Oirschot

Kath. Pfarrkirche St. Petrus’ Banden

Orgel: Franciscus Cornelius Smits (Reek), 1846; seit 1978 in Oirschot.


© Gabriel Isenberg, 01.08.2011
© Gabriel Isenberg, 01.08.2011

Die dokumentierte Orgelgeschichte der gotischen St.-Petrus'-Banden-Kirche (15./16. Jahrhundert) in Oirschot in der niederländischen Provinz Noord-Brabant reicht zurück bis ins frühe 17. Jahrhundert. Bereits 1634 ist die Existenz eines Orgelwerks in der Kirche belegt – ein wohl eher kleines Instrument, das im Querschiff der seit 1648 von der reformierten Gemeinde genutzten Kirche stand. Diese Orgel wurde 1765 durch einen Neubau von Paulus van Eijsdonck (Tilburg) abgelöst. Mit seinen zehn Registern war dieses Werk für die große Kirche jedoch klanglich kaum ausreichend, zudem scheint es qualitativ minderwertig gewesen zu sein, sodass in den Folgejahren zahlreiche Reparaturen erforderlich wurden. Der Orgelbauer Jan Michael Müller aus Dordrecht arbeitete 1780 an dem Instrument und übernahm dessen Wartung in den Jahren 1782 bis 1785, wobei er zahlreiche Bauteile erneuerte.

Nachdem die katholische Gemeinde die Kirche im Jahr 1798 zurückerhalten hatte, entschloss man sich, das deutlich zu klein dimensionierte Orgelwerk zu ersetzen. Nachdem 1806 eine größere, dreimanualige Orgel aus der Minderbrüderkirche in Maastricht angekauft und durch den Orgelbauer Joannes Beerens in Oirschot aufgestellt worden war, wurde das alte Instrument an Wilhelmus Walther Ruijs, Pfarrer von Huisseling, verkauft. 1861/62 erweiterte Matthieu van Dinther die 1806 in Oirschot aufgestellte Orgel um ein selbständiges Pedalwerk mit vier Registern. Durch den Einsturz des Kirchturms am 13. Dezember 1904 wurde die Orgel schließlich schwer beschädigt und in der Folge nicht wieder aufgebaut.

Zwanzig Jahre dauerte es, bis die Kirche 1924 endlich wieder mit einer Orgel ausgestattet werden konnte: Sie erhielt nun ein pneumatisches Orgelwerk der österreichischen Firma Orgelbau Cäcilia AG . Das zu Weihnachten 1924 eingeweihte Instrument kostete 15.000 Gulden und war damit deutlich günstiger als ein vergleichbares Instrument aus niederländischen Werkstätten. Bei der schweren Beschädigung der Kirche am 2. Oktober 1944 durch Beschuss der Alliierten stürzten Turm und Kirchendach ein, und die Orgel verbrannte.

Nach dem Wiederaufbau der Kirche in den Jahren 1945 bis 1952 errichtete die Firma Vermeulen aus Weert im Jahr 1953 ein neues dreimanualiges Orgelwerk mit elektropneumatischer Traktur und freistehendem Spieltisch auf der Westempore. Berater beim Bau war der Orgelsachverständige Dr. Willem Kerssemakers. Die Weihe der Orgel fand am 19. Juli 1953 statt. Doch das in seiner Disposition stark neobarock geprägte Instrument stand nur rund 20 Jahre lang in der Oirschoter Petruskirche und wurde zu Beginn der 1970er-Jahre an die Johanneskerk in Veghel-Zuid verkauft.

An ihrer Stelle konnte 1978 eine große historische Orgel in der Oirschoter Petruskirche aufgestellt werden: Diese Orgel wurde ursprünglich 1843–46 von Franciscus Cornelis Smits aus Reek für die damalige St.-Peters-Kirche in ’s-Hertogenbosch erbaut. In der Prospektgestaltung orientierte sich Smits dabei an einem der berühmtesten Orgelprospekte in den Niederlanden: dem großartigen Gehäuse der 1634 vollendeten Orgel von Florentius Hocque in der St.-Jans-Kathedrale in ’s-Hertogenbosch. Eine Besonderheit der Smits-Orgel ist die Aufstellung der Windladen „auf Sturz“, wodurch das Orgelgehäuse eine große Tiefe erhält. Mit ihren 45 Registern und ihrer romantisch-füllig-warmen Klangpracht bezeugt die Orgel bis heute die Meisterschaft ihres Erbauers in eindrucksvoller Weise.

