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Steinfeld i. O.

Katholische Pfarrkirche Sankt Johannes Baptist

Pastor-Schlichting-Straße • D-49439 Steinfeld

Kirche

Schon im 12. Jahrhundert gab es in Steinfeld eine Kirche. Die Kirche stand auf dem jetzigen Rathausplatz und war von einem Friedhof umgeben. Mehrere Male wurde die Kirche zerstört, im Dreißigjährigen Krieg wurde sie zweimal ein Opfer der Flammen. Wegen der Armut der Bevölkerung wurden die zerstörten Kirchen nur behelfsmäßig wieder aufgebaut. Die heutige Pfarrkirche – ein dreischiffiger neugotischer Backsteinbau nach Plänen von Wilhelm Rincklage (Münster) – wurde 1897-99 erbaut und am 16. November 1899 durch Bischof Hermann Dingelstad konsekriert. 1981 wurde die Einrichtung erneuert.

 

Orgel

In der alten Kirche erbaute der Orgelbaumeister Hinrich Klausing aus Herford 1708 eine neue Orgel mit 9 Registern. Nach mehreren kleineren Reparaturen im 18. Jahrhundert erfolgte 1823 eine größere Reparatur durch den Orgelbauer Anton Franz Schmid aus Quakenbrück. Da die Klausing-Orgel zuletzt in schlechtem Zustand war, wurde sie 1870/71 durch einen Neubau von der Orgelbauwerkstatt Johann Bernhard Kröger und Söhne (Goldenstedt) ersetzt. Diese Orgel hatte 21 Register auf zwei Manualen und Pedal. Zunächst wurde diese Orgel in die 1897/99 neu erbaute Pfarrkirche übertragen.

Die heutige Orgel ist ein Werk der Paderborner Orgelbauwerkstatt Anton Feith und wurde 1930 errichtet und am 21. Dezember geweiht. Das Instrument wurde mit 34 eigenständigen Registern, verteilt auf zwei Manualwerke und Pedal, mit pneumatischen Kegelladen gebaut. In Laufe des 20. Jahrhunderts gab es mehrere verschieden tiefgreifende Veränderungen.

In den Jahren 2006/07 führte die Werkstatt Westfälischer Orgelbau Siegfried Sauer aus Höxter eine Renovierung des Instruments durch. Dabei erfolgte neben der kompletten Reinigung die Restaurierung der Kegelladen, der Magazinbalganlage, des Pfeifenwerks und des Spieltischs. Wegen einer Neuplatzierung des Spieltischs, der bislang seitlich auf der Empore stand und jetzt mittig auf der Bühne zur besseren Chorleitung zur Aufstellung kam, entschieden sich die Verantwortlichen für eine Elektrifizierung des Instrumentes. Dadurch konnten auch moderne Spielhilfen eingebaut werden. Aus Kostengründen konnte die Disposition zunächst nicht komplett auf ihren Ursprungszustand zurückversetzt werden. 2009 war es dann möglich, das zweite Manualwerk komplett auf den Ursprungszustand zurückzuführen.

Mit der Steinfelder Feith-Orgel ist ein wichtiges Zeugnis aus der spätromantischen Epoche des Orgelbaus weitgehend vollständig erhalten und daher besonders wertvoll. Klanglich besticht die Orgel durch ihre Vielseitigkeit und Farbigkeit.

In der Front zeigt die Orgel einen breiten Prospekt aus klingenden Pfeifen des Prinzipal 8’ und des Violonbass 16’. Das übrige Pfeifenwerk steht im geräumigen Turmzimmer, das durch den frontal teilweise sichtbaren Jalousieschweller komplett schwellbar ist (die oberen Jalousien sind durch einen stummen Pfeifenprospekt verdeckt). Der Trompetenengel in der Mitte der Orgel stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die Balganlage befindet sich unter dem Pfeifenwerk im Turmzimmer.

Im mittig freistehenden Spieltisch sind die Registerwippen in einer Reihe (von links nach rechts: I. Manual, II. Manual, Pedal) angeordnet; an der linken Seite befinden sich darunter die Koppelschalter. Die dezenten Schalter für die modernen Spielhilfen sind wie folgt verteilt:

- Digitalanzeigen und Tausender-, Hunderter- und Zehnertasten für die Setzeranlage über dem zweiten Manual;

- Tasten 0 bis 1 sowie Sequenzer, Setzknopf (S) und Nulltaster (R) unter dem ersten Manual;

- Sequenzerschalter außerdem links und rechts unter den Registerwippen;

- als Fußtritte: Walzenansteller, Sequenzer, Tutti, Crescendowalze und Balanciertritt für den Jalousienschweller.

Die mittig sichtbare Crescendouhr ist außer Betrieb. Durch die seitlichen Verzierungen gewinnt der Spieltisch auch optisch an Ausgewogenheit.

Disposition

I. Manual                  C – g³

II. Manual                 C – g³

Pedal                        C – f¹

7 Bordun                        16’

8 Prinzipal                        8’

9 Lieblich Gedackt           8’

10 Blockflöte                    4’

11 Gamba                        8’

12 Sesquialtera 2f.

13 Krummhorn                 8’

14 Oboe                           8’

15 Quinte                     51/3

16 Oktave                        4’

17 Rohrflöte                     4’

18 Oktave                        2’

19 Mixtur 3f.

20 Nachthorn                   2’

1 SubOct. Coppel II-I

2 SuperOct. Coppel II-I

3 SuperOct. Coppel I

6 Man.-Coppel II-I

23 Quintatön                  16’

24 Geigenprinzipal           8’

25 Hohlflöte [1]                 8’

26 Aeoline                       8’

27 Vox coelestis             8’

28 Tibia                            8’

29 Klarinette [2]                8’

30 Trompete                    8’

31 Clairon                        4’

32 Konzertflöte                4’

33 Quintflöte                22/3

34 Mixtur                      22/3

35 Terzflöte                 13/5

36 Flötencornett [3]          8’

39 Violon                       16’

40 Subbass                   16’

41 Zartbass [WA]          16’

42 Posaune                   16’

43 Cello                            8’

44 Flötbass                      8’

45 Prinzipal                      4’

46 Prinzipal                      2’

4 Ped.-Coppel II

5 Ped.-Coppel I

 

Nebenregister und Spielhilfen

37 Tremulant [auf das ganze Werk]

Jalousieschweller [auf das ganze Werk ohne Register Nrn. 8 und 39]

Elektronische Setzeranlage mit Sequenzern

Tutti

Crescendowalze mit Ab/Ansteller



[1]   Bis 2009: Gemshorn 2’.

[2]   Bis 2009: Scharff 4f.

[3]    Sammelzug aus den Nrn. 25, 28, 32, 33, 35.

Bildergalerie

© Gabriel Isenberg | 2009/11

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