Leipzig-Plagwitz

Ev.-luth. Heilandskirche (Sauer-Orgel)

Orgel: Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder), 1888.


© Gabriel Isenberg, 22.05.2024
© Gabriel Isenberg, 22.05.2024

Am 26. August 1888 wurde die ev.-luth. „Plagwitzer Kirche“ geweiht (erst 1916 erhielt sie den Namen „Heilandskirche“). Im gleichen Jahr war auch die Orgel fertiggestellt: das Opus 484 der Orgelbauwerkstatt Wilhelm Sauer in Frankfurt/Oder, gestiftet von dem Plagwitzer Fabrikanten Ernst Mey. Das Instrument hatte 36 Register auf drei Manualen und Pedal mit mechanischen Kegelladen sowie Barker-Maschine im I. Manual.

Nach starken Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg musste die Kirche wiederhergestellt werden. Dabei führte die Orgelbauwerkstatt Gebr. Jehmlich (Dresden) 1948 einen durchgreifenden Umbau der Orgel durch: Die Trakturen wurden nun elektropneumatisch gesteuert, außerdem veränderte man die Disposition nach neobarocken Maßstäben.

Aufgrund ihrer hervorragenden Akustik wurde die Heilandskirche in den 1960er- und 1970er-Jahren als Spielstätte des Leipziger Gewandhausorchesters genutzt. Die Nutzung für kirchliche Zwecke ging jedoch stark zurück – seit Mitte der 1970er-Jahre war die Orgel unspielbar. Um den notdürftigen Erhalt der Kirche zu sichern, wurde 1981 der Kirchenraum auf Höhe der Empore durch eine Zwischendecke geteilt. Der obere Kirchenraum erfuhr eine Neugestaltung in schlichteren Formen, der untere Raum diente bis 2018 als Kunstarchiv der Landeskirche. Nach der Wende begann man in den 1990er-Jahren mit ersten Renovierungsmaßnahmen, wozu 1993 auch die Anschaffung einer kleinen » niederländischen Orgel zählte.

Eine umfassende Sanierung des Gebäudes erfolgte in mehreren Bauabschnitten zwischen 2013 und 2022. Und seit Oktober 2023 ist hier das „Stadtteilzentrum Westkreuz“ zuhause, das als „Ort für Familienfeste, Seminare, Konzerte, Ausstellungen, Theater und Podiumsdiskussionen sowie als Treffpunkt für Menschen aller Generationen und Religionen“ dient.

Um auf die bedeutende Sauer-Orgel von 1888 aufmerksam zu machen, gründete sich 2019 der Interessenkreis Sauer-Orgel. Seitdem finden auf der durch Christian Scheffler notdürftig reparierten Orgel Konzerte und Veranstaltungen statt, um durch Spenden eine Restaurierung des wertvollen Instruments voranzubringen.

I. MANUAL | C–f³
Prinzipal 16'

Prinzipal 8'

Gedackt 8'

Prestant 4'

Rohrflöte 4'

Quinte 2 2/3'

Oktave 2'

Waldflöte 2'

Terz 1 3/5'

Mixtur 4f.

Zimbel 4f.

Trompete 8'

Koppel III–I

Koppel II–I

II. MANUAL | C–f³

Ged. Pommer 16'

Prinzipal 8'

Rohrflöte 8'

Gedackt 4'

Superoktave 2'

Sifflet 1'

Sesquialtera 2f.

Oboe 8'

Koppel III–II

III. MANUAL (SW) | C–f³

Liebl. Gedackt 8'

Quintade 8'

Prinzipal 4'

Zartquinte 2 2/3'

Oktave 2'

Quinte 1 1/3'

Zimbel 3f.

PEDAL | C–f¹

Untersatz 32'

Kontrabaß 16'

Subbaß 16'

Offenbaß 8'

Baßflöte 8'

Oktave 4'

Oktave 2'

Hintersatz 4f.

Posaune 16'

Koppel III–P

Koppel II–P

Koppel I–P


Mezzoforte, Forte, Tutti, Freie Kombination, Crescendowalze.

Elektropneumatische Kegellade.


Quellen und Literatur: Orgeldatenbank Sachsen ⋄ Eigener Befund.

 

Nr. 662 | Diese Orgel habe ich am 22.05.2024 im Rahmen der VOD-Tagung in Leipzig besucht.

© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 28.05.2024.