Niederrotweil im Kaiserstuhl

Kath. Kirche St. Michael

Orgel: Adrien Joseph Pottier (Burkheim), 1759.


© Gabriel Isenberg, 02.06.2023
© Gabriel Isenberg, 02.06.2023

St. Michael in Niederrotweil, die älteste Kirche im Breisgau, ist erstmals urkundlich 1175 erwähnt. Aus der Zeit der gotischen Umgestaltung der Kirche um 1350 stammen die bis heute erhaltenen eindrucksvollen Wandmalereien. Der Marienaltar des Meisters „HL“ (vermutlich Hans Loy), entstanden zwischen 1516 und 1520, zählt zu den bedeutendsten Werken deutscher Schnitzkunst der Spätgotik. Umfangreichere barocke Umgestaltungen erfolgten in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts. Nachdem die Kirche 1818 zunächst vom Abriss bedroht war, wurde sie 1833 zwischenzeitlich zur Pfarrkirche erhoben. Nach weiteren Veränderungen im 20. Jahrhundert fanden in den Jahren 1996 bis 2000 umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt.

Bereits 1712 lassen sich im Zuge der barocken Umgestaltung erste Belege für die Existenz einer Orgel in der St.-Michael-Kirche nachweisen. Unter Pfarrer Wilhelm wurde 1739 eine neue Orgel beschafft. An ihr wurden in den folgenden Jahrzehnten Reparaturen vorgenommen: 1756 durch Matthias Styb (Breisach) und 1767/68 durch Bernhard Heinrich Fohmann (Pforzheim). Diese Orgel gelangte zwischen 1818 und 1820 für 160 Reichsthaler in die Niederrotweiler Wallfahrtskirche St. Pantaleon, da die St.-Michael-Kirche stillgelegt werden sollte.

Als jedoch die Pfarrkirche St. Nikolaus in Oberrotweil Ende 1832 wegen Einsturzgefahr geschlossen werden musste und St. Michael stattdessen als Pfarrkirche eingerichtet wurde, übertrug man auch die Oberrotweiler Orgel nach Niederrotweil. Diese war 1759 von Adrien Joseph Pottier aus Burkheim für Oberrotweil erbaut worden. Die Übertragung nach Niederrotweil führte 1833 der Orgelbauer Pantaleon Martin aus Waldkirch aus; bereits in den Jahrzehnten zuvor sind (noch in Oberrotweil) kleinere Reparaturen an dem Instrument dokumentiert.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Niederrotweiler Kirche jedoch immer weniger genutzt – inzwischen war Oberrotweil mit der 1838 eingeweihten neuen Kirche wieder Pfarrkirche –, sodass auch die Orgel wenig gepflegt wurde. Erst 1899 ist wieder eine Reparatur durch August Merklin (Freiburg) belegt. 1917 mussten die Zinn-Prospektpfeifen für die Rüstungsindustrie abgeliefert werden; weitere Pfeifen wurden 1923 verkauft. Die inzwischen unspielbare Orgel wurde schließlich 1944 abgebaut und auf dem Kirchenspeicher eingelagert. Dort wurde sie erst 1979 wiederentdeckt; in den Jahren 1983/84 erfolgte eine umfassende Restaurierung und Rekonstruktion durch die Orgelbauwerkstatt Johannes Klais (Bonn). Rund 250 Pfeifen sowie ein Großteil der Mechanik und der Windladen gehören noch zum Originalbestand von 1759. Die Stimmtonhöhe liegt bei a¹ = 444 Hz bei 20 °C, die Temperierung ist nach Kirnberger III angelegt. Die beiden Pedalregister Principal 8' und Octave 4' besitzen keine Schleifen und keinen Registerzug, sie spielen daher ständig mit.

Zuletzt erfolgten 2007 eine Reinigung und Generalüberholung. Die Niederrotweiler Pottier-Orgel ist die älteste erhaltene Orgel im gesamten Breisgau.

MANUAL | CD–c³

Bordon 8'
Salcinal 8'
Principal 4'
Spitz-Flet 4'
Flutt 4'
Quint 3'
Dublet 2'
Tertz 1 3/5'
Cornet 5f. [8', ab c¹]
Fourniture 3f. [1']

PEDAL | CD–cº

Principal 8' [ohne Zug]
Octave 4' [ohne Zug]
Trompett 8'
Coppel [als Ventilkoppel]


Tremblant, Zug „Nihil“ [ohne Funktion].

Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Hans-Wolfgang Theobald, Die Orgel von Adrien Joseph Pottier (1759) in der St.-Michaels-Kirche zu Vogtsburg-Niederrotweil, in Acta organologica 22 (1991), S. 249–278 ⋄ Eigener Befund.

Nr. 639 | Diese Orgel habe ich am 02.06.2023 im Rahmen der VOD-Tagung in Waldkirch besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 11.01.2026.