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Düsseldorf

Katholische Pfarrkirche Sankt Maximilian (Maxkirche)

Maxplatz • D-40213 Düsseldorf


Kirche

Im Jahr 1651 errichtete der Franziskaner-Orden an der Stelle der heutigen Maxkirche eine dem Heiligen Wolfgang geweihte Kapelle. Neben dem Kloster wurde 1668 die St.-Antonius-Kirche fertiggestellt. Sie wurde 1736 durch den heutigen Kirchbau ersetzt, der damals zunächst auch dem Heiligen Antonius von Padua geweiht war. Im Zuge der Reformation wurde das Franziskaner-Kloster aufgehoben und am 19. Juni 1805 die Pfarrgemeinde St. Maximilian gegründet, die die alte Klosterkirche übernahm. Im Laufe der Jahrhunderte sind mehrere Arbeiten an der Kirche durchgeführt worden, u. a. Restaurierungen 1831 und 1975. Die Kirchenmusik spielte seit jeher eine bedeutende Rolle für St. Maximilian; als wichtigste Namen sind Louis Spohr, Felix Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann zu nennen.

Ehemalige Orgel

In der Vorgängerkirche wurde 1686 eine Orgel eingebaut, die später in die neue Kirche übertragen wurde. Über sie sind keine genaueren Angaben bekannt. Rund zwanzig Jahre nach Errichtung der heutigen Kirche wurde der rennomierte Kölner Orgelbauer Christian Ludwig König mit dem Neubau einer großen Orgel beauftragt. Die alte Orgel wurde von König renoviert und in ein anderes Kloster übertragen. In der Maxkirche entstand die mit 39 Registern auf drei Manualen damals größte Orgel Düsseldorfs. Die Arbeiten an der neuen Orgel waren 1753 beendet. Das Instrument stand an der Emporenbrüstung, der Spieltisch war seitlich eingebaut.

Durch den Orgelbauer Adam Kemmerling (Katzem bei Erkelenz) erfolgte 1831 die erste umfassende Renovierung der König-Orgel, bei der bereits ein erheblicher Bestandteil der ursprünglichen Substanz verloren ging. Die Orgel hatte nun nur noch 29 Register. Im Ersten Weltkrieg mussten die zinnernen Prospektpfeifen zu Kriegszwecken abgeliefert werden. Danach führte Eberhard Friedrich Walcker eine Renovierung nach einem Konzept Hanns Henny Jahns durch, die 1934 abgeschlossen wurde. Bei dieser Arbeit wurde das gesamte Instrument einige Meter weiter nach hinten gerückt, um mehr Platz für Chor und Orchester vor der Orgel zu erhalten. Die Eingriffe in die Substanz waren so beträchtlich, dass von einem Neubau gesprochen werden kann, die Registerzahl betrug nun 31 auf drei Manualen und Pedal. Walcker nahm nach dem Zweiten Weltkrieg 1961 eine erneute Renovierung und Erweiterung auf 41 Register vor. Durch das Fehlen brauchbarer Zungenstimmen und die zu engen Mensuren ließ das Pleno der Orgel trotz ihrer 41 Register an Tragkraft und Klangfülle vermissen.

Als die Maxkirche 1975 restauriert wurde, musste die Orgel ausgebaut werden. Bei der folgenden Restaurierung wurde viel Wert auf die Beibehaltung der noch vorhandenen originalen Substanz und vor allem das Gehäuse gelegt. Die Arbeiten führte Orgelbau Gebr. Oberlinger (Windesheim) bis 1977 durch. Bei der Disposition wurde das noch vorhandene Pfeifenmaterial wiederverwendet. Durch gut gemeintes Bearbeiten der alten Pfeifen, Umstellen und Ergänzen der Mixturen, Korrigieren der Mensuren und Aufschnitte erreichten die Orgelbauer die Anpassung an die 21 neuen, in der eigenen Pfeifenwerkstatt hergestellten Register, die das Klangbild der nunmehr 51 Stimmen umfassenden Orgel ergeben.