Eine größere Instandsetzung nahm Johannes Josephus Vollebregt (’s-Hertogenbosch) 1866 vor. 1900 erfolgte eine umfassende Renovierung durch die Orgelbauwerkstätten Maarschalkerweerd aus Utrecht und Franssen aus Roermond; dabei erhielt die Orgel pneumatische Barkermaschinen, und die Stimmtonhöhe wurde von der alten Kammertonhöhe auf die Pariser Stimmung mit a¹ = 435 Hz erhöht, wozu sämtliche Pfeifen gekürzt werden mussten. Nach Beschädigungen in der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde die Orgel 1947 durch die Firma Vermeulen (Weert) instandgesetzt; weitere kleinere Arbeiten folgten 1956.

Nach der Schließung der St.-Peters-Kirche in ’s-Hertogenbosch zum 1. Januar 1972 ging man auf die Suche nach einem neuen Standort für die wertvolle Orgel; dies wurde umso dringlicher als 1973 durch Vandalismus Schäden an der Orgel entstanden waren. Nach Rücksprache mit verschiedenen Behörden wurde schließlich beschlossen, die Orgel nach St. Petrus' Banden in Oirschot zu übertragen, da nur diese Kirche über die erforderliche Höhe, Breite und Tiefe verfügte, um diese riesige Orgel aufzunehmen. Es folgte ab 1976 eine umfassende Restaurierung der Orgel durch die Firma Verschueren Orgelbouw (Heythuysen): Die Pfeifen wurden wieder auf die alte Tonhöhe gebracht, gestohlene Pfeifen wurden durch neue ersetzt, alle verschwundenen oder gestohlenen Ornamente wurden neu geschnitzt. Auch die Klaviaturen wurden erneuert bzw. wiederhergestellt und die Traktur in ihren alten mechanischen Zustand zurückversetzt. Die Prospektpfeifen wurden mit Blattzinn und Blattgold versehen. Mitte September 1978 konnte die restaurierte Smits-Orgel in Oirschot schließlich feierlich eingeweiht werden.

Im Jahr 2000 wurde erneut eine Restaurierung erforderlich. Dazu zählte hauptsächlich die Erneuerung der abgesackten Kerne der großen Labialpfeifen sowie die Restaurierung der stark oxidierten Zungenregister. Das Absacken der Kerne in vielen großen Labialpfeifen und die Zungenoxidation zeigten sich jedoch auch in den Folgejahren als wiederkehrendes Problem, sodass 2025 eine erneute Restaurierung durch die Firma Verschueren vorgenommen wurde. Dabei wurde auch die Balganlage erneuert, und die Prospektpfeifen erhielten einen neuen Zinnfolien-Belag. Am 9. Juni 2025 konnten die Arbeiten im Rahmen eines festlichen Wiedereinweihungskonzerts abgeschlossen werden.

Die große Smits-Orgelist ist sowohl klanglich als auch architektonisch ein wesentliches Element der Oirschoter Kirche und zugleich ein bedeutendes Beispiel für den süd­niederländischen romantischen Orgelbau des 19. Jahrhunderts.

I. RÜCKPOSITIV | C–f³

Bourdon 16'

Prestant 8'

Roerfluit 8'

Flûte travers 8' D

Prestant 4'

Fluit 4' B/D

Octaaf 2'

Flageolet 1'

Mixtuur 2f. 1'

Trompet 8'

Dulciaan 8'

Tremulant

II. HAUPTWERK | C–f³

Bourdon 16'

Prestant 8'

Holpyp 8'

Prestant 4'

Fluit 4'

Quint 3' B

Octaaf 2'

Mixtuur 4f. 2'

Cornet 3f. 8' D

Trompet 16'

Trompet 8'

Harmonica 8'

I/II B/D

III/II B/D

III. BOVENWERK | C–f³

Prestant 8'

Holpyp 8'

Viola di Gamba 8'

Prestant 4'

Gemshoorn 4'

Blokfluit 2'

Sesquialter 2f. 2 2/3'

Carillon 3f. 4' D

Kromhoorn 8'

Oboe 8' D

Ophikléid 8' B

Vox humana 8'

Tremulant

PEDAAL | C–d¹

Prestant 16'

Subbas 16'

Octaaf 8'

Fluit 8'

Prestant 4'

Mixtuur 4f. 2'

Bazuin 16'

Trompet 8'

Serpent 8'

Klairon 4'

I/P

II/P


In allen vier Werken Sperrventile.

Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Hans van der Harst, Orgels in de Parochiekerk van Sint Peter te Oirschot, Oirschot 1978 ⋄ www.brabantorgel.nl/oirschot-sint-petrusbasiliek [15.01.2026] ⋄ Eigener Befund.

Nr. 415 | Diese Orgel habe ich am 01.08.2011 im Rahmen der GdO-Orgeltagung in 's-Hertogenbosch besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 15.01.2026.