Ostercappeln

Katholische Pfarrkirche Sankt Lambertus

Kirchplatz • D-49179 Ostercappeln

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Kirche

Im Jahr 816 soll im Auftrag Karls des Großen östlich von Osnabrück eine schlichte Holzkapelle als Missionszelle eingerichtet worden sein, auf die der Name Oster-Cappeln zurückgeht. Das Patronat des Heiligen Lambertus, eines Bischofs von Maastricht, verweist auf die Missionierung durch flämische Mönche im 9. Jahrhundert. Die Kapelle wurde im 11. Jahrhundert durch einen Steinbau ersetzt, von dem bis heute der romanische Turm Zeugnis gibt. 1470 wurde dieser Bau zu einer Kreuzkirche umgebaut, der Turm ebenfalls gotisch umgestaltet. 1872 wurde die romanische Kirche bis auf den Turm abgerissen und durch eine neugotische Hallenkirche nach den Plänen des Architekten Johann Bernhard Hensen (Sögel) ersetzt, die am 11.12.1873 von dem aus Ostercappeln stammenden Bischof Johannes Heinrich Beckmann geweiht wurde. Die letzte Renovierung der Kirche fand 1989/90 statt.

Orgel

Der erste Nachweis über eine Orgel in der Pfarrkirche zu Ostercappeln ist ein Orgelvertrag von 1619 zwischen den Herren Burgmännern, Gildemeistern und sämtlichen Kirchspielleuten (Kespellünden). Da in diesem Vertrag von einem „alten Werk“ die Rede ist, darf vermutet werden, dass es schon vor 1619 in der Kirche eine Orgel gegeben haben muss.

1737 wird Christian Vater aus Hannover, der bei Arp Schnitger gelernt hat, beauftragt, eine neue Orgel für Ostercappeln zu bauen. Zuvor war ein Vertrag mit dem Orgelbauer Adam Berner geschlossen worden. Doch da dieser kurz nach der Auftragsvergabe verstarb, sollte Vater nun den Plan Berners ausführen. Mit einigen Abwandlungen des ursprünglichen Planes war die Orgel 1739 fertiggestellt. Von diesem historischen Instrument sind bis heute drei Register in der Orgel erhalten.

1837 reparierte der Orgelbauer Wilhelm Haupt aus Damme die Orgel.

Nach dem Neubau der Kirche in den Jahren 1872-74 bemühte sich der damalige Pastor und Dechant Caesmann um die Finanzierung und Genehmigung einer neuen Orgel. 1876 erhielt die in Ostercappeln ansässige Firma Haupt den Auftrag, die Orgel zu bauen, von der neun Register bis heute ihren Dienst tun.

Nachdem der Orgelbauer Kirchner (Osnabrück) 1940 bereits kleinere Veränderungen an der Orgel vorgenommen hatte, führte Orgelbau Rohlfing (Osnabrück) 1953 einen größeren Umbau durch, wobei u. a. die Trakturen elektrifiziert werden.

1992 schließlich wurde die Orgelbauwerkstatt Alfred Führer (Wilhelmshaven) beauftragt, für St. Lambertus Ostercapeln eine neue Orgel zu bauen unter Verwendung möglichst vieler Teile der historischen Vorgängerorgeln. 1994 wurde die Orgel fertiggestellt. Das Gedackt im Hauptwerk sowie die beiden Gedackt-Register im Schwellwerk stammen aus der Christian-Vater-Orgel von 1739.

Die schwalbennestartige Orgel mit ihrem an neugotischen Formen ausgerichteten Prospekt hängt an der Westwand am alten Turm der Kirche. Die Spielanlage ist im Orgelfuß untergebracht. Hier befinden sich die Registerzüge links und rechts neben dem Notenpult – jeweils außen Pedalregister, in der Mitte Schwellwerks- und innen Hauptwerksregister. Auch die Koppeln sind als Züge eingerichtet. Die beiden Manual-Mixturen sowie die Rauschpfeife im Pedal sind als Vorabzüge eingerichtet, mit denen eine Auswahl an Chören der entsprechenden Register eingeschaltet wird. Das Register Principal 8’ im zweiten Manual kam nachträglich hinzu und steht auf einer pneumatischen Zusatzlade hinter der Orgel außerhalb des Schwellkastens. Ansonsten ist die Orgel vollmechanisch mit Schleifladen konzipiert. Die Oboe 8’ ist als durchschlagendes Register gebaut. Matthias Gärtner und Martin ter Haseborg aus der Firma Führer intonierten die Orgel.

Disposition

I. Hauptwerk           C – g³

II. Schwellwerk      C – g³

Pedal                        C – f¹

14 Principal                    16’

15 Principal                      8’

20 Rohrflöte                     8’

21 Gedackt                      8’

16 Oktave                        4’

22 Doppelflöte                 4’

17 Quinte                     22/3

18 Oktave                        2’

23 Cornett 4fach

19 Quinte                     11/3

     — Mixtur 3-4fach

24 Trompete                    8’

25 Tremulant

6 S.W.-H.W.

7 Gedackt                      16’

27 Principal [nicht im SW] 8’

8 Gedackt                        8’

26 Gamba                        8’

27 Schwebung                8’

9 Principal                        4’

28 Traversflöte                4’

29 Nasard                    22/3

10 Hohlflöte                     2’

30 Terz                        13/5

11 Mixtur 3f.

       — Mixtur 5fach

12 Basson-Hautbois        8’

13 Oboe                           8’

31 Tremulant

1 Principal                      16’

32 Subbass                   16’

2 Offenbass                    8’

33 Rohrflöte                     8’

3 Oktave                          4’

34 Oktave                        2’

     — Rauschpfeife 4fach

35 Posaune                   16’

36 Trompete                    8’

4 S.W.-Ped.

5 H.W.-Ped.

Bildergalerie

Literatur

Die neue Führer-Orgel der St.-Lambertus-Kirche Ostercappeln, [Ostercappeln 1994]

© Gabriel Isenberg, 2010

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