Lindern

Kath. Pfarrkirche St. Katharina von Siena

Orgel: Friedrich Fleiter (Münster), 1886.


© Gabriel Isenberg, 22.04.2021
© Gabriel Isenberg, 22.04.2021

Der erste urkundliche Nachweis der Pfarrei Lindern stammt aus dem Jahr 1288. Die neugotische Pfarrkirche wurde in den Jahren 1860 bis 1862 nach Plänen des Sögeler Architekten Johann Bernhard Hensen errichtet. Ihre Innenausstattung ist weitgehend im ursprünglichen Zustand des 19. Jahrhunderts erhalten. Bis heute gehört Lindern zu den wenigen Pfarreien im Offizialatsbezirk Oldenburg, die nicht mit anderen Gemeinden fusioniert wurden.

Am 22. Januar 1722 wurde der Vertrag zum Bau der ersten Orgel in Lindern mit dem „wohlfurnehmen“ Adam Berner aus Osnabrück geschlossen. Das zehn Register umfassende Instrument war im Oktober 1723 fertiggestellt. Es stand urprünglich vermutlich auf einer seitlichen Empore; 1782 versetzte Christopher Köchmann (Lingen) die Orgel auf eine neue Empore im Westen der Kirche, wobei sie im Rahmen der Renovierung auch eine neue Farbfassung und Neufoliierung der Prospektpfeifen erhielt. 1796 verlegte Anton Franz Schmid (Quakenbrück) die Orgel auf eine neue Empore im Turm; dabei erneuerte er auch die Balganlage und fertigte ein neues Register an. Eine weitere größere Arbeit nahm Schmid im Jahr 1836 vor; unter anderem mussten mehrere Pfeifen erneuert werden, da der Orgelboden abgesunken war, außerdem wurden die hölzernen Prospektpfeifen neu foliiert.

Beim Abriss der alten Kirche wurde die Orgel durch Arnold Kröger (Goldenstedt) in die zwischenzeitlich genutzte Notkirche und 1863 schließlich in die neu erbaute Pfarrkirche übertragen. Um den großen Kirchenraum klanglich angemessen zu füllen, schaffte die Gemeinde 1885/86 eine neue Orgel an, die von der Münsteraner Orgelbaufirma Friedrich Fleiter geliefert wurde. Am 13. Januar 1887 erfolgte die Abnahme des 27 Register umfassenden Instruments durch den Osnabrücker Domorganisten Eduard Brennecke. Die Linderner Orgel ist sozusagen das Schwesterinstrument der etwas größeren, bis heute ebenfalls erhaltenen Fleiter-Orgel in der » St. Bartholomäus Essen.

Nach einer ersten Reinigung und Generalüberholung durch die Erbauerfirma im Jahr 1901, nahm diese 1925 eine Umintonation mit Dispositionsänderungen vor. 1936 erweiterte Otto Ritter (Goldenstedt) das II. Manual um drei auf einer pneumatischen Zusatzlade aufgestellte Register. In ihrer heutigen Form geht die Orgel im Wesentlichen zurück auf einen Umbau durch Orgelbau Alfred Führer (Wilhelmshaven) im Jahr 1970. Dabei wurde u. a. die Pedallade um fünf Töne erweitert und die Disposition verändert, vier neue Register kamen hinzu; drei Jahre später baute Führer eine neue Tropmete 8' ein. Weitere Reinigungen und Generalüberholungen erfolgten 1982 durch G. Christian Lobback (Neuendeich) und 2014 durch Martin Cladders (Badbergen).

Der originale Pfeifenbestand von 1886 ist noch zu rund 65 % erhalten, wurde jedoch nachträglich teilweise erheblich bearbeitet. Die meisten Änderungen hat das II. Manualwerk erfahren, es enthält Pfeifenwerk aus allen Bauschichten der Orgel, wobei die pneumatische Zusatzlade von 1936 bei den Arbeiten 1970 wieder entfernt wurde. Das heutige Klangbild spiegelt deutlich das neobarocke Verständnis der Maßnahmen von 1970 wider, der frühromantische Klang der Fleiter-Orgel von 1886 ist noch zu erahnen. Auch das neugotische Gehäuse präsentiert sich heute in einer verstümmelten Form, da die ursprünglichen Zapfen, Türmchen, Fialen etc. entfernt wurden. Dennoch gehört die Linderner Orgel zu den wenigen erhaltenen historischen und somit besonders beachtenswerten Instrumenten im Oldenburger Land.

I. HAUPTWERK | C–f³
Prinzipal 8'
Bordun 16'
Waldflöte 2'
Flautmajor 8'
Hohlflöte 8'
Oktave 4'
Flöte dauce 4'
Oktave 2'
Sesquialtera 2f.
Mixtur 3f.
Zimbel 2f.
Trompete 8'
Koppel II–I

II. OBERWERK | C–f³
Gedackt 8'
Flöte 4'
Prinzipal 2'
Quinte 1 1/3'
Kornett 4f.
Scharff 4f.
Oboe 8'
Tremulant

PEDAL | C–f¹
Subbaß 16'
Oktave 8'
Gedacktbaß 8'
Oktave 4'
Mixtur 3f.
Posaune 16'
Trompete 8'
Clairon 4'

Koppel II–P
Koppel I–P


Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Winfried Schlepphorst, Der Orgelbau im westlichen Niedersachsen, Kassel u. a. 1975, S. 113–116 ⋄ Fritz Schild, Orgelatlas der historischen und modernen Orgeln im Gebiet der Katholischen Kirche im Oldenburger Land, Wilhelmshaven 2011 (unveröffentlicht), S. 122ff ⋄ BMO Vechta, Orgelsachverständigen-Unterlagen ⋄ Eigener Befund.

Nr. 613 | Diese Orgel habe ich zum ersten Mal am 03.03.2022 in meiner Funktion als Orgelsachverständiger besucht und untersucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 12.12.2025.