Im Laufe der Jahre zeigten sich allerdings immer stärkere Verschleißerscheinungen, die teilweise zum Totalausfall des Instruments führten und nur mit viel Einsatz der Kirchenmusiker in annehmbaren Grenzen gehalten werden konnten. Aus heutiger Sicht entsprechen auch die damaligen Restaurierungsmethoden nicht mehr heutigen Ansprüchen, so dass historischer Bestand und Erhaltungszustand eine sorgfältige Restaurierung dringend erforderlich machen. Nichtsdestotrotz wurde das kirchenmusikalische Leben in St. Max nach wie vor besonders gepflegt, so besteht bspw. seit 1981 die Reihe „Orgelmusik zur Marktzeit“, in der das ganze Jahr über jeden Samstagmittag eine halbe Stunde Orgelmusik erklingt. Im Jahr 2011 wurde das abgängige Instrument durch einen Neubau von Orgelbau Klais unter Wiederverwendung der historischen Substanz ersetzt.

Die Spielanlage der Oberlinger-Orgel war frontal in das Orgelgehäuse eingebaut. Die gedrechselten Registerzüge befinden sich zu beiden Seiten der Spielanlage (links Pedal und Brustwerk, rechts Schwellwerk und Hauptwerk). Die Setzeranlage wird über Schalter unterhalb des ersten Manuals bedient. Die Anlage greift in die mechanische Registertraktur ein, ist aber nur noch bedingt funktionsfähig, da einige Register gar nicht mehr, andere nur „mit viel Glück“ durch sie bedient werden können. Die Kombinationen A bis E sowie die drei Pedalkoppeln können zusätzlich über Fußtritte betätigt werden. Einige der Registerknäufe sind abgerissen. Der Auslöser der Setzeranlage sollte nicht mehr betätigt werden, da er je nach Störung der Elektrik die ganze Orgel lahmlegt; auch einzelne Register können manchmal nicht mehr per Hand gezogen werden, da sie dann mit Dauerstrom für die Ausschaltung versorgt werden.

Disposition

I. Brustwerk                       C – a³

II. Hauptwerk                   C – a³

III. Schwellwerk              C – a³

16 Holzdedackt                        8’

23 Quintaton                             8’

17 Principal                                4’

24 Koppelflöte                         4’

18 Gemshorn                             2’

25 Sesquialter 2fach

19 Quinte                               11/3

20 Cymbel 4fach

21 Cromorne                               8

54 Pommer                             16’

45 Principal                               8’

55 Rohrflöte                              8’

56 V. d. Gamba                        8’

46 Oktave                                    4’

57 Gedacktflöte                      4’

47 Quinte                              22/3

48 Superoktav                          2’

49 Cornett 4fach

29 Holzflöte                                8’

36 Bleigedackt                          8’

37 Salicional                               8’

38 Schwebung                          8’

30 Principal                                4’

39 Gemshorn                             4’

40 Quinte                               22/3

31 Oktave                                     2’

41 Terzflöte                          13/5

22 Vox humana                        8’

26 Glockenspiel [stillgelegt]

27 Tremulant

28 Schw./Bw.

50 Mixtur 6fach

51 Cymbel 4fach

52 Trompete                          16’

53 Trompete                             8’

60 Cymbelstern

58 Schw./Hw.

59 Bw./Hw.

42 Quintan               11/3’ + 8/9

43 Sifflöte                                    1’

32 Scharff 5fach

33 Basson                                  16’

34 Hautbois                                8’

35 Clairon                                    4’

44 Tremulant

 

Pedal

                                                    C – f¹

Spielhilfen

1 Principalbaß                        16’

9 Subbaß                                    16’

2 Oktavbaß                                   8’

10 Pommer                                 8’

3 Quinte                                  51/3

4 Oktave                                        4’

11 Baßflöte                                  4’

12 Nachthorn                             2’

5 Mixtur 6fach

6 Posaune                                 16’

7 Trompete                                8’

8 Schalmey                                 4’

13 Schw. Ped.

14 Hw. Ped.

15 Bw. Ped.

15facher Setzer (A bis E, F bis J, K bis O)

[Auslöser defekt]

© Gabriel Isenberg, 2006