Lind ob Velden (Lipa ob Vrbi)

Kath. Pfarrkirche St. Martin

Orgel: Josef Grafenauer (Egg), 1860.


© Gabriel Isenberg, 23.08.2004
© Gabriel Isenberg, 23.08.2004

Bereits um 1600 gab es eine St.-Martins-Kirche in Lind ob Velden am Wörthersee. Der heutige, gotisierende Bau entstand 1843, im Jahr 1869 ergänzt durch den Westturm. Die Altäre und die übrigen Ausstattungsstücke stammen alle aus dem Jahr 1843, teilweise unter Einbeziehung älterer Elemente.

Zur gleichen Zeit erhielt die Kirche offenbar auch ihre erste Orgel – in der unteren Gehäusefüllung der heutigen Orgel ist die Jahreszahl 1844 eingeritzt. In der heutigen Form geht die Orgel allerdings auf eine Arbeit des Orgelbauers Josef Grafenauer (Egg/Gailtal) im Jahr 1860 zurück. In welchem Umfang Grafenauer ältere Berstandteile wiederverwendete, ist nicht mehr genau zu bestimmen; die bemalten Seitenwände, die König David an der Harfe und die Heilige Cäcilia an der Orgel darstellen, waren wohl ursprünglich einmal Flügeltüren vor einem Prospekt. Mehrere slowenische Beschriftungen an Orgelbestandteilen – z. B. deutlich erkennbar an einer Pfeife „Zunaj spodaj“ = „außen unten“ – dokumentieren, dass Grafenauer bestehende Teile offenbar neu zusammensetzte.

Auch über die weitere Geschichte des Instruments ist nicht viel bekannt. Die ins Gehäuse eingeritzte Inschrift „p. A. 1947. FOK.“ lässt auf eine Arbeit im Jahr 1947 schließen. In den 1980er-Jahren wurde die Orgel durch Ottitsch (Ferlach) gereinigt. Jedenfalls präsentiert sich die Orgel heute nicht mehr unverändert im Zustand des 19. Jahrhunderts. Möglicherweise wurde das Pedalwerk später hinzugefügt; der Subbaß 16' ist ohne eigenen Registerzug und daher ständig eingeschaltet. Darüber hinaus ist die Orgel [Stand 2004] in einem schlechten Zustand: Die Windversorgung funktioniert nur noch unzureichend, die Mechanik ist dereguliert und das Pfeifenwerk liegt im Gehäuse teilweise kreuz und quer durcheinander und ist stark verstimmt; eine Sitzbank für den Organisten fehlt.

Der Spieltisch ist in die mittig hervorkragende Emporenbrüstung eingebaut, so dass der Organist ins Kirchenschiff blickt. Die Pedalpfeifen stehen frei hinter dem Orgelgehäuse; dahinter lagert auf einer Balgkonstruktion oberhalb des Turmaufgangs die Balganlage mit dem großen Magazingebläse.

MANUAL | C–c³

Oktavbass 8' [Holz, offen]

Doppelflöte 8'

Gamba 8'

Prinzipal 4'

Flöte 4'

Mixtur 2f. 2 2/3' [recte: 2']

PEDAL | C–fº, rep. ab cº

Subbass 16' [ohne Zug, ständig]

Oktavbass 8' [Bez.: Subbaß 16']


Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Eberstaller, Oskar: Orgeln und Orgelbauer in Österreich, Köln/Graz 1955, S. 190 ⋄ Eigener Befund.

Nr. 211 | Diese Orgel habe ich am 23.08.2004 im Rahmen meiner Kärnten-Orgeltour besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 12.12.2025.