Orgel: Gerhard Janssen Schmid (Oldenburg), 1841/42.

Die aus dem 13. Jahrhundert stammende, romanische Kirche im wangerländischen Minsen wurde über die Jahrhunderte mehrfach umgestaltet. Zwölf Meter von der Südseite der Kirche entfernt steht der aus Backsteinen errichtete Glockenturm. Bemerkenswert sind im Kircheninnern die Überreste mittelalterlicher Gewölbemalereien, die die Darstellung von Christus als Weltenrichter erkennen lassen. Die letzte große Sanierung der Kirche fand Anfang der 1980er-Jahre statt.
Viele Jahrhunderte hindurch war die Minsener Kirche ohne Orgel; erst Mitte des 19. Jahrhunderts konnte sie im Zuge umfassender Kirchen-Renovierungsarbeiten mit einer neuen Orgel ausgestattet werden. Den finanziellen Grundstock dazu boten die durch Aufhebung einer zweiten Pfarrstelle in Minsen freigewordenen Gelder. Am 30. Juni 1840 wurde mit Gerhard Janssen Schmid (bekannt als „Schmid I“) aus Oldenburg der Vertrag zum Orgelbau geschlossen; Grundlage war dabei eine von dem Orgelbauer Arnold Rohlfs aus Esens ausgearbeitete Disposition. Am 5. Januar 1842 konnte die fertige Orgel eingeweiht werden. Im Laufe des Jahres 1845 erhielt die Orgel ihre weiße Farbgebung und die Vergoldungen.
Im Sommer 1893 nahm Johann Martin Schmid („Schmid III“), der Enkel des Erbauers, für 180 Rthl. eine größere Reparatur an der Orgel vor. Die zu Rüstungszwecken im Ersten Weltkrieg 1917 abgelieferten Zinn-Prospektpfeifen wurden 1922 durch neue ersetzt. In den folgenden Jahrzehnten fanden keine nennenswerten Änderungen an der Orgel statt; 1949 ist eine Reinigung durch die Orgelbauwerkstatt Alfred Führer (Wilhelmshaven) verzeichnet.
Im Rahmen der großen Kirchenrenovierung zu Beginn der 1980er-Jahre wurde die Orgel ausgebaut und zur Restaurierung in die Orgelbauwerkstatt Alfred Führer in Wilhelmhaven gebracht. 1988 konnte der erste Restaurierungsabschnitt abgeschlossen und die Orgel in der Kirche wieder aufgestellt werden. Mit dem 1995 erfolgten zweiten Restaurierungsabschnitt, der die Restaurierung der Balganlage und den Einbau neuer Prospektpfeifen umfasste, konnten die Wiederherstellungsarbeiten durch die Firma Alfred Führer abgeschlossen werden.
Die Minsener Orgel gehört zu den bedeutendsten erhaltenen Orgeln von Gerhard Janssen Schmid; bis auf die Prospektpfeifen ist sie vollkommen unverändert erhalten.
MANUAL | C–c³
Principal 8'
Gedackt 8'
Oktave 4'
Gedacktflöte 4'
Nasard 2 2/3'
Oktave 2'
Mixtur 3f. [2']
Trompete 8' B/D
PEDAL | C–c¹
Subbaß 16'
Principal 8'
Oktave 4'
Rohrflöte 4'
Posaune 16'
Calkant, (mehrere Vakant-Züge).
Mechanische Schleiflade.
Quellen und Literatur: Oldenburgische Blätter 28.06.1842 ⋄ Jeversches Wochenblatt 14.04.1893 und 21.09.1922 ⋄ Walter Kaufmann, Die Orgeln des Alten Herzogtums Oldenburg, Oldenburg 1962, S. 93f ⋄ Fritz Schild, Orgelatlas der historischen und modernen Orgeln im Gebiet der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Oldenburg, Wilhelmshaven 2008, Nr. 107 ⋄ Orgelbau Alfred Führer ⋄ Eigener Befund.
Nr. 446 | Diese Orgel habe ich am 08.10.2012 zum ersten Mal gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 29.12.2025.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
