Hatzfeld

Ev. Emmauskapelle

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Friedhofstraße • D-35116 Hatzfeld/Eder

Kirche

Die ehemals dem Heiligen Cyriacus geweihte Kapelle ist der letzte sichtbare Überrest des ehemaligen befestigten Hofes der Herren von Hatzfeld, bevor im 13. Jahrhundert die Stammburg erbaut wurde. Seit dem letzten Jahrhundert dient sie als Friedhofkapelle. Die Emmauskapelle ist eine dreischiffige, gewölbte spätromanische Pfeilerbasilika. Die ehemals in zwei niedrigen breiten Arkaden zum Mittelschiff geöffneten Seitenschiffe wurden im 17. Jahrhundert abgebrochen, bei Restaurierung und Umbau der Kapelle in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts allerdings wiederhergestellt.

Orgel

Die ersten Nachrichten, die über ein Instrument in der Cyriacus-Kirche in Niederhatzfeld erhalten sind, stammen aus dem Jahr 1664, als die Gemeinde ein Orgelregal anschaffte. 1686 kaufte die Kirchengemeinde eine neue Orgel, die von Conrad Schmitt aus Kirdorf stammte und 4 Stimmen „von höltzernen Pfeiffen“ hatte. Die heutige Orgel in der ehemaligen Cyriacus-Kirche, heute Emmauskapelle, kam erst 1868 hierher.

Der aus Hatzfeld gebürtige Orgelbauer Johann Christian Rind baute das Instrument 1706 für die evangelische Pfarrkirche seiner Heimatstadt, wobei er auch Teile einer älteren Orgel wiederverwendete (Groß Gedact 8’ und Principal 4’ sind aus dieser Vorgängerorgel – vielleicht Anfang des 17. Jahrhunderts – heute noch erhalten). Dort wurde sie laut Inschrift im Orgelgehäuse 1733 repariert. Sie stand in der Emporenbrüstung. Bevor der Orgelbauer Heinrich Dickel (Treisbach) 1876 eine neue Orgel für die Pfarrkirche baute, wurde die alte Rind-Orgel 1868-72 in die romanische Urkirche St. Cyriacus übertragen. Dabei gingen allerdings die gesamte Spiel- und Registertraktur sowie die meisten Pfeifen der 3’-, 1 3/5’- und 1’-Register verloren.

Bei der von Gerald Woehl (Marburg) 1984 durchgeführten Restaurierung wurde der ursprüngliche Zustand von 1706 wiederhergestellt, d. h. die noch erhaltenen Bestandteile wurden sorgfältig instandgesetzt und fehlende Pfeifen und Holzteile rekonstruiert. Obwohl in den Urkunden von 1706 nur die heute vorhandenen sieben Register genannt wurden, befinden sich in den zwei „Blumen-Feldern“ im Prospekt Bohrungen, die auf ein weiteres Register (vielleicht eine Zungenstimme) hinweisen.

Das Hatzfelder Instrument stellt heute das einzige noch erhaltene Werk Johann Christian Rinds dar. Als weitere Beson¬derheiten sind die kurze Oktave, die mitteltönige Stimmung und die drei noch mit dem Fuß zu betätigenden Keilbälge zu nennen (eine elektrische Windanlage ist allerdings auch vorhanden).

Der an der rechten Seite in die Orgel eingebaute Spieltisch ist außer den Tasten noch original vorhanden. Hierzu zählen sowohl die wertvollen Intarsienarbeiten über dem Manual wie auch der originale Klaviaturdeckel mit schmiedeeisernen Scharnieren samt Schloss und ein Balken, auf dem die Organisten während den Predigten wohl aus Langeweile ihre Schnitzereien hinterließen. Über dem Notenpult (Rückseite des hochgeklappten Klaviaturdeckels) sind die Registerzüge in einer Reihe angeordnet (Auflistung in der Dispositionsangabe von links nach rechts). Schleifladen und Trakturen sind mechanisch.

Disposition

MANUAL | C/E–c³

Principal 4

Groß Gedact 8

Octav 2

Gedact 4

Quint 3

Tertia [1 3/5']

Super Octav 1


SYSTEM | Schleiflade, mechanische Spiel- und Registertraktur

© Gabriel Isenberg, 1999 / 2005

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