Wenden

Katholische Pfarrkirche Sankt Severinus

Am Kirchplatz • D-57482 Wenden

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Kirche

Bereits 1179 wurde urkundlich eine Kapelle in Wenden erwähnt, ebenso in einer Urkunde von 1308. Die Vorgängerkirche wird um 1350 gebaut worden sein, deren Grundmauern während der Renovierung 1987-88 teilweise freigelegt wurden. 1714 brannten Kirche und Dorf fast vollständig ab. Bis 1718 waren die Schäden behoben. Zwischen 1749 und 1751 wurde die jetzige Kirche um die alte herumgebaut. Die alte Kirche blieb für den Gottesdienst in Gebrauch. erst als das Bruchsteingewölbe der neuen Kirche fertig war, wurde die alte abgebrochen. Mit deren Steinen wurde dann der Chorraum gemauert, das Holz wurde im Dachstuhl eingearbeitet. Die vorher ausgebauten Altäre, die Orgel, die Figuren und Bilder wurden in gleicher oder überholter Form in die neue Kirche übernommen.

Orgel

Als die Wendener Kirche um 1750 neu gebaut wurde, beaufragte der Pfarrer Schlösser den Koblenzer Orgelbauer Bartholomäus Boos, der sogleich mit dem Bau einer neuen Orgel beginnen konnte. Bei diesem Neubau wurde Pfeifenmaterial aus der Orgel der Vorgängerkirche (nach 1714) verwendet. Den prächtigen Prospekt schuf der Ottfinger Schreiner Ferdinand Stracke.

Während der Arbeiten in der Kirche stürzte der Orgelbauer am 22. August 1755 von der Leiter und starb. Daraufhin wurde er unter der Orgelbühne der neuen Kirche begraben. Sein Sohn Joseph Boos konnte die Arbeiten aber vollenden, so dass das zweimanualige Werk mit 23 Registern noch 1755 eingeweiht wurde. 1860 wurde das Instrument umgebaut.

Im Jahre 1903 baute Anton Feith (Paderborn) in dem historischen Gehäuse ein pneumatisches Kegelladenwerk, das in den 1950er Jahren elektrifiziert wurde. Die heutige Orgel stammt aus dem Jahr 1975 von der Dorstener Orgelbaufirma Franz Breil. Dabei wurde erneut der historische Prospekt samt Prospektpfeifen übernommen. Ein Großteil der Register stammt aus den Beständen von 1860 und 1903; das Gedackt im Hauptwerk sowie ein Teil der Bordun 16’ sind noch von Boos. Bei den Renovierungsarbeiten 1986-89 in der Kirche wurde auch die Orgel überholt. Um die Jahrtausendwende wurden erneut Überlegungen zu einer Veränderung der Orgelsituation angeregt, die aber nicht weiter verfolgt wurden.

Das Hauptwerk befindet sich heute hinter den Prospektpfeifen im oberen Orgelgehäuse. Das recht wenig durchsetzungsfähige Unterwerk ist hinter der Vergitterung im Untergehäuse untergebracht; es konnte über den Schwelltritt im Spieltisch durch einen Schieber hinter der Vergitterung in der Lautstärke reguliert werden (die Schiebejalousien wurden um 2010 ausgebaut). Das Pedalwerk ist hinter dem Orgelgehäuse aufgestellt.

Als Pendant zu der äußerlich beeindruckenden und klanglich schönen Orgel befindet sich über dem Hauptaltar im Chorraum ein Triumphbogen, auf dem verschiedene Musikinstrumente – u.a. auch eine Orgel – abgebildet sind.

Der Spieltisch steht frei vor der Orgel, die Trakturen werden unter dem Emporenboden zur Orgel geführt. Die Registerkippschalter sind in zwei waagerechten Reihen (HW getrennt zwischen Nr. 16 und 17) links neben den Manualen angeordnet. Über jedem Kippschalter sind zwei Stifte (weiß und schwarz) für die freien Kombinationen B und C; entsprechend unter den Pedalschaltern zusätzlich je ein weißer Stift für die Pedalkombination d. Die Einzelabsteller befinden sich links neben den Schwellwerk-Kippschaltern. Als Schalter unter dem 1. Manual liegen die Knöpfe: A – B – C – Pl. – d. Als Pistons sind außer diesen Hilfen auch die drei Koppeln vorhanden, die unabhängig von den Kippschaltern und vorrangig eingeschaltet werden. Über dem Obermanual sind Lichtsignale für die Koppelbetätigung über die Pistons und die aktuell gewählte Kombination angebracht. Die Orgel hat Schleifladen mit mechanischer Spieltraktur und elektrischer Registertraktur.

Disposition

I. Hauptwerk           C – g³

II. Unterwerk          C – g³

Pedal                        C – f¹

13 Bordun                      16’

14 Prinzipal                      8’

15 Gamba                        8’

16 Gedackt                      8’

17 Oktave                        4’

18 Hohlflöte                      4’

19 Nasat [vakant]         22/3

20 Waldflöte                     2’

21 Kornett 3-4f.

22 Mixtur 4-6f.             11/3

23 Trompete                     8’

12 II/I

1 Liebl. Gedackt              8’

2 Tichterflöte                   8’

3 Prinzipal                        4’

4 Rohrflöte                      4’

5 Oktave                          2’

6 Terz                          13/5

7 Quinte                       11/3

8 Scharff 4f.

9 Basson [vakant]         16’

10 Krummhorn                 8’

11 Tremulant

24 Prinzipal                    16’

25 Subbass                   16’

26 Oktavbass                  8’

27 Pommer                       8’

28 Choralbass                 4’

29 Mixtur 4f.

30 Posaune                   16’

31 II/P

32 I/P

 

Spielhilfen

Handregister (A), Zwei freie Kombinationen (B und C), freie Pedalkombination (d)

Pleno

Einzelabsteller: 9, 10, 23, 30

Bildergalerie

Literatur

Rudolf Reuter, Historische Orgeln im Kreis Olpe, Münster 1982, S. 86

Hannalore Reuter, Historische Orgeln in Westfalen-Lippe, Münster 2006, S. 342f

© Gabriel Isenberg, 1999 / 2011

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