Hermagor

Kath. Pfarrkirche St. Hermagoras und Fortunatus

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Hauptplatz • A-9620 Hermagor

Kirche

Die den Heiligen Hermagoras und Fortunatus geweihte Pfarrkirche der Kärntner Bezirkshauptstadt Hermagor liegt mitten im Ort. Die Pfarre wird urkundlich erstmals 1169 erwähnt. Die mittelgroße spätgotische Anlage wurde nach 1478 erneuert (wobei im Chor Mauerwerk des Vorgängerbaus einbezogen ist) und 1485 geweiht. Nach dem Stadtbrand wurde die Kirche 1904 außen historisierend renoviert. Restaurierungen fanden statt ab 1963 und 1996-1998. Die Einrichtung ist größtenteils spätbarock.

Orgel

Der erste bekannte Orgelbau in der Hermagorer Pfarrkirche datiert auf das 18. Jahrhundert, als ein unbekannter Orgelbauer ein Werk mit fünf Registern auf einem Manual und mit angehängtem Pedal anfertigte. Später wurde dieses Werk nach St. Maria in Siebenbrünn (Radendorf) übertragen.

1860 baute der Orgelbauer Josef Grafenauer aus dem benachbarten Egg im Gailtal die neue Orgel für die Pfarrkirche. Laut Bernhard Ottitsch dürfte die Hermagorer Orgel in der ursprünglichen Planung einmanualig konzipiert gewesen sein. 1891 wurde das Instrument durch den Sohn des Erbauers Franz Grafenauer (Egg) instandgesetzt und auf „Normalton“ gestimmt. 1904 ist eine Blasebalgreparatur belegt (von dem Stadtbrand scheint die Orgel keine Schäden davon getragen zu haben). Die Prospektpfeifen mussten im Krieg nicht abgeliefert werden. Im Juni 1922 führte durch Rudolf Novak (Klagenfurt) eine Reparatur durch.

Im Jahr 1964 fand im Rahmen einer Generalrestaurierung der Kirche eine größere „Renovierung“ der Orgel durch die Firma Novak (Klagenfurt) statt, wobei die Mixtur und die Octave 2’ erneuert wurden. Immer wieder gab es Überlegungen, ein größeres Instrument für die Kirche anzuschaffen. Glücklicherweise fiel die Entscheidung dagegen aus und die Grafenauer-Orgel konnte 1997 durch die Orgelbauwerkstatt Walter Ottitsch (Ferlach-Reßnig) unter Leitung von Bernhard Ottitsch grundlegend und nach denkmalschützerischen Gesischtspunkten vorbildlich instandgesetzt werden. Dabei wurden u. a. die Register Principal 2’ und Mixtur nach Grafenauerschem Vorbild neu gebaut und die Balganlage (die aufgrund ihrer Entfernung von der Orgel nicht genügend stabilen Wind lieferte) erneuert.

Die beiden mittleren Felder des Gehäuses sind niedriger und geben den Blick auf das dahinterliegende Fenster frei. Die dreigeteilte Windlade für das 1. Manual befindet sich in Kopfhöhe (Prospektpfeifen-Niveau), darunter die des 2. Manuals (knapp über dem Emporenboden), dahinter das Pedalwerk (gesamte Höhe). Der Spieltisch steht vor der Orgel mit Blickrichtung ins Kirchenschiff, die Traktur verläuft durch das kleine Podest zwischen Orgel und Spieltisch.

Die Manualklaviaturen sind original erhalten. Die Registerzüge sind in einer Reihe über dem Obermanual angebracht; in der Reihenfolge: Pedal, Hauptwerk, Nebenwerk (von links nach rechts). Neben den Manualen links und rechts sind die Koppelzüge. Die Beschriftung an den Zügen auf Emailleschildern wurde 1997 erneuert, da die alten Bezeichnungen unlesbar geworden waren.

Das Hermagorer Werk zählt zu den größten Orgeln aus der Werkstatt des Josef Grafenauer. Zudem ist es die einzige Orgel, die noch die originalen Prospektpfeifen aus der Werkstatt Grafenauer besitzt. Die Orgel ist eine der besterhaltenen des Egger Meisters, deren weicher, runder und fülliger Klang eine breite Klangpalette bietet.

Die Trakturen sind mechanisch, die Windladen sind als Schleifladen gebaut. Die Pedalregister sind bis H ausgebaut; die Klaviatur reicht für die Pedalkoppel bis fº.

Disposition

I. HAUPTWERK | C–c³

Bordun 16'

Principal 8'

Salicional 8'

Flöte 8'

Octave 4'

Flöte 4'

Octave 2'

Mixtur 3f.

Koppel II-I

II. UNTERWERK | C–c³

Gedeckt 8'

Gamba 8'

Rohrflöte 4'

PEDAL | C–H, Koppel bis fº

Subbass 16'

Octavbass 8'

Quintbass 6'

Koppel I-P (durchkoppelnd)


SYSTEM | Schleiflade, mechanische Spiel- und Registertraktur

Bildergalerie

© Gabriel Isenberg, 1998 / 2005

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