Oldenburg

Forumskirche St. Peter

Orgel: Siegfried Sauer (Höxter-Ottbergen), 1974/94 mit Pfeifenwerk von Anton Feith (Paderborn), 1937.


© Ludwig Siemer, 28.11.2025 (mit freundlicher Genehmigung)
© Ludwig Siemer, 28.11.2025 (mit freundlicher Genehmigung)

Nach der Reformation entstand erst nach dem Ende der dänischen Herrschaft ab 1773 allmählich wieder katholisches Leben in Oldenburg. Die erste katholische Kirche wurde 1807 gebaut und war dem hl. Apostel Petrus geweiht. Über die in dieser Kirche enthaltene erste Orgel gibt es nur vage Anhaltspunkte. Einem Schreiben des damaligen Kaplans Siemer zufolge handelte es sich dabei um eine kleine Orgel, die im Juni 1811 aufgestellt wurde. Dabei könnte es sich um ein bereits zuvor im Oldenburger Schloss vorhandenes, also ein älteres Instrument gehandelt haben, das zunächst als Provisorium in St. Peter Aufstellung fand. Dafür spricht die Tatsache dass bereits 1821 offenbar eine neue Orgel für St. Peter angeschafft wurde. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass mit beiden Arbeiten der Orgelbauer Gerhard Janssen Schmid („Schmid I“) in Verbindung gebracht werden kann, der ab 1810 das Privileg als Orgelbauer für das Herzogtum Oldenburg innehatte. Dessen Sohn, Johann Claussen Schmid („Schmid II“), baute 1852 eine neue Orgel mit 11 Registern auf zwei Manualen und Pedal, von dem in der heutigen Orgel noch mindestens ein Register erhalten ist.

1873 bis 1876 entstand eine neue, größere St.-Peter-Kirche, die von Franz Xaver Lütz (Osnabrück) nach den Plänen von Johann Bernhard Hensen (Sögel) im neugotischen Stil erbaut wurde. Hierin errichtete Johann Martin Schmid („Schmid III“) 1883 eine neue Orgel auf der Empore im Turm, bei der das gesamte Pfeifenwerk der Vorgängerorgel wieder Verwendung fand. Das Gehäuse wurde nach einem Entwurf des Kirchenarchitekten Franz Xaver Lütz gefertigt.

1937 erfolgte ein Orgelneubau durch die Paderborner Orgelbauanstalt Anton Feith mit 31 Registern (darunter eine Windabschwächung) auf zwei Manualen und Pedal bei elektropneumatisch gesteuerten Kegelladen und mit Freipfeifenprospekt; die Abnahme des fertigen Instruments erfolgte am 11. März 1937 durch Otto Schmelz aus Vechta. Auch hier verwendete man einen Großteil des Pfeifenmaterials aus der alten Orgel wieder. Problematisch für die Klangentfaltung im Raum war die Aufstellung der Orgel in einer Gewölbenische im Turmraum.

Nachdem es bereits 1968 konkrete Überlegungen zu einer Renovierung und Erweiterung der Orgel um ein Rückpositiv als weiteres Manualwerk gegeben hatte, zerstörte ein Orkan am 13. November 1972 mit dem ins Gewölbe gestürzten Turmhelm die Orgel. Daraufhin wurde ein Orgelneubau durch den Orgelbauer Siegfried Sauer in Höxter (der 1973 die Fa. Feith übernommen hatte) nach Vorschlägen des Orgelsachverständigen Werner Haselier konzipiert. Die Orgel wurde 1974 eingeweiht – 19 Register stammten noch ganz oder teilweise aus dem Vorgängerinstrument. 1994 erfolgte eine Erweiterung durch die Fa. Siegfried Sauer um acht Register, die auf zusätzlichen, zum Teil elektrisch angesteuerten Windladen im Turmraum untergebracht sind. Dabei wurde auch der Spieltisch um eine Setzeranlage erweitert, die mit einem neuen Registertrableau auf der rechten Seite eingerichtet wurde, während die alte Registersteuerung mit den freien Kombinationen an den linken Seite und oberhalb des III. Manuals bestehen blieb.

