Altenberg

Simultane Domkirche Unserer Lieben Frau

Eugen-Heinen-Platz • D-51519 Odenthal

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Kirche

Im Jahre 1133 wurde das Kloster in Altenberg unter Abt Berno gegründet, der zwölf Jahre später den Grundstein zu einem neuen Kirchbau im Tal legte. Um 1200/20 ist der Baubeginn der romanischen Klosteranlage anzusetzen. Der Grundstein zum heute noch bestehenden Kirchbau wurde 1259 gelegt. Nachdem das Querhaus bereits um 1275 fertiggestellt war, fand die Kirchweihe erst 1379 statt. Die Klosteranlage wurde 1496/1517 vollendet.

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1803 aufgelöst. In der Folgezeit zerfielen die Gebäude nach und nach, 1815 brannten Kloster und Kirchendach, 1821 und 1830 stürzten Teile der Kirche ein. Franz-Egon von Fürstenberg-Stammheim erwarb das Kirchengrundstück 1834 und begann mit dem Wiederaufbau der Kirchen- und Klostergebäude. Der restaurierte Bergische Dom wurde 1847 eingeweiht. Seit 1857 wird der Dom simultan von beiden Konfessionen genutzt. Auch in den folgenden Jahrzehnten wurden immer weiter restaurative Arbeiten am Dom durchgeführt, die 1911 abgeschlossen werden konnten. Eine erneuerte Instandsetzung der Kirche fand in den Jahren 1963 bis 1967 statt. Zwischen 1995 und 2006 wurde der Dom grundlegend saniert und restauriert.

Orgel

Eine erste Orgel ist in den Altenberger Quellen unter Abt Johannes Rente (1430-1440) nachweisbar; diese Orgel wurde unter Abt Heinrich Rouffer von Brauweiler (1496-1517) durch zwei neue ersetzt. Diese wurden oftmals repariert, zum Teil verlegt und erneuert und fielen schließlich wie so vieles in Altenberg den Folgen der Säkularisation zum Opfer.

Im nach der Säkularisation wiederhergestellten Dom bauten die Orgelbauer Gebr. Müller aus Reifferscheid 1872 die erste große Orgel mit 20 Registern auf zwei Manualen und Pedal. 1902 begann Ernst Seifert (Köln-Mansfeld) mit dem Bau einer neuen Orgel, von der 1912 erst zwei Register provisorisch aufgestellt werden konnten. 1927 schließlich war die Orgel – an der Wand des Südquerhauses untergebracht – vollendet. Zu ihrer Einweihung, die bereits 1912 stattgefunden hatte, schrieb der Komponist Max Bruch seine „Hymne an Altenberg“ für vierstimmigen Chor, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauken und Orgel.

In den 1970er Jahren häuften sich Klagen über gravierende klangliche und technische Mängel an der Orgel, so dass ein Neubau ins Auge gefasst wurde. Im Dezember 1976 erfolgte die Ausschreibung für den Neubau der Orgel; aus den Angeboten von vier Orgelbauanstalten erhielt die Firma Johannes Klais (Bonn) den Zuschlag. Im Januar 1978 wurde die alte Orgel abgebrochen, die einzelnen Pfeifen wurden verkauft, um aus diesen Mitteln die Finanzierung der neuen Orgel mittragen zu können. Gutachten für den Orgelstandort erbrachten, dass die neue Orgel um mindestens 4 Meter gegenüber dem alten Standort vorverlegt werden musste, um den Kirchenraum klanglich optimal ausfüllen zu können. Am 20. April 1980 schließlich konnte in einem ökumenischen Festgottesdienst die neue Orgel geweiht werden. Seit 1988 findet in Altenberg jählich die „Internationale Orgelakademie“ statt, die eine Begegnung von Studentinnen und Studenten der Kirchenmusik, vornehmlich des Faches Orgel, mit Meisterschülern und Meisterorganisten auf europäischer Ebene ermöglicht. Einrichtungen der Akademie sind Konzerte, Symposien und Workshops. Zentrales Thema der Orgelakademie ist die Kunstform der Improvisation auf dem Gebiet der Orgelmusik.

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten am Dom erfuhr auch die Domorgel in den Jahren 2005 bis 2007 einige Erneuerungen und Renovierungen. So wurde die Intonation erneuert und die Disposition um 4 Pedalregister plus zwei Hochdruckregister erweitert.

Die Altenberger Domorgel hat zwei Spieltische: zum einen den mechanischen Spieltisch in der Orgel selbst, der zwischen Hauptgehäuse und Rückpositiv eingebaut ist, und zum anderen den fahrbaren Spieltisch, der gegenüber der Orgel an der Nordseite des Langschiffes steht. Von ihm aus kann die Orgel klanglich vom Organisten ausgewogen gehört werden. Im fahrbaren Spieltisch sind die Kippschalter für die Register in Reihen links und rechts neben den Manualen angelegt. Die Setzeranlage ist durch Druckschalter zu betätigen, die sich unter bzw. zwischen den Manualen befinden. Anzeigen über dem vierten Manual geben den Stand der Schweller, der Walze und der Kombinationen an. Die Kombinationstritte und sämtliche Pedalkoppeln sind nochmals als Fußpuffer vorhanden.

