Zlan

Evangelische Kirche

Kirchplatz • A-9713 Zlan

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Kirche

Im Jahre 1782 wurde die evangelische Pfarrgemeinde in Zlan (Gemeinde Stockenboi in Kärnten) gegründet und ein hölzernes Bethaus erbaut. Die heutige Kirche – die größte evangelische Kirche in Kärnten – wurde in den Jahren 1806 bis 1809 im „Nachrokoko-Stil“ errichtet. Der Turm wurde erst 1950 hinzugebaut. Kanzel und Altar stammen aus der katholischen Villacher Hauptkirche St. Jakob.

Orgel

Jakob Ladstätter war Lehrer in Zlan und eignete sich autodidaktisch das Orgelbau-Handwerk an. Er wurde 1805 geboren, siedelte später nach Stockenboi über und verstarb dort 1875. Die Orgel in Zlan baute er in den Jahren 1862 bis 1864, 1865 wurde sie „gefasst“, d. h. bemalt. Anfangs hatte sie über 30 Register auf vier Manualen und Pedal (vermutlich war eine Physharmonica im Spieltisch eingebaut). Es ist zu vermuten, dass die Orgel anfangs nicht so groß geplant war. Johann Kuher aus St. Leonhard im Loibltal führte 1900 eine größere Reparatur durch und baute die Orgel um, so dass sie nun 27 Register auf drei Manualen und Pedal besaß. Oskar Eberstaller schreibt 1955 über die Orgel: „Die Disposition ist zwar eigenartig, aber nicht befriedigend, auch die Intonation läßt viel zu wünschen übrig; auch soll die Orgel nicht besonders gut funktioniert haben, so daß Ladstätter mancherlei Anfeindungen ausgesetzt war und sich schließlich auf seinen Besitz in Stockenboi zurückzog.“

Die Wiener Orgelbaufirma Herbert Gollini restaurierte und erweiterte die Orgel in den Jahren 1984-1985. Dabei wurde u. a. der Spieltisch neu gestaltet, der Pedalumfang erweitert (ursprünglich C-c0) und zweites und drittes Manual vertauscht.

Im Orgelgehäuse sind zwei Windladen-Ebenen aufgebaut. Die Pedalpfeifen im hinteren Teil nehmen die komplette Höhe in Anspruch. Das zweite Manualwerk ist im oberen Gehäuseteil untergebracht, auf der ersten Etage stehen erstes und drittes Manualwerk. Der Spieltisch steht frei vor der Orgel, der Organist blickt ins Kirchenschiff. Die Register werden über eiserne Hebel eingeschaltet, die links und rechts senkrecht aus dem Spieltischgehäuse ragen. Die Anordnung der Hebel ist recht konfus und daher für fremde Organisten nur schwer zu überblicken. Die Manualkoppeln sind als Züge in der rechten Gehäusewange des Spieltisches eingebaut, die Pedalkoppeln als Wipptritte rechts über der Pedalklaviatur.

Im Großen und Ganzen hat die Orgel einen schönen Klang. Das zweite Manual klingt sehr entfernt, das erste hingegen ziemlich direkt, insofern sind die Werke nicht gut ausgewogen im Klang. Im Grundstimmenbereich erlaubt die Disposition einige interessante Klangfarben-zusammenstellun¬gen. Die Mechanik ist nicht immer zuverlässig. Die Orgel ist nach dem Schleifladensystem mit mechanischen Trakturen erbaut.

Disposition

I. Manual                  C – f³

II. Manual                  C – f³

III. Manual                 C – f³

Prinzipal                           8’

Hohlflöte                          8’

Gambe                             8’

Oktave                             4’

Flöte                                 4’

Quinte                          22/3

Superoktave                    2’

Bordun                           16’

Praestant                         8’

Flöte                                 8’

Gedeckt                           8’

Salicional                         8’

Flöte                                 4’

Gemshorn                        4’

Prinzipal                         16’

Oktave                             8’

Violine                              8’

Flöte                                 4’

Kornett 4f.

Rauschquinte 2f.

MK III-I

MK II-I

Quinte                          22/3

Oktave                             2’

Mixtur 3f.

 

 

Pedal                                

                                 C – d¹

 

Prinzipalbaß                   16’

Subbaß                          16’

Violon                            16’

Oktavbaß                         8’

I-P     II-P       III-P

Bildergalerie

Literatur

Oskar Eberstaller, Orgeln und Orgelbauer in Österreich, Graz-Köln 1955, S. 135

© Gabriel Isenberg, 2004

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