Maastricht

Cellebroederskapel

Orgel: Joseph Binvignat und Lambert Houtappel (Maastricht), 1794.


© Gabriel Isenberg, 02.08.2005
© Gabriel Isenberg, 02.08.2005

1539 erhielt die Gemeinschaft der Celliten, einer nach der Regel des Hl. Augustinus lebenden Bruderschaft, mit Zustimmung des Kapitels von Sint Servaas die Erlaubnis, zwischen der Brusselsestraat und der zweiten Stadtmauer von Maastricht ein Kloster mit Kapelle zu errichten. Ende des 16. Jahrhunderts entstand die bis heute erhaltene Kapelle in spätgotischen Formen mit ihrem filigranen Netzgewölbe; erkennbar sind noch Reste von Gewölbemalereien sowie an der Westwand (über dem heutigen Orgelstandort) eine spätgotische Darstellung des Jüngsten Gerichts. Vom einst ausgedehnten Klosterkomplex blieb nur ein Teil erhalten; die Kapelle selbst wurde in den Jahren 1963 bis 1966 umfassend restauriert und 1998/99 erneut instandgesetzt. Heute dient sie als Kultur- und Konzertort.

Bis 1969 stand in der Cellebroederskapel keine Orgel. Das heute dort vorhandene Orgelinstrument wurde im Mai 1794 von den Orgelbauern Joseph Binvignat und Lambert Houtappel in Maastricht für die Pfarrkirche Sint Monulphus & Gondulphus in Berg en Terblijt gebaut; Untersuchungen zeigen, dass Gehäuse und Innenwerk nicht ursprünglich zusammengehören, was auf ältere Materialen im Gehäuse hindeutet.

1849 wurde das Instrument von Adam Binvignat, dem Sohn des Erbauers, überarbeitet. Das Orgelgehäuse und die Disposition wurden in der Folge mehrfach verändert. 1852 verlegten die Gebr. Franssen (Horst) die ursprünglich frontal eingebaute Klaviatur an die rechte Seite und erweiterten den Ambitus bis g³; vermutlich erfolgten im Rahmen dieser Maßnahme auch Dispositionsänderungen. 1879 lieferte die Firma Pereboom & Leijser (Maastricht) anlässlich einer Reparatur eine neue Viola di gamba 8’. Und um 1900 tauschte man Clairon 4’ gegen Bourdon 16’ Diskant aus und erneuerte den Diskant des Montre 8’; außerdem wurden über dem Mittelturm stumme Prospektpfeifen angebracht, um die großen Trompetenbecher zu verdecken.

Durch den Bau einer neuen Kirche in Berg en Terblijt 1930 wurde die alte Binvignat/Houtappel-Orgel dort nicht mehr gebraucht. So kam sie 1935 in die Pfarrkirche Sint Antonius van Padua in Maastricht-Scharn. 1962 erwarb sie die Stadt Maastricht, und nach gründlicher Restaurierung durch die Orgelbauwerkstatt Leon Verschueren (Heythuysen) wurde sie schließlich 1969 in der frisch renovierten Cellebroederskapel aufgestellt. Die Disposition der Orgel hatte man nun wieder in den mutmaßlichen Originalzustand zurückversetzt, und auch die Klaviatur verlegte man wieder in die Front; außerdem wurde die Windversorgung komplett erneuert. Durch die Restaurierung und Rückführung auf den Ursprungszustand ist die Binvignat-Orgel heute wieder mit einem authentischen Klangbild des späten 18. Jahrhunderts zu erleben.

Die gedrechselten Registerzüge befinden sich zu beiden Seiten der Spielanlage. Mit dem Zug „Vent“ wird der Orgelmotor eingeschaltet. Die Registerzüge sind nicht mit Fußtonangaben gekennzeichnet (in der untenstehenden Disposition sind diese hinzugefügt). Die Teilung der Bass/Diskant-Register liegt bei c¹/cis¹.

MANUAL | C–e³

Prestant 4’

Montre haute 8’ [= D]

Bourdon 8’

Flûte 4’

Nasard 3’

Doublette 2’

Tierce 1 3/5’

Sexquialter II

Cornet III 2 2/3’ [D]

Fourniture III

Trompette basse/haute 8’

Tremblant

PEDAL | C–gº

angehängt


Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Erik van der Heijden, Orgellandschaft zwischen Maas und Rhein, Mettlach 2005, S. 81–82 ⋄ Stichting Beheer Kabinet Orgel Binvignat ⋄ Eigener Befund.

Nr. 240 | Diese Orgel habe ich am 02.08.2005 im Rahmen der GdO-Orgeltagung in Maastricht besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 15.12.2025.