Die Orgel ist nach dem bewährten mechanischen Schleifladensystem erbaut. Die Spieltrakturen des eingebauten Spieltisches sind mechanisch. Die Registertrakturen und die Übertragung vom fahrbaren Spieltisch sind elektrisch. Die Setzeranlagen beider Spieltische korrespondieren miteinander.

Disposition

 * = neue Register seit 2005/07

 

I. Rückpositiv          C – a³

II. Hauptwerk          C – a³

III. Schwellwerk     C – a³

1 Praestant                      8’

2 Holzgedackt                  8’

3 Quintadena                   8’

4 Bifaria                           8’

5 Principal                        4’

6 Rohrgedackt                 4’

7 Octave                          2’

8 Spillflöte                        2’

9 Quinte                       11/3

10 Sesquialter 2f

11 Scharff 5f

12 Cymbel 3f

13 Dulcian                      16’

14 Cromorne                    8’

15 Tremulant

16 III-I

17 IV-I

O [Glockenspiel]

18 Praestant                  16’

19 Bordun                     16’

20 Principal                      8’

21 Doppelflöte                 8’

22 Gemshorn                  8’

23 Quinte                     51/3

24 Octave                       4’

25 Offenflöte                   4’

26 Terz                        31/5

27 Quinte                     22/3

28 Superoctave              2’

29 Cornet 5f

30 Mixtura Major 5f

31 Mixtura Minor 4f

32 Fagott                       16’

33 Trompete                    8’

34 Trompete                    4’

35 I-II

36 III-II

*37 III-II Sub

38 IV-II

100 Viola                       16’

101 Geigenprincipal         8’

102 Flute Harmonique      8’

103 Gamba                      8’

104 Vox coelestis           8’

105 Weitoctave               4’

106 Flute Octaviante       4’

107 Salicet                       4’

108 Octavin                     2’

109 Dolkan                       2’

110 Harmonia Aetheria 4f

111 Fourniture 6f

112 Bombarde               16’

113 Trompette Harmon.   8’

114 Hautbois                   8’

115 Clairon Harmonique  4’

116 Tremulant

117 IV-III

*Schwellerkoppel III-IV

 

IV. Brustwerk         C – a³

Trompeteria          C – a³

Pedal                       C – g¹

86 Spitzgamba                 8’

87 Rohrflöte                     8’

88 Traversflöte                8’

89 Holzprincipal               4’

90 Blockflöte                    4’

91 Nasard                    22/3

92 Prinzipal                      2’

93 Terz                        13/5

94 Larigot                     11/3

67 Clarin Brillante Bass   2’

68 Trompeta Magna D.  16’

69 Tromp. de Batalla B.   8’

70 Tromp. de Batalla D.   8’

71 Bajoncillo Bass           4’

72 Bajoncillo Diskant       4’

73 Orlos Baß                   8’

74 Orlos Diskant              8’

75 Tr.-P

39 Praestant                  32’

40 Principal                    16’

41 Subbass                   16’

*42 Zartbass                 16’

43 Violon                       16’

*44 Quinque Decim.   102/3

45 Octave                        8’

46 Spitzgedackt               8’

47 Cello                            8’

95 Sifflet                          1’

96 Septime                     4/7

97 Actua 4f
98 Vox humana               8’

99 Tremulant

76 Tr.-II

77 Tr.-IV

48 Superoctave               4’

49 Gedacktflöte               4’

50 Jubalflöte                    2’

51 Basszink 3f
52 Hintersatz 5f
53 Tremulant

*54 Donner                    64’

55 Contraposaune         32’

*56 Contrafagott            32’

57 Posaune                   16’

58 Basson                     16’

*59 Trompete                   8’

60 Holztrompete              8’

61 Klarine                        4’

62 I-P

63 II-P

64 III-P

65 III-P super

66 IV-P

 

* Tuba                     C – a³

78 Tuba                        16’

79 Tuba                          8’

80 Tuba-I

81 Tuba-II

82 Tuba-III

83 Tuba-IV

84 Tuba-P

85 Tuba 8’ - P Sub


Spielhilfen

bis 2007:

Setzeranlage mit 32 freien Kombinationen je Schlüssel (4x8x4)

8 freie Kombinationen pro Werk

Crescendowalze

Jalousieschweller für 3. (Schwellwerk) und 4. Manual (Brustwerk)

Anzeigen für Schweller, Crescendo und Kombinationen

Geschwindigkeitsregler für die Tremulanten

 

seit 2007:

Setzeranlage mit 1 Mio. Kombinationen

Bildergalerie

Literatur

Die Orgel im Altenberger Dom, Bergisch Gladbach 1980

Wolfgang Guhswald, Faszination einer Domorgel. Die Klais-Orgel von 1980 im Dom zu Altenberg, Odenthal 1988

© Gabriel Isenberg, 2004 / 2010

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