Orgel: Alfred Führer (Wilhelmshaven), 1977.
Gehäuse und einzelne Register: Johann Adam Berner (Osnabrück), 1726.

Die St.-Marien-Kirche in Oythe bei Vechta ist eine der letzten erhaltenen, ursprünglich romanischen Findlingskirchen im Oldenburger Münsterland. Der älteste Teil stammt noch aus dem Ende des 13. Jahrhunderts, der Turm stammt von 1769–75, und 1840–42 wurde die Kirche um den heutigen Chorraum und die Sakristei erweitert. Die letzte große Renovierung war 1982 abgeschlossen.
Die erste Orgel in der Oyther Kirche war eine Stiftung des aus Vechta gebürtigen Kaspar Andreas Freiherr von Elmendorff, Domherr in Lübeck, der der Kirche 200 Rthl. für den Orgelneubau zur Verfügung stellte. Außerdem vermachte er der Kirche in seinem Testament eine Summe von 150 Rthl. zum Unterhalt der Orgel und des Organisten – er starb 1730.
Am 14. Januar 1726 wurde der Vertrag zum Bau der Orgel mit dem Osnabrücker Orgelbauer Johann Adam Berner geschlossen – die Gesamtkosten beliefen sich samt Orgelbühne auf 290 Rthl. Das Werk hatte neun Register (davon die Trompete in Bass und Diskant geteilt) und ein angehängtes Pedal. Im Laufe des 18. Jahrhunderts sind in den Akten mehrfach kleinere Reparaturen dokumentiert. Unter anderem führte auch der in orgelbaulichen Fragen bewanderte Vechtaer Rektor Franz Wilhelm Caesar einige dieser Arbeiten durch.
1869/70 erfolgte durch die Orgelbauer B. Kröger & Söhne (Goldenstedt) eine Erweiterung des Instruments um ein zweites Manual, das mit drei Registern besetzt war. Außerdem fügte Gorgonius Kröger (Vechta) 1889 ein selbständiges Pedalwerk mit zwei Registern auf mechanischer Kegellade hinzu. Weitere Veränderungen an der Disposition nahm Bernhard Joseph Kröger (Vechta) 1912 vor.
Im Jahr 1934 baute Carl Haupt (Osnabrück) die Orgel für 3350 RM umfassend um: Das Instrument erhielt nun pneumatische Kegelladen und eine veränderte Disposition; die Stimmtonhöhe wurde herabgesetzt. Zum Jahreswechsel 1934/35 war das neue Werk, in dem noch sechs Register von Berner enthalten waren, fertiggestellt. Um auf der Empore mehr Platz zu schaffen, wurde die Orgel 1948/49 nach hinten in den Turmraum versetzt, wodurch das historische Gehäuse erheblich beschädigt wurde; auch die Disposition erfuhr bei dieser Maßnahme weitere Änderungen.
Im Zuge der umfassenden Kirchenrenovierung Ende der 1970er-Jahre sollte auch die Orgel im barocken Sinne wiederhergestellt werden. Die Orgelbauwerkstatt Alfred Führer (Wilhelmshaven) erhielt den Auftrag zum Bau einer neuen mechanischen Schleifladenorgel unter Wiederverwendung des Barockgehäuses und der erhaltenen Register von Johann Adam Berner. Das 1977 fertiggestellte Instrument verfügt über 13 Register auf Hauptwerk, schwellbarem Brustwerk und Pedal. 1996 wurde durch die Fa. Führer im Hauptwerk auf einem zusätzlichen Pfeifenstock die Trompete 8' ergänzt. Zuletzt erfolgte 2012 eine Reinigung und Generalüberholung durch die Firma Ostfriesischer Orgelservice aus Wiesmoor.
I. BRUSTWERK | C–g³
(schwellbar)
Holzgedackt 8'
Rohrflöte 4'
Waldflöte 2'
Sesquialter 2f.
Doppelkegelregal 8'
Tremulant
II. HAUPTWERK | C–g³
Gedackt 8'
Prinzipal 4'
Quinte 2 2/3'
Oktave 2'
Mixtur 4f.
Trompete 8'
Koppel I-II
PEDAL | C–f¹
Subbass 16'
Oktavbass 8'
Choralbass 4'
Koppel II-P
Koppel I-P
Mechanische Schleiflade.
Quellen und Literatur: Winfried Schlepphorst, Der Orgelbau im westlichen Niedersachsen, Kassel 1975, S. 135–136 ⋄ Fritz Schild, Orgelatlas
der historischen und modernen Orgeln im Gebiet der Kath. Kirche im Oldenburger Land, Wilhelmshaven 2011 (unveröff.), Nr. 135 ⋄ Orgelsachverständigen-Unterlagen des BMO
Vechta ⋄ Eigener Befund.
Nr. 513 | Diese Orgel habe ich zum ersten Mal am 09.09.2016 bei einem Gottesdienst gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 19.01.2026.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
