Müsen

Ev. Kirche

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Kirchstraße • D-57271 Hilchenbach

Kirche

Die alte Müsener Nikolaus-Kapelle stammte aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, sie stand ostwärts vom Kirchurm. Im Dezember 1626 genehmigte Graf Johann Moritz den Umbau der Müsener Kapelle zu einer Kirche, seit 1627 ist Müsen eigenes Kirchspiel. Der bis heute erhaltene Kirchturm wurde 1659/60 gebaut. 1775 wurde der Grundstein zur neuen Müsener Kirche gelegt, die 1778 fertiggestellt war, dabei wurde die alte, baufällige Nikolaus-Kapelle abgebrochen. 1827 wurden Turm und Mauerwerk durch Blitzschlag stark beschädigt. Bei einem Großbrand wurde am 20. Juni 1893 fast die Hälfte des Dorfes mitsamt der Kirche ein Raub der Flammen. Schon am 15. März 1894 konnte die neue Kirche eingeweiht werden. 1984-89 wurde die Kirche außen renoviert, 1996-97 folgten umfangreiche Innenrenovierungsarbeiten.

Orgel

Die erste Orgel für Müsen baute der Orgelbauer Johannes Thies (Amöneburg) mit 10 Registern im Jahre 1777. Da der Orgelbauer wohl etwas zu stark dem Alkohol zugesprochen hatte und auch nicht gerade ein Meister seines Faches war, erhielt das neue Werk nach seiner Fertigstellung ein vernichtendes Urteil und es wurde die Überarbeitung durch einen anderern Orgelbauer angeraten. Arnold Boos aus Niederndorf stellte die Orgel dann immerhin so weit her, dass die Akten sechzig Jahre lang keine Nachrichten über Repoaraturen größeren Ausmaßes enthalten. 1841 wurde die Orgel von Hermann Loos (Siegen) gründlich überholt.

Dennoch konnte die Orgel auf Dauer nicht zufriedenstellen. Daher beschloss die Gemeinde den Neubau einer Orgel durch den renommierten Weißenfelser Orgelbauer Friedrich Ladegast, der sein Werk mit 14 Registern auf zwei Manualen und Pedal 1877 fertigstellte.

Da durch den Kirchenbrand 1894 sowohl Kirche als auch Orgel zerstört waren, errichtete Ladegast direkt nach dem Wiederaufbau im Jahre 1895 ein neues Orgelwerk, welches eine ähnliche Disposition wie das vorige aufwies (wahrscheinlich Verwendung alten Pfeifenmaterials), wobei das neue Instrument nun nicht mehr nach dem mechanischen Schleifladensystem erbaut wurde, stattdessen bekam es „nach den neuen Principien“ pneumatische Kegelladen.

Die Prospektpfeifen mussten 1917 zu Kriegszwecken abgeliefert werden, Oskar Ladegast setzte im Sommer 1919 neue Pfeifen ein und nahm weitere Instandsetzungsarbeiten an der Orgel vor. 1929 wurde die Orgel von der Firma Eberhard Friedrich Walcker & Cie. (Ludwigsburg) gestimmt und repariert. 1930 lieferte die gleiche Firma ein elektrisches Gebläse. Nach 1945 wurden an der Orgel einige Veränderungen vorgenommen. Mehrere Umbauvorschläge konnten glücklicherweise nicht zum Zuge kommen. 1951 wurde mit der Firma Emanuel Kemper (Lübeck) ein Pflegevertrag geschlossen. Um 1960 war ein unbekannter Orgelbauer an der Orgel tätig und nahm etlich Umbauten vor, die dem originalen Charakter des Werkes in keinster Weise mehr entsprachen. 1974 fand unter Aufsicht des Orgelwissenschaftlers Prof. Dr. Herman J. Busch eine sorgfältige Restaurierung und Rückführung auf den originalen Zustand des wertvollen Instruments (eines der wenigen heute noch unverändert erhaltenen Ladegast-Werke und eine seiner frühesten pneumatischen Orgeln) durch die Werkstatt Johannes Klais (Bonn) statt.

Während der Renovierungsarbeiten in der Kirche 1996/97 wurde die Orgel bis auf den Unterbau (Manual- und Pedalstockoberkante einschließlich Spieltisch) von der Siegener Orgelbauwerkstatt Hans Peter Mebold vollständig abgebaut, denkmalgerecht eingelagert und gereinigt. Nach dem Wiedereinbau wurde die Orgel gestimmt und nachintoniert.

Der Spieltisch ist vor die Front des Gehäuses gesetzt. Die Registerzüge liegen in einer Reihe über dem oberen Manual (von links nach rechts. Hauptwerk, Oberwerk, Pedal, Koppeln, Calcant). Zwischen den beiden Manualen sind vier kleine Metallstifte angebracht, durch die die festen Kombinationen ein- und ausgeschaltet werden können: die linken zwei Metallstifte sind für die Piano-Kombination, die bei eingedrücktem inneren Stift eingeschaltet ist; die rechten beiden Forte-Kombination, bei der ebenfalls der innenliegende Stift zum Einschalten eingedrückt werden muss. Zum Ausschalten drückt man jeweils auf den außenliegenden Stift. Die festen Kombinationen beinhalten keine Koppeln, und zu ihnen lassen sich manuell Register und Koppeln hinzuziehen.

Die Trakturen sind komplett pneumatisch, die Windladen sind als pneumatische Kegelladen gebaut.

Disposition

I. Manual                              C – f³

II. Manual                            C – f³

Pedal                                      C – d¹

1 Cornett 2-3f.                [22/3’]

2 Mixtur, 3fach.                    [2’]

3 Octave                                        2.

4 Rohrflöte,                                4.

5 Doppelfl,                                  8.

6 Viola                                            8.

7 Bordun, [ab G]                   16.

8 Principal,                                  4.

9 Principal,                                  8.

Man.Copp.

10 Zartflöt,                                 4.

11 Fl.major, [1]                            8.

12 Fl.dolce,                                8.

13 Viola d’am.                          8.

14 Posaune,                             16.

15 Cello,                                       8.

16 Subbass,                              16.

17 Violon                                   16.

Ped.Copp. [zu I]

 

Spielhilfen

Feste Kombinationen

- [piano]: 4, 6, 10-13, 16

- [forte]: 1-9, 14-17

Calcant.



[1]    Pfeifensignatur: Gemshorn (konische Form).

© Gabriel Isenberg, 1997 / 2005

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