Orgel: Abraham Starck (Loket), 1688.

Das Zisterzienserkloster Plasy bei Pilsen wurde 1146 von Fürst Vladislav II. als Tochterkloster des oberfränkischen Klosters Langheim gegründet. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr die weitläufige Klosteranlage zahlreiche Umbauten. Die umfassendsten Baumaßnahmen wurden zwischen 1685 und 1740 unter der Leitung von Jean Baptiste Mathey, Jan Blažej Santini-Aichel und Kilian Ignaz Dientzenhofer durchgeführt. Aus dieser Epoche stammt auch der barocke Konvent, der auf dem sumpfigen Untergrund mittels einer auf Eichenholzpfählen gegründeten Fundamentkonstruktion errichtet wurde, die bis heute kontinuierlich bewässert werden muss. Die romanische Klosterbasilika Mariä Himmelfahrt geht in ihrer Grundform auf das Jahr 1204 zurück und wurde in den Jahren 1661 bis 1666 barockisiert.
Die Orgel der Klosterkirche Plasy zählt zu den bedeutendsten barocken Orgeldenkmälern Tschechiens. Sie wurde 1688 von Abraham Starck aus Loket erbaut und übertraf mit ihren 29 Registern sogar die Größe der bedeutenden Mundt-Orgel der Prager Teynkirche. Obwohl lediglich 27 Register gefordert waren, hatte Starck beim Bau zwei weitere hinzugefügt. Bereits zeitgenössische Quellen würdigen die Plaser Klosterorgel als ein außergewöhnliches Instrument, das in Böhmen seinesgleichen suchte. Ganz im Geist des 17. Jahrhunderts konzipiert, ist sie insbesondere auf die polyphone Musik des Frühbarock ausgerichtet.
Schon im späten 18. Jahrhundert wurden erste Eingriffe an dem Instrument vorgenommen: Der mittlere Teil des Hauptgehäuses wurde entfernt und der Spieltisch in freistehender Bauweise vollständig umgestaltet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führte die Orgelbauwerkstatt Emanuel Štěpán Petr kleinere Arbeiten aus, die glücklicherweise kaum in die historische Substanz eingriffen.
Seit dem Ende der 1980er-Jahre setzte jedoch ein fortschreitender Verfall ein, sodass die Orgel zuletzt kaum mehr spielbar war. Um das Jahr 2000 wurde das Instrument ausgebaut und ohne ausreichenden Schutz ausgelagert. Kompetenzstreitigkeiten sowie verschollene Spendengelder für eine Restaurierung sind bedauerliche Beispiele für Defizite im damaligen Denkmalwesen der Tschechischen Republik.
Erst durch das Engagement privater Großsponsoren konnte 2004 eine fachgerechte Restaurierung in Angriff genommen werden. Mit der Ausführung wurde die Werkstatt Vladimír Šlaych aus Borovany betraut. Am 5. September 2006 wurde das restaurierte Instrument feierlich eingeweiht. Ziel der Arbeiten war eine möglichst originalgetreue Rückführung sowie eine teilweise Rekonstruktion des Zustands von 1688. Aufgrund der erheblichen Schäden an den Originalteilen durch Feuchtigkeit und Ungeziefer erwiesen sich die Arbeiten als außerordentlich aufwendig. Das Ergebnis jedoch überzeugt gleichermaßen klanglich wie optisch. Die Rekonstruktion der dekorativen Elemente und des Figurenschmucks am Gehäuse übernahm Václav Stadnik. Aus konservatorischen Gründen wurde kurz nach der Orgelweihe ein hölzernes Schutzgehäuse errichtet, das bis zum Abschluss der Kirchenrestaurierung 2022 bestehen blieb.
Die rekonstruierte Spielanlage ist als Spielschrank in das Verbindungsgehäuse unter dem Westfenster integriert. Die Registerzüge für Haupt- und Pedalwerk befinden sich links und rechts der Spielanlage in jeweils zwei senkrechten Reihen, wobei die Pedalregisterzüge unten angeordnet sind. Die Registerzüge des Rückpositivs liegen links und rechts neben der Spieltischfüllung über dem Pedal und damit in relativ niedriger Position. Sämtliche Registerschilder verzichten auf Fußtonangaben. Die Manualkoppel ist als Schiebekoppel ausgeführt; Pedalkoppeln sind nicht vorhanden. Die Stimmung ist modifiziert mitteltönig bei einer Stimmtonhöhe von a¹ = 470 Hz, der Winddruck beträgt 65 mmWS.
I. RÜCKPOSITIV | C/E–c³
Copl 8’
Principal 4’
Fletten 4’
Octav 2’
Spitzflet 2’
Quint 1 1/2’
Sedecima 1’
Mixtur 1’
II. HAUPTWERK | C/E–c³
Principal 8’
Gross Copl 8’
Salicinal 8’
Quintadena 8’
Octav 4’
Fugara 4’
Spillflöth 4’
Klein Copl 4’
Quint 3’
Super Octav 2’
Quindecima 1 1/2’
Sedecima 1’
Mixtur
Cimbl
[Manualschiebekoppel]
PEDAL | C–d¹
Sub Bass offen 16’
Sub Bass gedeckt 16’
Octav Bass 8’
Quint 6’
Super Octav 4’
Mixtur
Mechanische Schleiflade.
Quellen und Literatur: Orgelbau Šlajch ⋄ Befund.
Nr. 333 | Diese Orgel habe ich am 06.08.2009 im Rahmen der GdO-Orgeltagung in Prag besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 21.01.2026.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
