Orgel: Orgelbau Alfred Führer (Wilhelmshaven), 1994.

In der romanischen Vorgängerkirche von Ostercappeln existierte vermutlich schon im 16. Jahrhundert eine Orgel. Der erste gesicherte Nachweis stammt aus dem Jahr 1619, als zwischen den Burgmännern, Gildemeistern und sämtlichen Kirchspielleuten („Kespellünden“) ein Orgelvertrag geschlossen wurde. Da in diesem Dokument ausdrücklich von einem „alten Werk“ die Rede ist, darf angenommen werden, dass es schon vor 1619 in der Kirche eine Orgel gegeben haben muss.
1737 wurde der Arp-Schnitger-Schüler Christian Vater aus Hannover mit dem Bau einer neuen Orgel beauftragt, nachdem ein zuvor mit dem Orgelbauer Adam Berner geschlossener Vertrag infolge dessen Todes hinfällig geworden war. Vater hatte sich dabei weitgehend an Berners Entwürfen zu orientieren; mit einigen Modifikationen konnte das Instrument 1739 vollendet werden. Aus dieser Christian-Vater-Orgel sind bis heute drei historische Register in der Ostercappelner Orgel erhalten.
Für das Jahr 1837 ist eine Reparatur der Orgel durch den Orgelbauer Friedrich Wilhelm Haupt aus Damme belegt. Bereits ein Jahr später verlegte dieser seinen Betrieb nach Ostercappeln. Sein Neffe Rudolf Haupt führte das Unternehmen weiter und baute es aus, ehe der Firmensitz in dritter Generation um 1900 nach Osnabrück verlegt wurde.
1872 wurde die romanische Kirche – mit Ausnahme des Turms – abgebrochen und durch eine neugotische Hallenkirche nach Plänen des Architekten Johann Bernhard Hensen aus Sögel ersetzt. Den Auftrag für den Orgelneubau in der neuen Kirche erhielt 1876 der ortsansässige Betrieb C. Haupt & Sohn. Dieses Instrument wurde 1940 durch den Orgelbauer Kirchner (Osnabrück) verändert und 1953 von Orgelbau Rohlfing (Osnabrück) umgebaut sowie mit elektrischen Trakturen ausgestattet.
Die heutige Orgel wurde 1994 eingeweiht und stammt aus der Werkstatt der Orgelbaufirma Alfred Führer (Wilhelmshaven). Aus der Christian-Vater-Orgel von 1739 sind die beiden Gedackt-Register (16' und 8') im Schwellwerk sowie das Gedackt 8' im Hauptwerk übernommen worden; weitere neun Register entstammen der Haupt-Orgel von 1876.
Das Instrument ist schwalbennestartig an der Westwand des alten Turms „aufgehängt“; sein moderner Prospekt greift neugotische Gestaltungselemente auf. Die Spielanlage befindet sich im Orgelfuß. Die beiden Manualmixturen sowie die Rauschpfeife im Pedal sind als Vorabzüge ausgeführt, die jeweils eine Auswahl an Chören der entsprechenden Register zuschalten. Das Register Principal 8' im zweiten Manual wurde nachträglich ergänzt und steht auf einer pneumatischen Zusatzlade hinter der Orgel außerhalb des Schwellkastens. Die Oboe 8' ist als durchschlagendes Register gebaut. Die Intonation des Instruments erfolgte durch Matthias Gärtner und Martin ter Haseborg.
I. HAUPTWERK | C–g³
Principal 16'
Principal 8'
Rohrflöte 8'
Gedackt 8'
Oktave 4'
Doppelflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Oktave 2'
Cornett 4f.
Quinte 1 1/3' [Vorabzug]
Mixtur 3–4f.
Trompete 8'
Tremulant
Koppel II–P
II. SCHWELLWERK | C–g³
Gedackt 16'
Principal 8' [nicht schwellbar]
Gedackt 8'
Gamba 8'
Schwebung 8'
Principal 4'
Traversflöte 4'
Nasard 2 2/3'
Hohlflöte 2'
Terz 1 3/5'
Mixtur 3f. [Vorabzug]
Mixtur 5f.
Basson-Hautbois 8'
Oboe 8'
Tremulant
PEDAL | C–f¹
Principal 16'
Subbass 16'
Offenbarr 8'
Rohrflöte 8'
Oktave 4'
Oktave 2' [Vorabzug]
Rauschpfeife 4f.
Posaune 16'
Trompete 8'
Koppel II–P
Koppel I–P
Quellen und Literatur: Die neue Führer-Orgel der St.-Lambertus-Kirche Ostercappeln, [Ostercappeln 1994] ⋄ Eigener Befund.
Nr. 387 | Diese Orgel habe ich am 16.09.2010 zum ersten Mal gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 05.04.2023.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
