Göteborg

Evangelisch-lutherische Örgryte Nya Kyrka

Örgryte Kyrkogata • S-41274 Göteborg

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Kirche

Die alte Kirche im Göteborger Bezirk Örgryte wurde im 19. Jahrhundert zu klein für die stark wachsende Gemeinde. So wurde die neogotische Neue Örgryte-Kirche nach den Plänen des Architekten Adrian C Peterson erbaut und am 6. Juli 1890 eingeweiht. Als Vorbereitung zum Bau der Barockorgel-Rekonstruktion wurde die Kirche in den Jahren 1996-97 sorgfältig restauriert.

Englische Orgel

Auf der Nordempore der Örgryte Nya Kyrka steht seit 1998 eine historische englische Orgel aus dem 19. Jahrhundert. Diese Orgel wurde 1871 von „Father“ Henry Willis – einem der damals führenden Orgelbauer Englands – für die St. Stephen’s Church in Hampstead (London) erbaut. In dieser Kirche hatte die Orgel eine versteckte Aufstellung und wurde durch ein Chorgestühl auf der linken Seite des Altarraumes vom übrigen Kirchenraum abgetrennt; nur wenige Pfeifenenden waren als Prospekt vom Kirchraum aus sichtbar. Vermutlich war Willis auch selber einige Jahre als Organist an seiner Orgel in Hampstead tätig.

Als die St. Stephen’s Chruch 1971 geschlossen wurde, kaufte Taco Boersma aus den Niederlanden die Willis-Orgel an und stellte sie Amersfoort auf. 1992 wurde der Orgelbau Henk van Eeken auf das Instrument aufmerksam. Über seine Vermittlung kaufte die Tostareds Kyrkorgelfabrik unter Leitung von Tore Johansson die Orgel an, die sie 1993 restaurierte. Die nahezu unverändert erhaltene Orgel erhielt einen neuen Prospekt nach den Plänen Tore Johanssons, bei dem das mittlere Prospektfeld dem ursprünglich sichtbaren Pfeifenfeld (Violone 16’) entspricht. Die beiden verschwundenen Register Gemshorn 4’ und Piccolo 2’ wurden nach dem Vorbild der Willis-Orgel in St. Stephen’s in Edinburgh rekonstruiert; die zu Beginn des 20. Jahrhunderts an ihre Stelle gesetzten Stimmen Gamba 8’ und Voix celeste 8’ kamen nun ins Swell. Bourdon 16’ ist ein ergänztes Register ebenfalls vom Beginn des 20. Jahrhunderts. Die originalen Register Bombarde 8’, Violoncello 8’ und Ophicleide 16’ sind Hochdruckstimmen.

Im Jahre 1997 fand die Orgel ihren zwischenzeitlichen Aufstellungsort im Orgelsaal der Göteborger Musikhochschule Artisten. Als dort die neue französisch-symphonische Orgel (→ Nr. 362) aufstellt wurde, kam die Willis-Orgel im Herbst 1998 in die Örgryte Nya Kyrka. Neben der 2000 eingeweihten norddeutschen Orgel (→ Nr. 358) besitzt die Örgryter Kirche ein herausragendes Instrument und die größte original erhaltene britisch-viktorianische Orgel Schwedens.

Die Spielanlage ist frontal in die Orgel eingebaut. Die Registerzüge befinden sich zu beiden Seiten. Auf den Zügen sind die Fußtonangaben jeweils in römischen Ziffern über den Registernamen angegeben. Auf der rechten Seite befinden sich (von oben nach unten) die Register für Great, Choir und Pedal, auf der linken Seite sind es die Züge für Swell und Koppeln. Die 4 festen Kombinationen für Great und Pedal sowie die 3 festen Kombinationen für Swell sind über Fußtritt einzuschalten. Der Schwellertritt wird eingehakt; er befindet sich an der rechten Seite über der Pedalklaviatur. Alle Trakturen sind mechanisch; Ausnahmen sind die pneumatische Pedal-Spieltraktur sowie die Barkermaschinen für Great und die Koppel zum Great.

Disposition

I. Choir                     C – g³

II. Great                    C – g³

III. Swell                   C – g³

32 Dulciana Ch.              viii

23 Lieblich Gedact Ch.   viii

33 Flute harmonique Ch.  iv

24 Gemshorn Ch.             iv

34 Piccolo Ch.                   ii

25 Corno di Bassetto      viii

1 Swell to Choir

35 Double Diapason      xvi

26 Open Diapason         viii

36 Claribel Flute             viii

27 Viola                          viii

37 Octave                       iv

28 Quint                           iii

38 Super Octave              ii

29 Mixture [3fach]

39 Bombarde                 viii

2 Choir to Great

3 Swell to Great Sub Oct.

4 Swell to Great

5 Swell to Great Sup.Oct.

15 Contra Gamba Sw.   xvi

6 Open Diapason Sw.    viii

16 Lieblich Gedact Sw.  viii

7 Gamba Sw.                 viii

17 Voix celeste Sw.      viii

8 Octave Sw.                  iv

18 Flageolet Sw.               ii

9 Vox humana Swell      viii

19 Cornopean Sw.         viii

10 Hautboy Swell           viii

20 Clarion Sw.                 iv

11 Tremulant Sw.

  

Pedale                      C – f¹

Feste Kombinationen

30 Grand Open Diap. P. xvi

21 Violone Metal Pedale xvi

40 Bourdon                    xvi

31 Violoncello Pedale     viii

22 Ophicleide Pedale     xvi

12 Swell to Pedals

13 Great to Pedals

14 Choir to Pedals

Gt & Ped I: 27, 36, 40

Gt & Ped II: 21, 26, 27, 36, 37, 40

Gt & Ped III: 21, 26, 30, 31, 35, 37

Gt & Ped IV: Great und Pedale tutti ohne 27, 36, 40

Swell I: 7, 16

Swell II: 6, 7, 8, 10, 16

Swell III: Swell tutti ohne 9, 17

Bildergalerie

Literatur

Jan Cedmark, Den unika Willisorgeln i Örgryte Nya kyrka, Göteborg o. J.

© Gabriel Isenberg, 2010

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