2024/25 erfolgten umfassende Renovierungsarbeiten in der Kirche, und in diesem Zuge wurde auch die Orgel durch die Orgelbaufirma Beckerath (Hamburg) grundlegend saniert. Die Spielanlage wurde komplett erneuert (neue Registerwippen auf der linken Seite neben den Klaviaturen) und mit einer neuen Setzeranlage ausgestattet; außerdem erfolgte der Einbau neuer Schleifenzugmagnete und eine grundlegende Nachintonation. Durch kleinere Dispositionsänderungen und die Einrichtung von Suboktavkoppeln wurde der Klang der Orgel etwas grundtöniger gestaltet. Die Orgel präsentiert sich damit als Instrument, das mehrere Bauschichten in sich vereint, die im Bezug auf das Pfeifenwerk bis weit ins 19. Jahrhundert zurückreichen. Und dennoch ist durch die Arbeiten der Firma Beckerath ein in sich stimmiges Klangbild geschaffen, das den Ansprüchen an das Instrument im Kontext der zentralen Bedeutung der Kirche in der Stadt Oldenburg und im Oldenburger Land gerecht werden kann.

I. RÜCKPOSITIV | C–g³

Gedackt 8'

Quintade 8'

Prinzipal 4'

Blockflöte 4'

Schwiegel 2'

Terzian 2f. 1 1/3' + 1 3/5'

Oktave 1'

Scharf 4f. 2/3'

Krummhorn 8'

Tremulant

Koppel III–I

II. HAUPTWERK | C–g³
Pommer 16'
Prinzipal 8'
Rohrflöte 8'
Oktave 4'
Spitzflöte 4' [1994]
Quintflöte 2 2/3'
Oktave 2'
Mixtur 4–5f. 1 1/3'
Trompete 8'
Koppel III–II

Koppel III–II 16' [2024]
Koppel I–II

Koppel I–II 16' [2024]

III. SCHWELLWERK | C–g³
Violprincipal 8' [2024 statt Gemshorn]
Salicional 8'
Schwebung 8' [ab cº] [1994]
Fugara 4' [2024 statt Prinzipal]
Koppelflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Waldflöte 2' [1994]
Terz 1 3/5'
Quinte 1 1/3'
Mixtur 5f. 1 1/3'
Bombarde 16'
Trompete harm. 8' [1994]
Oboe 8'
Vox humana 8' [1994]
Tremulant

Koppel III–III 16' [2024]

PEDAL | C–f¹

Untersatz 32' [2024, akustisch]

Prinzipal 16' [1994]
Subbaß 16'
Oktavbaß 8'
Gedacktbaß 8'
Choralbaß 4'
Nachthorn 2'
Mixtur 5f. 5 1/3'
Posaune 16'
Trompete 8' [1994]
Clarine 4'

Koppel III–P
Koppel II–P
Koppel I–P


Elektronische Setzeranlage; Pleno, Tutti, Zungen ab, Mixturen ab.

Schleifladen mit mechanischer Spieltraktur (elektrische Ansteuerung der Zubauten von 1994) und elektrischer Registertraktur.

Vor der Renovierung 2024:

Nach der Renovierung 2024:


Quellen und Literatur: Die Sauer-Orgel der Pfarrkirche St. Peter Oldenburg [Festschrift anlässlich der Orgelweihe 1994] ⋄ Fritz Schild, Orgelatlas der historischen und modernen Orgeln im Gebiet der Kath. Kirche im Oldenburger Land, Wilhelmshaven 2011 (unveröff.), S. 149 ⋄ Akten zur Orgel im Offizialatsarchiv Vechta ⋄ Gabriel Isenberg, Gutachten und Untersuchungsbericht über die Orgel in St. Peter Oldenburg, 12.03.2021 ⋄ Eigener Befund.

 

Nr. 580 | Diese Orgel habe ich zum ersten Mal am 10.03.2021 besucht; die Renovierungsarbeiten 2024 habe ich als Orgelsachverständiger begleitet.

© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 13.11.2023.