Orgel: Johann Christian Kleine (Freckhausen), 1794/95.

In der evangelischen Kirche Eckenhagen (Gemeinde Reichshof, Bergisches Land), die nach einem verheerenden Brand am 18. April 1777 in barocken Formen neu errichtet wurde, befindet sich die heute größte erhaltene Denkmalorgel des nördlichen Rheinlands.
Bereits 1717 hatte Christian Nohl aus Allinghausen in der romanischen Vorgängerkirche eine Orgel errichtet. Diese wurde vermutlich beim Neubau des Kirchenschiffs im Jahr 1764 wiederverwendet, ging jedoch beim Großbrand von 1777 vollständig verloren. Nach dem Wiederaufbau der Kirche holte die Gemeinde Kostenvoranschläge für einen Orgelneubau bei den heimischen Orgelbauern Johann Christian Kleine und Franz Georg Nohl ein. Aufgrund langwieriger Verhandlungen und finanzieller Engpässe vergingen jedoch mehr als zehn Jahre, bis Johann Christian Kleine aus Freckhausen im Jahr 1793 schließlich den Auftrag erhielt. Mit der Aufstellung der Orgel wurde 1794 begonnen; am 24. Juli 1795 konnte das Instrument feierlich an die Gemeinde übergeben werden.
Im 19. Jahrhundert sind zahlreiche Wartungs- und Instandsetzungsarbeiten belegt: eine Stimmung durch Christian Roetzel (1810), Stimmung und Reparatur durch Gerhard Nohl (1820), weitere Reparaturen und Intonationsarbeiten durch Christian Roetzel (1839) sowie eine Generalüberholung mit Umintonation durch Daniel Roetzel im Jahr 1861. Letzterer betreute die Orgel bis 1914. Neubaupläne des Orgelbauers Paul Faust (Schwelm) nach dem Ersten Weltkrieg scheiterten an den begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde.
Eine größere Umbaumaßnahme erfolgte 1955 durch Willi Peter (Köln): Rund ein Viertel des Pfeifenbestands wurde ersetzt, das Pedal bis f¹ erweitert; die im 19. Jahrhundert vorgenommenen Umintonierungen wurden dabei nur teilweise rückgängig gemacht. Den gravierendsten Eingriff erfuhr das Instrument 1972, wiederum durch die Firma Willi Peter. Die vollständig erhaltene massive Holzmechanik wurde durch eine einfache Drahtseilmechanik ersetzt, zudem wurden Pfeifenwerk und Windladen tiefgreifend verändert. In der Folge befand sich die Orgel in einem stark beeinträchtigten Zustand, sodass eine grundlegende Restaurierung unumgänglich wurde.
Als größte erhaltene Denkmalorgel des nördlichen Rheinlands und – neben der Orgel in Rönsahl (2012 durch Fasen restauriert) – einzig erhaltenes Instrument von Johann Christian Kleine kommt der Eckenhagener Orgel eine herausragende Bedeutung zu. Und so erhielt die Orgelbauwerkstatt Hubert Fasen (Oberbettingen) im Jahr 2005 den Auftrag zu einer umfassenden Restaurierung, die 2008 erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Die Arbeiten wurden fachlich begleitet von Dr. Franz-Josef Vogt und Günter Eumann.
Das barocke Orgelgehäuse ist charakteristisch über Altar und Kanzel aufgestellt („bergische Trinität“). Im Untergehäuse hinter dem Kanzeldeckelaufsatz befinden sich die Pfeifen des Unterwerks;
der Spieltisch ist mittig in die Seitenwand des linken unteren Gehäuseteils integriert. Das Hauptwerk ist im Obergehäuse untergebracht, während das Pedalwerk hinter dem Hauptgehäuse steht.
Eine technische Besonderheit stellt die nach historischem Vorbild rekonstruierte Forte-Piano-Koppel dar: Bei normalem Tastendruck (bis zum zweiten Druckpunkt) erklingt ausschließlich das Positiv;
bei stärkerem Tastendruck wird zusätzlich das Hauptwerk angekoppelt. Auf diese Weise lässt sich beispielsweise innerhalb eines mehrstimmigen Satzes eine Melodielinie klanglich hervorgehoben
(„forte“) gestalten.
I. UNTERWERK | C–f³
Principal 8'
Octava 4'
Lamento 8'
Gedac 8'
Quintadena 8'
Violdegamba 8'
Fleut Traver 4'
Violin 4'
Octava 2'
Scharf 5 Chor
Musette Hoboe 8'
Voxhumana 8'
Schwebung zur Voxhumana [= Kanaltremulant]
Koppel Forte–Piano
Kalkant
II. HAUPTWERK | C–f³
Principal 8'
Octava 4'
Violdegamba 16'
Bordun 16'
Fleut Amour 8'
Offene Bordun 8'
Violdegamba 8'
Cornetti 4 Chor
Sesquialter 2 Chor
Octava 2'
Nachthorn 4'
Mixtur 4 Chor
Cimbal 2 Chor
Basson 16' (B)
Trompet 16' (D)
Trompet 8'
Ventil
PEDAL | C–d¹
Violoncello 16'
Subbaß 16'
Principal 8'
Violoncello 8'
Basetto 4'
Posaun 16'
Koppel Manual–Pedal
Temperierung: Neidhardt „für das Dorf“.
Mechanische Schleiflade.
Quellen und Literatur: Franz Gerhard Bullmann, Die rheinischen Orgelbauer Kleine – Roetzel – Nohl, Giebing 1969, S. 56–59, 138 ⋄ Klaus Saeger et al., Musik für Gottes Ohr. Geschichten von oberbergischen Orgelbauern und oberbergischen Orgeln, Wiehl 2005, S. 98–103 ⋄ Barockorgel Eckenhagen. Abschluss der Restaurierung 2008 [Festschrift] ⋄ www.barockorgel-eckenhagen.de.
Nr. 225 | Diese Orgel habe ich am 18.09.2004 – noch vor der Restaurierung – im Rahmen einer Exkursion gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 19.01.2026.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
