Bredeney, Villa Hügel

Orgel von The Aeolian Co./Choralion (New York), 1912.
Erweitert von M. Welte & Söhne (Freiburg), 1928.


© Gabriel Isenberg, 04.08.2003
© Gabriel Isenberg, 04.08.2003

Die Villa Hügel in Essen-Bredeney ist das ehemalige Wohnhaus der Industriellen-Familie Krupp. 1868–72 nach Entwürfen von Alfred Krupp im klassizistischen Stil errichtet, diente das Gebäude bis 1945 gleichzeitig als Wohnhaus und Repräsentationsort des Unternehmens. Das Große Haus, in dem sich im oberen Saal auf der Galerie – kaum sichtbar – die Orgel befindet, war einst Hauptwohngebäude der  Familie und ist heute Sitz der Kulturstiftung Ruhr.
Die Orgel wurde 1912 von der dritten Generation der Familie, Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, angeschafft. Sie stammt von der New Yorker Fa. Aeolian & Co. und hatte zunächst 12 ranks (28 stops) auf zwei Manualen und Pedal. Das nach dem Multiplex-Transmissionssystem gebaute Instrument war mit einer Selbstspielvorrichtung der Freiburger Fa. Welte & Söhne ausgestattet (System: Kegelladen).
Die Fa. Welte erweiterte das Instrument 1928 um fünf ranks (Traversflöte 8', Sesquialter 2 2/3', Oboe 8', Saxaphon 16', Trompete 8') und versah es mit einem neuen Welte-Reproduktionsapparat, so dass nun Welte-Rollen mit den Einspielungen verschiedener berühmter Organisten wiedergegeben werden konnten. Dabei fand das System der pneumatischen Taschenladen Anwendung. In der Folgezeit wurden kleinere Reparaturen durch die Firmen Klais (1953) und Fischer & Krämer (1977) durchgeführt; doch über lange Zeit führte die Orgel eher ein Schattendasein und war kaum spielbar. 2003 erfolgte eine umfassende Restaurierung durch die Fa. Johannes Klais Orgelbau Bonn.

Bei Orgelvorführungen (z. B. im Rahmen von Themenführungen durch die Villa Hügel) wird vor allem die Selbstspieleinrichtung mit den Welte-Aufnahmen genutzt; eher selten wird die Orgel manuell am Spieltisch gespielt.

Das komplette Pfeifenwerk steht in einem Schwellkasten; unterhalb der Windladen ist die Selbstspieleinrichtung eingebaut. Der Spieltisch ist in die linke Wand des vor der Orgel befindlichen Raumes eingelassen. Am besten klingt die Orgel im großen Saal, wenn die Fenster des Orgelraums geöffnet werden.

Die meisten Register (ranks) sind auf beiden Manualen spielbar; Saxaphon und die durchschlagende Clarinette beginnen in 16'-Lage erst bei cº. Die Registerwippen für das I. Manual befinden sich rechts neben den Manualen, für II. Manual und Pedal links. Von den zwei beim I. Manual mit „Sesquialter“ bezeichneten Registerwippen ist die linke Wippe mit Clarinette 16' belegt. Die unten angegebene Auflistung der Disposition richtet sich nach der Anordnung der Registerwippen am Spieltisch, die die Register mehr oder weniger in dynamischer Progression reiht.

Die festen Kombinationen sind jeweils über Druckknöpfe unter den Manualen zu betätigen. Weitere Spielhilfen, Effektregister und Koppelschalter sind sämtlich über den Manualen angeordnet. Als Effektregister sind Chimes und Harp vorhanden, die über einen Schieber wahlweise für das I. oder II. Manual eingeschaltet werden können. Bei den Chimes kann mittels Druckknöpfen zwischen Forte und Piano (d. h. mit Dämpfung) gewählt werden.

2019 wurde die Orgel MIDIfiziert und mit einem Spezial-MIDI-Player mit Touchsteuerung (FSB Orgelbau) als Alternative zum Rollensystem für Orgel-Führungen ausgestattet.

I. MANUAL | C–c⁴

Vox coelestis 8'

Viol d'orchestre 8'

Gamba 8'

Bourdon 8'

Traversflöte 8'

Flöte 4'

Principal 8'

Saxaphon 8'

Oboe 8'

Vox humana 8'

Clarinette 8'

Clarinette 16' [am Spielt. Sesq.]

Sesquialter 2 2/3'

Tremolo

Tremolo II

II. MANUAL | C–c⁴

Vox coelestis 8'

Viol d'orchestre 8'

Gamba 8'

Bourdon 8'

Traversflöte 8'

Flöte 4'

Principal 8'

Saxaphon 16'

Oboe 8'

Trompete 8'

Clarinette 8'

Vox humana 8'

PEDAL | C–f¹

Subbass 16'

Flöte 8'

Saxaphon 8'

KOPPELN

Manual I Sub 8ves
Manual II Sub 8ves
Manual I to Pedal
Manual II to Pedal
Manual II to Manual I
Manual II to Manual I Octaves
Manual I Octaves
Manual II Octaves
Pedal Augment
Manual I Unison Release
Manual II Unison Release
58 Note Music


Effektregister: Chimes (Man. I / II; Forte, Piano), Harp (Man. I/II).

Feste Kombinationen (P, M, F, 0); Jalousieschweller und Crescendowalze (letzte nicht in Betrieb).
Zur Bedienung des Welte-Apparats: Tonal Indicator (Off  –  Full); Aeolian Ventil, Tempo Indicator (Unison  –  Normal  –  Reverse); Aeolian Reroll.

Pneumatische Taschenlade, Trakturen vom Spieltisch elektrisch, Welte-Reproduktionsapparat pneumatisch, alternativ MIDI-Steuerung (2019).

Inhalte von Google Maps werden aufgrund deiner aktuellen Cookie-Einstellungen nicht angezeigt. Klicke auf die Cookie-Richtlinie (Funktionell), um den Cookie-Richtlinien von Google Maps zuzustimmen und den Inhalt anzusehen. Mehr dazu erfährst du in der Google Maps Datenschutzerklärung.

D-45133 Essen-Bredeney | Hügel 15


Quellen und Literatur: Programmheft der 51. Internationalen Orgeltagung der GdO 2003 ⋄ fsb-orgelbau.de [08.05.2023] ⋄ Eigener Befund.

 

Nr. 173 | Diese Orgel habe ich am 04.08.2003 im Rahmen der 51. Internationalen Orgeltagung der Gesellschaft der Orgelfreunde in Bochum besucht.

© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 08.05.2023.