Orgel: Orgelbau Fleiter (Münster), 2002.

Die neugotische St.-Agnes-Kirche in Rüschendorf entstand 1903 bis 1905 nach dem Vorbild der 1901 erbauten Kirche St. Antonius in Rechterfeld (Architekt: Ludwig Becker, Mainz). Nachdem man sich in den ersten Jahren mit einem Harmonium für die musikalische Begleitung der Gottesdienste ausgeholfen hatte, erhielt die Kirche 1913 eine neue, zweimanualige Orgel aus der Werkstatt von Bernhard Josef Kröger in Vechta mit 12 Registern auf pneumatischen Kegelladen – aufgestellt auf einer eigens neu errichteten Empore vor dem Turmraum.
1960 wurde die Kröger-Orgel durch einen Neubau von Herbert Kruse (Lohne) ersetzt. Wie das Vorgängerinstrument verfügte die Kruse-Orgel auch über 12 Register, nun allerdings auf elektropneumatischen Taschenladen und mit einem zweigeteilten Freipfeifen-Prospekt an der Kirchenwand aufgehängt. Im Zuge einer Kirchrenovierung fand 1977 eine Orgelreinigung und -überholung statt. Schon zu diesem Zeitpunkt zeigten sich immer öfter systembedingte Ausfälle, sodass Anfang der 1990er-Jahre die Anschaffung einer neuen Orgel ins Auge gefasst wurde. Im Februar 2001 erhielt die Fa. Fleiter in Münster den Zuschlag zum Bau einer neuen Orgel – das fertige Werk konnte am 14. Dezember 2002 eingeweiht werden.
Das Gehäuse der neuen Orgel ist aus Eichenholz gefertigt und greift dezent die Bauformen der Empore auf. Die Schleierbretter sind den gotischen Ornamenten des Hochaltars und den Einfassungen der Empore nachempfunden. Die Disposition mit 18 Registerzügen besteht aus 12 eigenständigen und 4 halben Registern sowie 2 Transmissionen. Durch das von der Orgelbauwerkstatt entwickelte System der anteiligen Doppelschleifen konnte das vorhandene Material vielseitig ausgenutzt werden. Die Trakturen sind komplett mechanisch. Die Koppeln sind ebenso wie die drei Kombinationstritte als Fußtritte angebracht.
Das gesamte Pfeifenwerk steht auf einer Lade; insgesamt zählt die Orgel 894 Pfeifen. Für die Holzpfeifen wurde Eichen-, Kirsch- und Mahagoniholz verwendet. Die Intonation ist grundtönig, aber recht kräftig gehalten, sodass der kleine Kirchenraum mit dem Orgelklang gut ausgefüllt wird.
I. MANUAL | C–g³
Prinzipal 8'
Bourdon 8'
Viola di Gamba 8'
Oktave 4'
Holzflöte 4'
Quinte 2 2/3'
Doublette 2'
Terz 1 3/5'
Mitur 3f. [1 1/3']
Basson 8'
Koppel II–I
II. MANUAL | C–g³
*Rohrflöte 8'
*Salicional 8'
*Traversflöte 4'
Waldflöte 2'
*Hautbois 8'
Tremulant
* = Doppelschleifen C–aº aus dem I. Manual
PEDAL | C–f¹
Subbaß 16'
Prinzipal 8' [Transm. I]
Oktave 4' [Transm. I]
Koppel II–P
Koppel I–P
Kommbinationstritte: Vor-Pleno, Pleno, Auslöser.
Mechanische Schleiflade mit anteiligen Doppelschleifen.
Literatur und Quellenangaben: Festschrift zur Orgelweihe ⋄ Gabriel Isenberg, Die Orgeln des Südkreises Vechta, Examensarbeit, Damme/Bremen 2011, S. 30–32 ⋄ Eigener Befund.
Nr. 307 | Diese Orgel habe ich zum ersten Mal am 06.10.2008 gespielt; seitdem gehört sie zu meinen Dienstorgeln, und ich spiele mindestens einmal in der Woche im Gottesdienst auf ihr.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 26.09.2023.
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