Kirchbach, St. Martin

Orgel von Josef Grafenauer (Brugg/Egg bei Hermagor), 1849.


© Gabriel Isenberg, 25.08.2004
© Gabriel Isenberg, 25.08.2004

In der Pfarrkirche von Kirchbach im Gailtal (Kärnten) wurde im Rahmen der barockisierenden Umgestaltung des Innenraums 1767 eine aus der Wallfahrtskirche Maria Luggau im Lesachtal gebraucht angekaufte Orgel aufgestellt: Die 1650/51 von dem Orgelmacher Daniel Herz dort errichtete Orgel war für 100 Gulden nach Kirchbach verkauft worden.

„Mit Darangabe der alten, nicht mehr brauchbaren Orgel“ baute Josef Grafenauer 1849 ein neues Orgelwerk für Kirchbach mit acht Registern. 1879 wurde diese Orgel durch Josef Grafenauer renoviert. 1917 ist folgende Disposition überliefert: „Im Manual Princibal 8', Princ. Flöte 8', Oktav 4', Flötengedackt 4', Oktav 2', Mixtur 2'; im Pedal Subbaß 16', Oktavbaß 8'“; davon waren 207 Zinnpfeifen auf drei Register verteilt, die übrigen aus Holz. Die im Krieg 1917 zu Rüstungszwecken abgelieferten Prospektpfeifen wurden später ersetzt, möglicherweise durch den Orgelbauer Johann Hall (Leoben), der sich am 1. Januar 1923 mit einer Bleistift-Inschrift im Spieltisch verewigte.

Später übernahm Josef Huber (Eisenstadt) die Pflege des Instruments. 1950 ergänzte Franz Mauracher (Salzburg) drei Register (Gamba 8', Vox coelestis 4' und Oktav 2') auf pneumatischer Zusatzlade und führte offenbar auch weitere Dispositionsänderungen durch.

Im Herbst 1988 führte die Orgelbauwerkstatt Walter Ottitsch (Ludmannsdorf) eine umfassende Instandsetzung des Instruments durch. Bei dieser Restaurierung wurde die ganze Orgel gereinigt, das Pfeifenwerk ausgebeult und gestimmt, es wurden die nachträglich ergänzten Register entfernt, die Tasten neu belegt und ein neuer Motor eingebaut.

Der Prospekt zeigt ein Pfeifenfeld (cº bis b¹ des Prinzipal 8') und hat kleine, auf Holz gemalte Vorhänge als Schleierbretter. Der Spieltisch ist freistehend vor der Orgel; der Spieler sitzt mit Blick in den Kirchenraum. Die aus Holz gefertigten Trakturen verlaufen durch den Trakturschacht unter dem Organistenplatz. Die Registerschaltung erfolgt über geschwungene, aufrecht stehende Schwerter aus Holz links und rechts neben der Klaviatur (jeweils vier); die neu angefertigte Registerbeschriftung steht auf Papierstreifen neben den Hebeln geschrieben. Zum Einschalten der Register werden die teilweise schwergängigen Schwerter zum Spieler hin gezogen.

MANUAL | C–c³

Flöte 8'

Prinzipal 8'

Mixtur 1 1/3'

Voxcoelestis 4'

Oktav 4'

Gedeckt 4'

PEDAL | C–cº

Subbass 16'

Oktavbass 8'

[feste Koppel zum Manual]


Mechanische Schleiflade.

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A-9632 Kirchbach (Gailtal) | Kirchbach 59


Quellen und Literatur: Kath. Pfarrarchiv St. Martin zu Kirchbach (Gailtal), Liber Memorabilium I mit Einlagen ⋄ Archiv der Diözese Gurk zu Klagenfurt, ADG Militaria (Orgelbeschreibungen 1917) ⋄ Alfred Reichling, Orgelgeschichte von Maria Luggau (Kärnten), in: Acta Organologica, Bd. 20, Berlin/Kassel 1988, S. 57 ff ⋄ Trebuch, Bernhard: Check-List der Orgeln des Bezirkes Hermagor (Kärnten), Wien 1987, S. 11 ⋄ Frdl. Mitteilung Pfarrer Josef Auernigg ⋄ Eigener Befund.

 

Nr. 39 | Diese Orgel habe ich zum ersten Mal am 12.07.1998 gespielt; durch sie wurde mein Interesse an der Kärntner Orgellandschaft entfacht.

© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 10.03.2023.