Hildesheim

Kath. Pfarrkirche St. Magdalenen

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D-31134 Hildesheim | Mühlenstraße | Karte

Kirche

Bischof Konrad II. von Hildesheim gründete vermutlich im Jahr 1224 das Kloster der „Büßenden Schwestern zur Heiligen Magdalena“ (sog. Süsternkloster). 1294 wurde die erste Klosterkirche auf romanischen Fundamenten errichtet. Im 15. bis 18. Jahrhundert erfuhr die Kirche mehrere Umbauten und Umgestaltungen. Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster am 3. Juni 1810 aufgelöst, zwei Jahre später ging die Kirche als Pfarrkirche an die katholische Kirchengemeinde St. Michael über. Im Bombenhagel des 22. März 1945 wurde auch die Magdalenenkirche getroffen und brannte aus. 1951/52 folgte der Wiederaufbau in vereinfachter Form und Ausstattung. 1961 kam der spätgotische Hochaltar aus der St.-Michaelis-Kirche nach St. Magdalenen.

 

Orgel

Die erste Orgel, über die wir wissen, erbaute der Hildesheimer Orgelbauer Johann Conrad Müller im Jahr 1733 auf der Nordempore der Kirche. Dieses Werk hatte neun Register auf einem Manual bei angehängtem Pedal. Josef Friderici erweitert das Instrument 1841 auf 18 Register (zwei Manuale und selbständiges Pedal). Ein weiterer Umbau erfolgt 1876 durch den Orgelbauer Schaper.

1922 versetzt die Orgelbaufirma Furtwängler und Hammer (Hannover) die Orgel auf eine neue Südempore, wobei erneuet einige Veränderungen an dem Instrument vorgenommen werden. Die Hildesheimer Firma Palandt und Sohnle verändert 1942 die Disposition im Sinne der Orgelbewegung, kurz bevor die Orgel dem Bombenangriff vom 22. März 1945 zum Opfer fällt.

In den ersten Jahren nach dem Wiederaufbau verwendete die Gemeinde zunächst ein Harmonium, bis die Firma Gebr. Hillebrand aus Altwarmbüchen 1962 ein neues Orgelwerk auf der Nordempore errichtete. Dieses Instrument mit einem Gehäuseentwurf des Architekten Dr. Heinz Wolff hatte 23 Register auf mechanischen Schleifladen (zwei Manuale und Pedal).

Als im Jahr 2009 die Sanierung der Hildesheimer Domkirche in Angriff genommen wurde und damit die Schließung der bisher für die Organistenausbildung genutzten St.-Antonius-Kirche verbunden war, musste eine neue Kirche für die Ausbildung des Organistennachwuchses gefunden werden. Die St.-Magdalenen-Kirche wurde dazu bestimmt, allerdings konnte die vorhandene Hillebrand-Orgel den Ansprüchen eines Ausbildungsinstrumentes nicht genügen. Daher wurde in kürzester Zeit ein Konzept für einen Orgelneubau erstellt.

Den Zuschlag für den Bau der neuen Orgel erhielt die Kevelaerer Orgelbauwerkstatt Romanus Seifert & Sohn, deren Neubau bereits am 14. Februar 2010 eingeweiht werden konnte. Die Orgel hat drei Manualwerke (Hauptwerk, Rückpositiv, Schwellwerk) und Pedal. Die Windladen sind als Schleifladen gebaut, die Spieltraktur ist mechanisch, die Registertraktur elektrisch. Die mechanischen Normalkoppeln können alternativ auch elektrisch geschaltet werden. In der Spielanlage befinden sich die Registerzüge für Pedal- und Hauptwerk auf der linken Seite neben dem Notenpult, auf der rechten Seite sind die Züge für Rückpositiv- und Schwellwerksregister.

Darüberhinaus verfügt die Orgel über eine umfangreiche technische Ausstattung (BUS-System), die vielseitige Einsatzmöglichkeiten erlaubt. Die Bedienung erfolgt über ein Schaltertableau in einer Schublade, die sich auf der rechten Seite neben den Klaviaturen befindet. Dort können bspw. die elektrischen Koppeln als beliebige Intervallkoppeln eingestellt werden. Außerdem ist eine MIDI-Aufnahme und -Wiedergabe möglich. Für die Bedienung der Setzeranlage befinden sich die üblichen Schalter unterhalb des ersten Manuals. Sequenzerschalter gibt es ebenfalls unter dem ersten Manual, im Schaltertableau sowie als Druckleisten zwischen den Manualen (Ausschaltung über den Schalter „Tps“). Über einen Kipptritt wird das Registercrescendo bedient. Alle Einstellungen werden über eine Digitalanzeige rechts oberhalb des dritten Manuals angezeigt.

Die Orgel ist nach einer modifizierten Bach-Kellner-Stimmung temperiert. Das Pedalwerk setzt sich aus drei Pfeifenreihen zusammen, aus dem Register in mehreren Fußtonlagen gewonnen werden. Es gibt zwei Pedalklaviaturen zum Auswechseln: parallel und radial.

Disposition

I. HAUPTWERK | C–a³

12 Bordun 16'

13 Principal 8'

14 Flûte harm. 8'

15 Gambe 8'

16 Octave 4'

17 Doublette 2'

18 Mixtur IV [1 1 /3']

19 Trompete 8'

20 II an I

21 III an I

22 Sub III an I

23 Super III an I

II. RÜCKPOSITIV | C–a³

24 Rohrflöte 8'

25 Quintade 8'

26 Principal 4'

27 Nachthorn 4'

28 Nasard 2 2/3'

29 Waldflöte 2'

30 Terz 1 3/5'

31 Mixtur III [1']

32 Cromorne 8'

33 Tremulant

34 III an II

35 Sub III an II

36 Super III an II

III. SCHWELLWERK | C–g³

37 Gedecktflöte 8'

38 Salicional 8'

39 Vox coelestis 8'

40 Fugara 4'

41 Querflöte 4'

42 Octavin 2'

43 Trompette harm. 8'

44 Oboe 8'

45 *Koitzchen 8'

46 Tremulant

47 Sub III

48 Super III

PEDAL | C–f¹

1 Principalbass 16'

2 Subbass 16'

3 Quintbass 10 2/3'

4 Octavbass 8'

5 Gedecktbass 8'

6 Posaune 16'

7 Trompete 8'

8 I an P

9 II an P

10 III an P

11 Super III an P


*Voix humaine 8', benannt nach Weihbischof em. Hans-Georg Koitz

SPIELHILFEN | BUS-System mit folgenden Funktionen:

- Setzeranlage mit Sequenzern

- frei einstellbares Registercrescendo

- elektrische Koppeln, u. a. als Intervallkoppeln einstellbar

- MIDI-Aufnahme und -Wiedergabe (mehrere Titel)

SYSTEM | Schleiflade, Spieltraktur mechanisch, Registertraktur elektrisch

Bildergalerie

Literatur

Die Seifert-Orgel in St. Magdalenen Hildesheim, Kienberg 2010

© Gabriel Isenberg | 2011

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