Bremen

Ev.-luth. Domkirche St. Petri

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D-28195 Bremen | Domshof | Karte

Kirche

Der erste Dom in Bremen wurde im Auftrag von Bishof Willehad im Jahre 787 auf einer Sanddüne erbaut und war aus Holz. Im Jahr 1041 begann man mit dem Bau des heutigen Doms. Trotz mehrmaliger verheerender Brände, Einstürzen und umfangreichen Restaurierungen hat sich das Erscheinungsbild des Doms seit 1000 Jahren im Wesentlichen kaum verändert. Die im 11. Jahrhundert begonnene Errichtung des zunächst romanischen, später gotischen Kirchenbaus dauerte knapp 200 Jahre. Im 14. Jahrhundert wurde er um eine seitliche Kapelle erweitert und im späten 16. Jahrhundert erfolgte eine Umgestaltung der Nordseite in eine spätgotische Hallenkirche. Sein heutiges Aussehen erhielt der Dom durch eine umfassende Erweiterung und Renovierung im Jahre 1888. Die Nachbearbeitung des farbigen Innenlebens der Kirche in den 1970er Jahren erfolgte in Anlehnung an mittelalterliche Vorgaben. Die kraftvollen, farbigen Glasfenster stammen ebenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Der älteste Raum ist die knapp 1000 Jahre alte Westkrypta. Sie wurde 1066 geweiht.

 

Silbermann-Orgel in der Westkrypta

In den 1990er Jahren erwarb die Bremer Domgemeinde eine kleine Orgel des berühmten Orgelbauers Gottfried Silbermann, die seitdem in der Westkrypta steht.

Dieses Instrument baute Silbermann vermutlich im Winter 1732/33. 1734 hat die Orgel bereits in der alten Dorfkirche im sächsischen Etzdorf gestanden, wie ein Kalkant dort am Gehäuse vermerkt hat. Der Orgelbauer Carl Rudolph August Venzky fügte 1796 ein Pedal mit zwei Registern (Subbaß und Oktavbaß) hinzu. 1838 kam das Instrument unverändert wegen Abbruchs der baufälligen Etzdorfer Kirche nach Wallroda bei Radeberg.

1902 lieferte Eduard Berger (Dresden) eine neue Orgel für die Kirche in Wallroda und nahm das Silbermann-Positiv in Zahlung. Für seine neue Orgel verwendete er das Pedal von Venzky sowie die drei Silbermann-Register Rohrflöte 8’, Rohrflöte 4’ und Octava 2’ wieder. 1919 war die Orgel in Privatbesitz von Marianne Rüde in Dresden; die drei fehlenden Stimmen warn durch Julius Jahn (Dresden) ergänzt worden, auch veränderte er die Intonation.

1939 schließlich stand das Instrument erneut zum Verkauf, und der aus Dresden stammende Domkantor Richard Liesche erwarb es für die Bremische Evangelische Kirche zur Musikpflege am Bremer Dom. Die Firma Wilhelm Sauer unternahm vor der Aufstellung der Orgel in Bremen anlässlich des Bachfestes eine erste Rekonstruktion der Orgel. Dabei wurde, wie es zu jener Zeit üblich war, das alte Pfeifenmaterial repariert und die Disposition durch Hinzufügen von Pfeifen Sauerscher Bauart rekonstruiert. Eine gründliche Instandsetzung, die jedoch die Substanz des Werkes nicht in der Weise achtete, wie man es heute erwarten würde, ließ die Gemeinde 1953 und 1962 vornehmen.

1993 begann in der Werkstatt Kristian Wegscheider (Dresden) eine Restaurierung und Rekonstruktion des Positivs. Soweit es möglich war, wurden alle Veränderungen beseitigt und in Silbermannscher Bauweise ergänzt. Um dem Instrument wieder zu Recht den Namen Silbermann-Orgel geben zu können, war es notwendig, die in Wallroda stehenden Register mit dem übrigen Pfeifenbestand in Bremen zu vereinen. Die Verhandlungen mit der Kirchengemeinde in Wallroda und der Sächsischen Landeskirche hatten Erfolg, so dass fast 75% des heute von Silbermann stammenden Pfeifenmaterials in der kleinen Orgel wiedervereint sind. Das Pfeifenwerk konnte nun aufwendig restauriert und in Stimmtonhöhe (Chorton, a¹ = 467 Hz), Winddruck (63 mm WS) und Intonation auf seine alten Verhältnisse zurückgebracht werden. Gestimmt wurde eine stark gemilderte mitteltönige Temperierung, die sich an den Stimmungen Silbermanns orientiert, aber den Spielraum der Tonarten wesentlich weiter werden lässt. Im Juli 1994 wurde das Instrument in der Westkrypta wieder aufgestellt und fertig intoniert.

Die Registerzüge befinden sich links und rechts neben der Manualklaviatur.

Sowohl durch seine geographische Lage weit ab der übrigen Silbermann-Orgeln sowie auch durch seine innerhalb des Silbermannschen Schaffens außergewöhnliche Bau- und Dispositionsweise nimmt das achtregistrige Positiv eine besondere Stellung unter den Werken des Freiberger Orgelbaumeisters ein.

Disposition

MANUAL | CD–c³

Rohrflöte 8 Fuß

Principal 4 Fuß

Flöte 4 Fuß

Nasate 3 Fuß [ab c¹]

Octave 2 Fuß

Quinte 1 1/2 Fuß

Sufflöte 1 Fuß

Sesquialtera [= Terz 1 3/5', ab c¹]

Tremulant

Vacat


SYSTEM | Schleiflade, mechanische Trakturen

Bildergalerie

Literatur

Uwe Pape und Winfried Topp, Orgeln und Orgelbauer in Bremen, Berlin ²1998, S. 128-133

Uwe Pape (Hg.), Die Orgeln im St. Petri Dom zu Bremen, Berlin 2002, S. 124-131

© Gabriel Isenberg | 2011

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