errichtete Pfarrkirche übertragen.

Die heutige Orgel stammt aus der renommierten Paderborner Orgelbauanstalt Anton Feith. Sie wurde 1930 erbaut und am 21. Dezember desselben Jahres geweiht. Das Instrument verfügt über 34 eigenständige Register, verteilt auf zwei Manualwerke und Pedal, und ist mit pneumatischen Kegelladen ausgestattet. In den 1950er Jahren erfuhr die Orgel einen größeren Umbau, bei dem die Disposition im neobarocken Sinne verändert wurde. 1992 erfolgte eine Reinigung und Generalüberholung durch Orgelbau Alfred Führer (Wilhelmshaven).

Im Jahr 2007 wurde das Instrument durch die Firma Westfälischer Orgelbau Siegfried Sauer aus Höxter umfassend renoviert. Neben einer vollständigen Reinigung erfolgte die Restaurierung der Kegelladen, der Magazinbalganlage, des Pfeifenwerks sowie des Spieltischs. Im Zuge der Neuaufstellung des Spieltischs – der zuvor seitlich auf der Empore stand und nun mittig auf der Emporenbühne zur besseren Chorleitung platziert wurde – entschied man sich für eine rein elektrische Anbindung (statt der pneumatischen Trakturen). Dadurch konnten auch moderne Spielhilfen wie eine elektronische Setzeranlage integriert werden. Aus finanziellen Gründen war eine vollständige Rückführung der Disposition auf den Ursprungszustand zunächst nicht möglich. Erst 2009 konnte das zweite Manualwerk auf den Ursprungszustand zurückgeführt werden, u. a. mit Rekonstruktion der durchschlagenden Klarinette. Die Disposition des Hauptwerks ist bis heute im Stand der Veränderungen aus den 1950er-Jahren.

Mit der Steinfelder Feith-Orgel ist ein bedeutendes Zeugnis des spätromantischen Orgelbaus weitgehend original erhalten geblieben, das damit auch einen hohen kulturhistorischen Wert besitzt. Klanglich überzeugt das Instrument durch seine große Vielseitigkeit und reiche Farbigkeit.
Der Prospekt der Orgel wird von einem breiten Feld klingender Pfeifen des Prinzipal 8’ und des Violonbass 16’ geprägt. Das übrige Pfeifenwerk ist im geräumigen Turmzimmer untergebracht, das durch einen frontal teilweise sichtbaren Jalousieschweller vollständig schwellbar ist; die oberen Jalousien werden von einem stummen Pfeifenprospekt verdeckt. Der Trompetenengel in der Mitte der Orgel stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die Balganlage befindet sich unterhalb des Pfeifenwerks im Turmzimmer.

I. MANUAL | C–g³

Bordun 16’

Prinzipal 8’

Lieblich Gedackt 8’

Blockflöte 4’

Gamba 8’

Sesquialtera 2f.

Krummhorn 8’

Oboe 8’

Quinte 5 1/3’

Oktave 4’

Rohrflöte 4’

Oktave 2’

Mixtur 3f.

Nachthorn 2’

SubOct. Coppel II-I

SuperOct. Coppel II-I

SuperOct. Coppel I

Man.-Coppel II-I

II. MANUAL | C–g³

Quintatön 16’

Geigenprinzipal 8’

Hohlflöte 8’ [bis 2009 Gemshorn 2']

Aeoline 8’

Vox coelestis 8’

Tibia 8’

Klarinette 8’ [bis 2009 Scharff 4f.]

Trompete 8’

Clairon 4’

Konzertflöte 4’

Quintflöte 2 2/3’

Mixtur 2 2/3’

Terzflöte 1 3/5’

Flötencornett 8’ [Sammelzug]

PEDAL | C–f¹

Violon 16’

Subbass 16’

Zartbass 16’ [Windabschw.]

Posaune 16’

Cello 8’

Flötbass 8’

Prinzipal 4’

Prinzipal 2’

Ped.-Coppel II

Ped.-Coppel I


Tremulant (auf das ganze Werk); Jalousieschweller (auf das ganze Werk ohne die Prospektregister); elektronische Setzeranlage mit Sequenzern, Tutti, Crescendowalze mit Ab/Ansteller.

Elektropneumatische Kegellade.


Quellen und Literatur: Orgelakten im kath. Pfarrarchiv Steinfeld ⋄ Orgelsachverständigen-Unterlagen des BMO Vechta ⋄ Winfried Schlepphorst, Der Orgelbau im westlichen Niedersachsen, Kassel u. a. 1975, S. 139ff ⋄ Gabriel Isenberg, Orgellandschaft Dammer Berge, Damme 2011, S. 58–62 ⋄ Eigener Befund.

Nr. 310 | Diese Orgel habe ich zum ersten Mal am 20.01.2009 gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 30.01.2026.