Ludwigsburg

Oscar-Walcker-Schule – Werkraum

Orgel: Marcus Kaul (Leonberg), ab 2002 unter Verwendung alter und neuer Bestandteile


© Gabriel Isenberg, 24.04.2014
© Gabriel Isenberg, 24.04.2014

Die Ursprünge der Oscar-Walcker-Schule in Ludwigsburg reichen bis in das Jahr 1825 zurück. Nachdem Oscar Walcker (1869–1948) im Jahr 1916 den Orgelbaubetrieb seines Vaters übernommen hatte, richtete er 1924 an der Ludwigsburger „Gewerblichen Fortbildungsschule im werktäglichen Unterricht“ erste Abendfachkurse für Orgel- und Harmoniumbauer ein. 1938 erhielt die Einrichtung die Bezeichnung „Gewerbliche Berufsschule mit Fachschule für Orgelbau“, 1940 folgte die Anerkennung als „Meisterschule für Orgel-, Harmonium- und Klavierbau“. Mit der Aufteilung der Gewerblichen Schule in zwei eigenständige Institutionen wurde 1957 der Grundstein für die Oscar-Walcker-Schule in ihrer heutigen Gestalt gelegt. Seit 1974 befindet sich die Schule am heutigen Standort auf dem Römerhügel. Im Jahr 2001 erhielt die Gewerbeschule schließlich den Namen „Oscar-Walcker-Schule“.
Ab 2002 entstand im Rahmen der Orgelbauerausbildung unter der Leitung von Orgelbaumeister Marcus Kaul (Leonberg) eine große Orgel, bei deren Bau sowohl alte als auch neue Bestandteile Verwendung fanden. Die einzelnen Werke erstrecken sich über die beiden großen Werkräume und werden von einem zentralen Spieltisch aus gesteuert, der ursprünglich aus der Stuttgarter Marienkirche stammt (Fa. Eisenschmid / Orgelbau Reiser, Op. 258, 1958). Ein weiterer, korrespondierender Spieltisch ist an das historische Gehäuse einer Orgel aus Karnburg (Kärnten) angebaut. Hinter diesem Orgelgehäuse, in dem das Rückpositiv untergebracht ist, sind freistehend einige Pedalregister aufgestellt. Das Hauptwerk steht vom Hauptspieltisch aus gesehen mittig an der rechten Wand, links daneben die übrigen Register des Pedals. Die hölzerne Krummhornreihe 16’–8’–4’ des I. Manuals ist nicht im Rückpositivgehäuse enthalten, sondern steht rechts vom Hauptwerk im Prospekt. Das III. Manualwerk befindet sich erhöht im Schwellkasten in der vom Spieltisch aus gesehen vorderen linken Ecke des Raums; links daneben sind das Röhren- und das Schalenglockenspiel angeordnet (beide nicht schwellbar). Vor dieser Anordnung steht ein neogotischer Prospekt mit den Pfeifen des Hornprinzipal 8’ (III. Manual). Über der Eingangstür, als verbindendes Element zwischen Schwellwerk und Hauptwerk, ragen die Horizontalpfeifen der Trompetenreihe 16’–8’ des Hauptwerks markant in den Raum hinein.

Vom IV. Manual aus werden das Bombardewerk (im Schwellkasten des III. Manuals) sowie ein Fernwerk mit Freipfeifenprospekt im angrenzenden Werkraum angespielt. Die Ferntrompete 8’ ist ebenfalls im Werkraum untergebracht und dort aufgebänkt auf der dem Fernwerk gegenüberliegenden Seite aufgestellt.

Das Instrument wird kontinuierlich erweitert. So erhielt die Orgel zwischen 2015 und 2017 unter dem Hauptgehäuse liegend einen Violonbass als Extension des Oktavbass 8'. Außerdem wurde über dem Positiv an der Decke eine durchschlagende Horizontalklarinette 8’ eingebaut. Die im Nebenraum befindliche Ferntrompete wurde zudem durch eine 16’-Extension nach unten erweitert.

I. RÜCKPOSITIV | C–g³

Prinzipal 8'

Gedackt 8'

Gamba 8'

Vox celeste 8'

Unda maris 8'

Vox angelica 8'

Fugara 4'

Vox humana 8'

Rankett 16' [Extension]

Krummhorn 8'

Klarinette 8' [horiz., durchschl.]

Schalmei 4' [Extension]

Tremulant

Koppel IV-I

Koppel III-I

II. HAUPTWERK | C–g³

Prinzipal 16'

Prinzipal 8'

Spitzflöte 8'

Gedacktflöte 8'

Oktav 4'

Querflöte 4'

Quinte 2 2/3'

Superoktav 2'

Großmixtur 2'

Kleinmixtur 1'

Kornett 8'

Trompete 16' [Extension]

Trompete 8'

Koppel IV-II

Koppel III-II

Koppel I-II

III. SCHWELLWERK | C–g³

Pommer 16'

Hornprinzipal 8' [Prospekt]

Rohrflöte 8'

Weidenpfeife 8'

Schwebung 8'

Quintflöte 5 1/3'

Oktav 4'

Blockflöte 4'

Viola 4'

Mixtur 2 2/3'

Klarinette 8' [aufschlagend]

Röhrenglocken

Koppel IV-III

IV. FERNWERK | C–g³

Ferngedeckt 8'

Fernflöte 4'

Fernmixtur 2 2/3'

Ferntrompete 16' [Extension]

Ferntrompete 8'


IV. BOMBARDWERK | C–g³

(im Schwellkasten von III)

Soloflöte 8'

Bombarde 32' [Extension]

Bombarde 16' [Extension]

Bombarde 8'

Bombarde 4' [Extension]

Glockenspiel

PEDAL | C–f¹

Untersatz 32' [Extension]

Violonbass 16' [Extension]

Subbass 16'

Gedecktbass 16'

Oktavbass 8'

Choralbass 4'

Posaune 16'

Fagott 16' [Transmission aus I]

Trompete 8' [Extension]

Kopftrompete 4' [Extension]

Singend Cornett 2' [Extension]

Koppel IV-P

Koppel III-P

Koppel II-P

Koppel I-P


3 freie Kombinationen, 2 freie Pedalkombinationen, Tutti, Pleno, Pianopedal, Zungengeneralabsteller, Manuale 16' ab, Crescendowalze, Koppeln aus Walze, Zungen aus Walze, SW Äquallage 8', SW Oktavlage 4'.

Nebenregister: Rauschwerk, Organero, Nachtigall, Cymbelstern, La Force.

Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal: Schleiflade; Schwellwerk, Bombardwerk und Fernwerk: Kegellade, elektropneumatische Spiel- und Registertraktur.

Die Disposition ist noch nicht vollständig ausgeführt und wird ständig erweitert.


Quellen und Literatur: Marcus Kaul ⋄ Eigener Befund.

 

Nr. 489 | Diese Orgel habe ich am 23.04.2014 im Rahmen meiner VOD-Ausbildung besucht.

© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 14.12.2025.