Smarano

Chiesa di Santa Maria Assunta

Orgel: Glauco Ghilardi (Lucca), 1992.


© Gabriel Isenberg, 22.10.2010
© Gabriel Isenberg, 22.10.2010

Die urkundliche Ersterwähnung einer Kirche im Zentrum des kleinen Bergdorfs Smarano im Val di Non (Trentino) datiert auf das Jahr 1280. In ihrer heutigen Gestalt geht die Kirche auf einen gotischen Bau von 1407 zurück, der im Laufe seiner Geschichte aber mehrfach durch Brand zerstört und wiederaufgebaut wurde. In den Jahren 1759 bis 1762 erfolgte der Wiederaufbau im Stil des Renaissance-Barock, dem auch die barocke Innenausstattung entstammt. Der letzte größere Umbau wurde 1820 vorgenommen.

Bis 1992 verfügte die Pfarrkirche von Smarano über keine Pfeifenorgel. In diesem Jahr wurde eigens ein Verein gegründet, dessen Ziel es war, für das barocke Kirchengebäude ein außergewöhnliches und qualitativ hochwertiges Instrument zu schaffen. Für dieses ambitionierte Vorhaben konnte der Orgelbauer Glauco Ghilardi aus Lucca gewonnen werden, der 1992 mit seinem Opus 1 eine Orgel im Stil des flämischen und norddeutschen Orgelbaus des 16. Jahrhunderts errichtete. Das Instrument ist keine exakte Kopie eines historischen Vorbilds, orientiert sich jedoch konsequent an den charakteristischen Gestaltungsprinzipien dieser Epoche. Als Ausgangspunkt internationaler Orgelakademien begründete die Ghilardi-Orgel ein lebendiges kulturelles Umfeld, das seither von der aus dem Orgelbauverein hervorgegangenen „Associazione Culturale Monsignor Celestino Eccher“ mit großem Engagement gepflegt wird.

Im Zuge der Renovierung der Pfarrkirche wurde die Orgel in den Jahren 2005 bis 2008 einer umfassenden Reinigung unterzogen und von Wasserschäden befreit. Gleichzeitig senkte man den Winddruck von 72 auf 65 mmWS. Die Arbeiten wurden vom Orgelbauer Giovanni Pradella ausgeführt, der dabei (besonders hinsichtlich der Neuintonation) von Munetaka Yokota (GOArt, Göteborg) unterstützt wurde. In diesem Zusammenhang erhielt die Orgel zwei neue Manual-Zungenregister; zudem wurde die Trombone 16' im Pedal überarbeitet.

Das Orgelwerk ist ebenerdig hinter dem Hochaltar aufgestellt. Hinter dem dreiteiligen, mit zwei Flügeltüren verschließbaren Pfeifenprospekt befinden sich die Pfeifen des Hauptwerks, darunter das Brustpositiv ohne eigenen Prospekt. Die Pedalpfeifen sind in einem separaten Gehäuse hinter der Orgel untergebracht. Die Registerzüge sind beidseitig der frontal eingebauten Spielanlage angeordnet: links für Positiv und Pedal, rechts für das Hauptwerk. Die Stimmtonhöhe liegt bei 440 Hz, die Temperierung ist nach Kellner gelegt. Mit ihrem sehr kräftigen Klang füllt die Orgel die mittelgroße Kirche mit ihrer guten Akustik sehr gut aus.

I. HAUPTWERK | C–d³

Principale 8’

Flauto cuspide 8’

Ottava 4’

Quinta 2 2/3’ B/D

Ottava 2’

Terza 1 3/5’ B/D

Quinta 1 1/3’

Pleno [3f.]

Dulzian 8’

II. BRUSTPOSITIV | C–d³

Regale 8’

Flauto camino 4’

Flauto conico 2’

Quinta 1 1/3’

Terza 4/5’

Tremolo

II–I [koppelt I auf II !]

PEDAL | C–d¹

Subbasso 16’

Flauto cuspide 8’ [Transm.]

Corno 4’

Trombone 16’

I–Ped. [= BP–P]

II–Ped. [= HW–P]

 

 

Usignolo


Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Ghilardi Organi ⋄ Eigener Befund.

Nr. 396 | Diese Orgel habe ich am 21.10.2010 im Rahmen einer Konzertvorbereitung zum ersten Mal gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 29.01.2026.