Orgel: Jacob Vogt (Korbach), 1853.

Die aus dem 13. Jahrhundert stammende erste Kirche von Mengeringhausen wurde beim Stadtbrand 1347 vollständig zerstört. Nach der Errichtung des markanten Turms 1393 entstand in den Jahren bis 1423 der Bau der neuen spätmittelalterlichen gotischen Hallenkirche. Im Zuge der Reformation, die 1529 in Mengeringhausen eingeführt wurde, erfolgte 1552 die Erweiterung um einen größeren Chorraum sowie die Ausmalung durch den Maler Friedrich Thorwart. 1598 wurde die Renaissance-Kanzel geschaffen, die – in dieser Zuspitzung wohl einzigartig – Martin Luther als einen Höhepunkt der christlichen Heilsgeschichte darstellt. Zur Ausstattung der Kirche gehört auch der 1680 errichtete Barockaltar.
Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts verfügte die Stadtkirche über eine Orgel. Für einen 1615 erfolgten Umbau wird der Orgelbauer Johannes Grünewald genannt, der möglicherweise in verwandtschaftlicher Beziehung zur weitverzweigten Nürnberger Orgelbauerfamilie Grünewald stand; die Arbeiten wurden von dem Warburger Organisten Jochimus geprüft und abgenommen. 1652 nahm der aus Sontra stammende und in Korbach tätige Orgelbauer Georg Wolf eine Renovierung vor, bevor 1668 Peter Henrich Varenholt eine vollständig neue Orgel errichtete. Varenholts erstes selbständig errichtetes Werk verfügte über neun Register (Principal 8', Bordun 16', Gedackt 8', Octave 4', Tertia 1 3/5', Quinta 3', Octave 2', Mixtur 4f., Trompete 8') und die für den westfälischen Barockorgelbau typischen Springladen.
Noch zu Lebzeiten Varenholts wurde die Orgel 1707 durch Andreas Reinecke (Eschershausen) einer umfassenden Überarbeitung unterzogen. Zunächst waren lediglich Reparaturen an Windladen und Bälgen sowie eine Verbesserung der Ansprache der Pfeifen vorgesehen. Reinecke stellte jedoch bei näherer Untersuchung erhebliche konstruktive Mängel fest, insbesondere im Inneren der Lade, die eine nachhaltige Instandsetzung unmöglich machten. Daraufhin wurde vereinbart, eine neue, technisch verbesserte und größere Springlade anzufertigen, die Raum für zusätzliche Register bot. Zugleich wurden das Pfeifenwerk überarbeitet und neu intoniert. Die Arbeiten waren im Frühsommer 1709 abgeschlossen. Nun hatte die Orgel zwölf Register und ein angehängtes Pedal, das für einen späteren Ausbau mit fünf eigenständigen Registern vorbereitet wurde. Erst 1784 wurden wieder größere Reparaturen an dem Werk notwendig, die von Johann Christoph Bornemann und seinem Sohn Friedrich Philipp aus Adorf vorgenommen wurden.
Die Varenholt/Reinecke-Orgel wurde schließlich 1853 durch einen größeren Neubau aus der Korbacher Orgelbauwerkstatt Jacob Vogt ersetzt. Vogt (1811–1891) gehörte zu einer über mehrere Generationen in Nordhessen wirkenden Orgelbauerfamilie und hatte sich 1845 in Korbach selbständig gemacht. Die Mengeringhausener Orgel (Vogts Opus 16) gehörte mit 20 Registern zu den größeren Werken aus der Korbacher Werkstatt und war im Spätsommer 1853 fertiggestellt; die abschließende Prüfung des 1070 Thaler teuren Instruments fand am 25. November 1853 statt.
Zu den Veränderungen, die im Laufe von 150 Jahren an dem Instrument stattfanden, zählt vor allem ein größerer Umbau durch die Orgelbaufirma Conrad Euler (Hofgeismar) im Jahr 1970. Dabei gingen wesentliche Bestandteile des originalen Pfeifenwerks und der technischen Anlage verloren. Im Rahmen einer umfassenden Restaurierung durch die Orgelbauwerkstatt Hans Peter Mebold (Siegen) in den Jahren 2001 bis 2004 erfolgte eine Rückführung auf den Originalbestand von 1853. Etliche Register wurden nach historischem Vorbild in Mensur, Bauweise und Material rekonstruiert, die erhaltenen Pfeifen sorgfältig restauriert.
Das vorbildlich restaurierte Werk gehört zu den herausragenden historischen Orgeln des 19. Jahrhunderts im Waldecker Land und ist ein wichtiges Dokument für das Wirken der Korbacher Orgelbauerfamilie Vogt. 2024 erfolgte eine Reinigung und Generalüberholung durch die Orgelbauwerkstatt Mebold (Siegen).
I. MANUAL | C–f³
Bourdon 16' *
Principal 8' (*)
Hohlflöte 8'
Gamba 8'
Gedackt 8'
Octave 4' *
Flöte 4'
Octave 2' *
Mixtur 4f. 1 1/3' *
Koppel II-I
II. MANUAL | C–f³
Pianoflöte 8'
Flauto traverso 8'
Salicional 8' *
Quintatön 8' *
Geigenprincipal 4' (*)
Gedackt 4' *
Sesquialtera 2f.
PEDAL | C–c¹
Subbaß 16' *
Violon 16'
Octavbaß 8' *
Posaune 16'
Koppel I-P
[nicht durchkoppelnd]
* = historische Register von 1853, alle anderen nach historischen Vorbildern rekonstruiert.
Mechanische Schleiflade.
Quellen und Literatur: Gerhard Aumüller / Eckhard Trinkaus / Herbert Voigt, Eine Varenholt-Orgel in der Stadtkirche von Mengeringhausen, in: Geschichtsblätter für
Waldeck 83 (1995), S. 43–76 ⋄ Orgelbau Mebold (Siegen) ⋄ Eigener Befund.
Nr. 498 | Auf dieser Orgel habe ich am 31.10.2014 ein Konzert gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 26.12.2025.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
