Orgel von Friedrich Fleiter (Münster), 1990.
Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Saarn bei Mülheim an der Ruhr wurde archäologischen Befunden zufolge um 1200 gegründet. Im Zuge der Säkularisation erfolgte 1808 die Aufhebung des Klosters, dessen Kirche der katholischen Kirchengemeinde überlassen wurde. 1895/96 fanden größere Umbauarbeiten statt: Das mittelalterliche Altarjoch mit Apsis wurde abgerissen und die Kirche nach Osten hin erweitert. Weitere Renovierungs- und Umbaumaßnahmen folgten 1928. 1979–1989 wurde die gesamte Klosteranlage schließlich als Baudenkmal restauriert und in diesem Zuge auch die Klosterkirche neu gestaltet.
Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts haben wir keine Informationen über die Geschichte der Orgeln in der Saarner Klosterkirche. Wir dürfen jedoch davon ausgehen, dass es auch schon vor der Säkularisation Orgel(n) in der Kirche gegeben hat. Mitte der 1860er Jahre begann die katholische Kirchengemeinde mit der Sammlung von Geldern zur Anschaffung einer neuen Orgel, die offenbar 1870 aufgestellt wurde. Dass diese Orgel von Ernst Seifert erbaut worden sei, wie es in der örtlichen Überlieferung heißt, kann hingegen nicht stimmen, da Seifert 1870 seinen Betrieb noch gar nicht gegründet hatte. Möglicherweise war das mit zwei Manualen und Pedal ausgestattete, mechanisch traktierte Instrument aber später von Seifert umgebaut oder (zum Beispiel im Rahmen der Kirchenrenovierung 1928) als Ersatz des Instruments von 1870 nach Saarn transloziert worden. Es existiert ein historisches Foto aus dem frühen 20. Jahrhundert, das diese Orgel mit ihrem neugotischen Gehäuse zeigt.
1964 erhielt die Klosterkirche eine „neue“ Orgel: Diese war bereits 1960 von der Orgelbaufirma Klais (Bonn) für das Marienhospital in Düsseldorf erbaut und dann vier Jahre später nach Saarn verkauft worden. Das 16 Register umfassende Instrument wurde am 3. Mai 1964 eingeweiht.
Im Rahmen der 1979 einsetzenden Sanierung der Klosterkirche und der damit einhergehenden Rekonstruktion der Nonnenempore und der Freilegung der zisterziensischen Fenstergruppe in der Westwand der Kirche war auch die grundlegende Neukonzeption der Orgelsituation notwendig geworden. Es kam schließlich zur Anschaffung von gleich drei Orgeln, die allesamt im Laufe der 1990er Jahre durch die Münsteraner Orgelbauwerkstatt Fleiter gebaut wurden. Die Klais-Orgel kam dabei 1983 in die Wallfahrtskirche Marienheide im Bergischen Land, wo sie in veränderter Form durch Siegfried Schulte (Kürten) aufgestellt wurde.
Das größte der drei neuen Saarner Instrumente ist die hier beschriebene, am 18. November 1990 eingeweihte, große Schwalbennestorgel. Sie wurde vor die rekonstruierte Nonnenempore an die Wand des nördlichen Seitenschiffs gehängt. Die Disposition wurde von OSV Michael Elbers, OBM Friedhelm Fleiter und OSV Werner Schepp erarbeitet. Die Intonation nahm Christoph Kleemann (Fa. Fleiter) vor. Der Prospekt ist in zwei Ebenen – im Grundriss und im Aufriss – gerundet angelegt, so dass diese Formen zu den Bögen der Gewölbe im Kontrast stehen. Im Jahr 1999 erhielten Hauptwerk und Pedal der Schwalbennestorgel im Zuge einer Generalüberholung eine Doppeltraktur, so dass diese beiden Werke durch Oktokoppler nun auch von der Emporenorgel (I+P/9) aus angespielt werden können. Die jüngste Reinigung und Generalüberholung erfolgte 2019, ebenfalls durch die Erbauerfirma Orgelbau Fleiter, bei der auch ein neuer Zimbelstern hinzugefügt wurde.
Seit vielen Jahren ist das Ensemble der drei Saarner Fleiter-Orgeln fester Bestandteil der „Saarner Orgeltage“ und des „Internationalen Orgelwettbewerbs Musik im Kloster Saarn“.
I. RÜCKPOSITIV | C–g³
Gedackt 8’
Harfpfeife 8’
Venezianerflöte 4’
Sesquialter 1-2f. 2 2/3’
Waldflöte 2’
Quinte 1 1/3’
Scharf 3f. 1’
Holzkrummhorn 8’
Tremulant
III. HAUPTWERK | C–g³
Pommer 16’
Prinzipal 8’
Rohrflöte 8’ [ab gº; aus Kornett]
Bordun 8’
Salizional 8’
Oktave 4’
Traversflöte 4’
Quinte 2 2/3’
Doublette 2’
Mixtur 4-6f. 1 1/3’
Kornett 5f. 8’ [ab gº]
Dulzian 16’
Trompete 8’
Glockenspiel [cº-d³]
Zimbelstern
Tremulant
PEDAL | C–f¹
Subbaß 16’
Prinzipalbaß 8’
Gemsbaß 8’
Choralbaß 4’
Posaune 16’
Trompete 8’
Koppel HW/P
Koppel RP/P
II. KOPPELMANUAL: I und III auf II
128fache Setzeranlage mit Sequenzern, Setzknopf, Tutti, Auslöser.
Schleifladen mit mechanischer Spieltraktur und elektrischer Registertraktur; elektrische Doppeltraktur für Haupt- und Pedalwerk zur Verbindung mit dem Spieltisch der Emporenorgel.
D-45481 Mülheim an der Ruhr - Saarn | Klosterstraße 55
Quellen und Literatur: Werner Schepp, Die Orgeln der katholischen Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt zu Mülheim (Ruhr) - Saarn ⋄ Eigener Befund.
Nr. 107 | Diese Orgel habe ich am 22.08.2000 besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 13.01.2025.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023