Praha-Hradčany (Prager Burg)

Narození Páně v Loretě (Geburtskirche im Loreto)

Loretánské náměstí • CZ-118 00 Praha 1

zurück  ·  # 326  ·  weiter

Kirche

Der Bau der bekanntesten tschechischen Loretokirche wurde von der sog. Heiligen Hütte (Casa santa) in der italienischen Stadt Loreto inspiriert. Die Heilige Hütte symbolisiert die arme Behausung, in der der Erzengel Gabriel in Nazareth der Jungfrau Maria verkündete, dass sie die Mutter Gottes sein wird.

Gegründet wurde die Prager Loretokirche im Jahre 1626 von der Gattin Wilhelm Popels von Lobkowicz, Benigna Katharina. Die Prager Kapuziner, die die geistliche Verwaltung des neuen Wallfahrtsortes übernommen hatten, ließen in der Nachbarschaft der Kirche ein Kloster – das erste ihres Ordens in Böhmen – errichten. Die Kapelle der Geburt des Herrn wurde nach 1721 nach den Plänen von Christoph Dientzenhofer erweitert und ist somit zum größten Sakralraum im gesamten Loreto-Areal geworden.

Das Prager Loreto ist unter anderem dank seines barocken Glockenspiels wie auch der kostbaren Schatzkammer mit der diamantenen Monstranz, der „Prager Sonne“, berühmt geworden.

Orgel

1717 begann der in Prag ansässige Orgelbauer Leopold Spiegel mit einem Orgelneubau für die Prager Loretokirche. Diese Orgel wurde 1727 verändert. Nach dem Tod Spiegels im Jahr 1730 wurde zunächst 1734 ein Vertrag mit dem böhmischen Orgelbauer Jan Bohumír Halbich (Králíky) geschlossen. Nach dessen vermutlich vorzeitigem Ableben wurde das in wesentlichen Teilen immer noch unfertige Werk von den Meistern Franz Katzer und Kaspar Weltzel (ebenfalls in Králíky) 1738 schließlich vollendet.

Als die Kirche während der Zeit des Sozialismus hauptsächlich als profaner Konzertsaal diente, wurde Orgel Ende der 1960er Jahre von der Orgelbaugenossenschaft IGRA um eine pneumatische Ansatzlade erweitert. Diese Änderung nahm Vladimír Šlajch (Borovany) im Zuge der Restaurierung des Werkes 1989-92 zurück und führte die Orgel auf den Zustand von 1738 zurück. Etwa 95 % der Pfeifensubstanz sind original erhalten, ebenso wie die fast vollständig erhaltene barocke Spieltraktur.

Der freistehende Spieltisch ist mittig zwischen beiden Gehäusehälften aufgestellt; der Organist blickt ins Kirchenschiff. Im rechten Gehäuseteil befinden sich die kleineren Pfeifen der beiden Manualwerke, im linken Gehäuse die großen Pfeifen der ersten beiden Oktaven. Der üppige Skulpturenschmuck des Orgelgehäuses stammt von Hieronymus Kohl und umfasst allein 18 musizierende Engelsskulpturen und auf dem Baldachin drei Pauke spielende Engel. Die Orgel ist nach Werckmeister III temperiert, die Stimmung des Kammertons a¹ liegt bei 438 Hz.

Im Spieltisch sind die Registerzüge zu beiden Seiten neben den Manualen ins Spieltischgehäuse eingebaut: rechts Hauptwerksregister (Quintadena links), links Positivregister, darunter auf beide Seiten aufgeteilt die Pedalregister. Die Pedalklaviatur ist mit einer kurzen Oktav versehen, beide Manuale haben kurze Oktaven mit gebrochenen Obertasten.

Disposition

I. Positiv      C/E gebr. – c³

II. Hauptw.  C/E gebr. – c³

Pedal                    C/E – aº

Viola da Gamba        8 Fuß

Salicional                   8 Fuß

Copula major        [8’ Metall]

Copula minor       [4’, Metall]

Principal                    4 Fuß

Mixtur 3 Fach                 [2’]

Principal                    8 Fuß

Bifara [ab cs¹ selbst.]      8

Quintadena               8 Fuß

Octava                      4 Fuß

Superoctava             2 Fuß

Quinta                       3 Fuß

Rauschquinta 2 F.      [11/3’]

Mixtura 5 Fach           [11/3’]

[Manualschiebekoppel]

Subbass                 16 Fuß

Principalbass            8 Fuß

Octavbass                8 Fuß

Superoctavbass       4 Fuß

[keine Koppeln]

Bildergalerie

Literatur

Wolfram Adolph, Anmut und Transparenz des Orgelklangs, in: organ. Journal für die Orgel 2/2009, hier S. 12ff

© Gabriel Isenberg, 2009

A

B

C

D

E

F

G

H

I

J

K

L

M

N

O

P

Q

R

S

T

U

V

W

X

Y

Z

++