Vörden

Evangelisch-lutherische Sankt-Christophorus-Kirche

Osnabrücker Straße • D-49434 Neuenkirchen-Vörden

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Kirche

Seit Ende des 14. Jahrhunderts steht in Vörden eine Christophorus-Kirche. Im Zuge der Reformation wechselte die Glaubenszugehörigkeit der Vördener Gemeinde mehrfach, bis schließlich die capitulatio perpetua von 1650 die simultane Nutzung der Vördener Kirche durch beide Konfessionen festlegte. 1661 wurde die Kirche neu gebaut. Beim großen Brand in Vörden wurde die Kirche am 13.11.1842 bis auf die Grundmauern zerstört. Die heutige Kirche ist ein Saalbau, der 1842/51 auf den Außenmauern und unter Beibehaltung des Westturms von 1661 errichtet wurde.

Orgel

Bereits 1651 wird über eine Orgel in der Vördener Kirche berichtet, die allerdings völlig zerstört sei. Offenbar stand auch in der neuen Kirche nach 1661 wieder eine Orgel, denn 1670 weist eine Kirchenrechnung Ausgaben für den Kalkanten aus. Die Orgel stand auf einer Seitenempore. 1770 und 1823 wurden Reparaturen an der Orgel durchgeführt. Der Orgelbauer Johann Heinrich Brinkmann (Herford) baute die Orgel 1829 um. Als die Kirche beim großen Dorfbrand 1842 bis auf die Grundmauern verbrannte, ging auch die Orgel verloren.

Nachdem der Wiederaufbau der Kirche 1851 vollendet war, beauftragte die evangelische Kirchengemeinde die Orgelbauwerkstatt Gebr. Haupt, die inzwischen in Ostercappeln ansässig war, mit dem Orgelneubau. Das neue Instrument war 1852 fertiggestellt, hatte 14 Register auf zwei Manualen und Pedal bei mechanischen Schleifladen und kostete 1110 Rthl.

1903 reparierte Johann Martin Schmid (Oldenburg) die Orgel und hatt sie in den Folgejahren in Pflege. Im Sommer 1917 mussten die Prospektpfeifen für die Rüstungsindustrie des Ersten Weltkrieges abgeliefert werden. Sie wurden 1923 durch Zinkpfeifen ersetzt. Als in der Nacht vom 3. auf den 4. November 1923 der Kirchturm brannte, wurde auch die Balganlage beschädigt. Noch im gleichen Monat behob Ludwig Rohlfing aus Natbergen (die Nachfolgefirma von Schmid) den Schaden. Rohlfing übernahm nun auch die regelmäßige Pflege.

Doch trotz regelmäßiger Pflege verschlechterte sich der Zustand der Orgel seit den 1940er Jahren immer weiter, so dass dringender Handlungsbedarf bestand. Schließlich wurde Hans Wolf (Verden) 1958 mit der Erneuerung des Instruments beauftragt. Allerdings waren die damaligen Eingriffe in die historische Substanz nicht in allen Punkten glücklich. So wurde die noch voll funktionsfähige Balganlage, die aus drei Keilbälgen bestand, nur deshalb entfernt, weil ein weiterer Zugang zum Kirchturm geschaffen werden sollte. Die Windladen des Hauptwerks wurden um 90° gedreht und parallel zur Gehäusefront aufgestellt, so dass auch die komplette Spielmechanik erneuert werden musste. Die Windversorgung war durch die Neuverlegung der Windkanäle nun nicht mehr stabil. Die Disposition von zweitem Manual und Pedal wurden verändert und „aufgehellt“. Außerdem setzte Wolf die Prospektpfeifen des Principal 4’ (II. Manual) in den drei Mittelfeldern durch Entfernen der Kondukten stumm.

Schon bald erwies sich, dass die Umbauten keine dauerhafte Verbesserung bringen konnten. Nach der Kirchenrenovierung 1975 führte Johannes Wolfram (Natbergen) eine Reinigung und Neuintonation der Orgel durch, wodurch die bestehenden Probleme jedoch auch nicht gelöst werden konnten.

Kurz bevor die Orgel Anfang 1986 gänzlich versagte, wurde nach längeren Verhandlungen der Auftrag zur Restaurierung an die Orgelbauwerkstatt Kreienbrink (Osnabrück) vergeben. Als Orgelsachverständiger der Landeskirche hatte Uwe Droszella die Aufsicht. Während der Zeit der Orgelabstinenz stellte die Firma ab März 1986 ein kleines Positiv als Ersatzorgel im Chorraum zur Verfügung. Schon bald zu Beginn der Restaurierungsarbeiten stellte sich heraus, dass die erforderlichen Maßnahmen tiefgreifender waren, als ursprünglich gedacht. Die Arbeiten umfassten nun die weitgehende Rückführung auf den technischen und klanglichen Ursprungszustand unter Beibehaltung der Disposition des II. Manuals. Im Pedal wurde ein neuer Subbaß gebaut, der umgebaute Subbaß zur Doppelflöte 8’ rückgeführt. Das Gehäuse wurde restauriert und in einer neuen Farbfassung gestaltet, die Prospektpfeifen wurden erneuert. Die Einweihung der restaurierten Orgel fand am 9. August 1987 statt.

Hinter dem neugotischen Prospekt mit fünf klingenden Pfeifenfeldern stehen die drei Werke in einem geräumigen Orgelgehäuse. Hinter den mittleren Prospektfeldern ist die Windlade des zweiten Manuals aufgestellt. Das Hauptwerk steht aufgeteilt in C- und Cis-Lade an den beiden Außenseiten. An der Rückwand sind die Pedalpfeifen aufgestellt. Der Spielschrank ist frontal eingebaut. Darin befinden sich die Registerzüge an beiden Seiten neben dem Notenpult. Die Koppelzüge müssen eingehakt werden. Auf der linken Seite befinden sich aus Symmetriegründen zwei Vacant-Züge. Die Orgel hat mechanische Schleifladen.

Disposition

I. Hauptwerk           C – f³

II. Brustwerk           C – f³

Pedal                       C – d¹

Bordun                           16’

Principal                           8’

Gedackt                           8’

Octav                               4’

Pyramidflöte                     4’

Octav                               2’

Mixtur 4-fach

Trompete                         8’

Man.Koppel

Rohrflöte                          8’

Doppelflöte                      4’

Spitzflöte                         2’

Cymbel 3-fach

Subbass                        16’

Doppelflöte                      8’

Ped.Koppel

Bildergalerie

Literatur

Winfried Schlepphorst, Der Orgelbau im westlichen Niedersachsen, Kassel u. a. 1975, S. 155ff.

Die Haupt-Orgel in der Ev.-luth. St. Christophorus-Kirche Vörden, Ankum 1987

Gabriel Isenberg, Orgellandschaft Dammer Berge, Damme 2011, S. 53-56

© Gabriel Isenberg | 2011

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