Maastricht

Kath. Kirche St. Matthias

Orgel: Joseph Binvignat (Maastricht), 1808.

Restaurierung und Rekonstruktion: Flentrop Orgelbouw (Zaandam), 1990.


© Gabriel Isenberg, 02.08.2005
© Gabriel Isenberg, 02.08.2005

Die dreischiffige Basilika St. Matthias am Maastrichter Markt, ein bedeutendes Beispiel der sog. Maas-Gotik, war um 1356 im Wesentlichen vollendet. Ihre heutige Gestalt erhielt die Kirche durch Umbauten im 15. und 16. Jahrhundert. 1632 wurde die Kirche von den Protestanten übernommen, bis die Franzosen sie 1794 zu einer Garnisonsbäckerei umbauten. 1803 kam die Kirche an die katholische Gemeinde zurück und wurde für kirchliche Zwecke wiederhergestellt. Eine umfassende Restaurierung erfolgte in den 1980er-Jahren.

Die Geschichte der Orgeln der St.-Matthias-Kerk lässt sich bis ins frühe 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Die erste Orgel, ein Instrument mit zwei Manualwerken, wurde 1727 von Johann Jakob Brammertz aus Kornelimünster errichtet. In den folgenden Jahrzehnten erfolgten mehrfach Überarbeitungen: in den 1740er-Jahren durch Thomas Weidtman (Ratingen), 1758 durch Johann Kaspar König (Roermond) und 1777 durch Joseph Binvignat und Lambert Houtappel.

Nach der Rückgabe der Kirche an die katholische Gemeinde im Jahr 1803 bestand Bedarf an einem neuen Instrument. Zunächst stellte man eine kleinere Orgel aus der ehemaligen Catharina-Kapelle auf. 1807 erhielt der Maastrichter Orgelbauer Joseph Binvignat schließlich den Auftrag zum Bau einer neuen großen Orgel, die er im Juni 1808 vollendete. Dieses Werk – sein „Opus magnum“ – verfügte über 36 Register auf drei Manualen und selbständigem Pedal (ein sog. Tenor-Pedal mit drei Registern auf 8’-Basis). Auffällig war der völlige Verzicht auf Manual- und Pedalkoppeln, was dem klassisch-französisch geprägten Klangkonzept des Instruments entsprach.

Im 19. Jahrhundert wurde die Orgel mehrfach verändert. 1863 versetzte die Firma Pereboom & Leijser (Maastricht) die Violine di Gambe 4' um eine Oktave zur Viola di Gamba 8'. Auch in den folgenden Jahren griff die Firma wiederholt in die Substanz des Instruments ein, bis 1875 ein umfassender Umbau vorgenommen wurde, der die Orgel vollständig im romantischen Stil umgestaltete. Dabei erhielt sie eine neue Spielanlage sowie ein erweitertes Pedalwerk. 1885 wurde das Instrument von der Empore in den Turmraum zurückversetzt, was die Klangabstrahlung allerdings erheblich beeinträchtigte. 1918 ersetzte Michel Pereboom die Prospektpfeifen des Positif durch Schwellklappen; anstelle des Prestant 4' kam eine Voix céleste 8'.

Einen ersten Schritt zurück zum historischen Zustand stellte die Restaurierung durch die Orgelbauwerkstatt Leon Verschueren (Heythuysen) im Jahr 1950 dar. Die technische Anlage von Pereboom & Leijser blieb dabei unangetastet, doch versuchte man durch Dispositionsänderungen und Umarbeitungen des Pfeifenmaterials, dem ursprünglichen Klangbild wieder näherzukommen. Das Pedalwerk wurde  auf elektropneumatischer Kegellade erweitert.

Nachdem die Orgel erneut unter mangelhafter Wartung und zunehmendem Verfall gelitten hatte, entschied sich die Gemeinde im Zuge einer umfassenden Kirchenrenovierung für eine fachgerechte Restaurierung des historischen Instruments. Ein zentrales Anliegen war dabei die Wiederherstellung einer Orgelempore vor dem Turmraum. Die Restaurierungsarbeiten wurden 1990 von der Firma Flentrop Orgelbouw aus Zaandam ausgeführt. Die Manualwerke wurden weitgehend auf den Zustand von 1808 zurückgeführt, während das Pedal an den Zustand von 1875 angepasst wurde. Die Windversorgung der Manualwerke erfolgt seither wieder über zwei Keilbälge nach historischem Vorbild. Zahlreiche Register mussten rekonstruiert bzw. neu ergänzt werden.

Die Spielanlage ist unter dem mittleren Feld des Positif in die Front integriert; die Registerzüge befinden sich links und rechts davon. Die Registerbezeichnungen (ohne Fußtonangaben) sind handschriftlich auf Pergamentschildern angebracht. Das Echowerk wird vom III. Manual aus gespielt; obwohl die Klaviatur vollständig ausgebaut ist, setzt das Werk erst bei c¹ ein. Die Teilung der Bass- und Diskantregister liegt bei c¹/cis¹.

I. POSITIF | CD–f³

Bourdon 8’

Prestant 4’

Fluyt 4’

Nazard 3’

Doublette 2’

Tierce 1 3/5’

Mixtuur III

Cornet III 2 2/3’ [D]

Cromhorn basse 8’

Hautbois discante 8’

II. GRAND ORGUE | CD–f³

Gr. Bourdon 16’

Montre 8’

Bourdon 8’

Prestant 4’

Fluyt 4’

Violine di Gamme 4’

Nazard 3’

Doublette 2’

Tierce 1 3/5’

Sesquialter II

Fourniture IV

Cymballe II

Cornet V 8’ [D]

Trompette 8’ [B/D]

Vox Humana 8’

Clairon 4’

Tremulant [alle Werke]

III. ECHO | c¹–f³

Bourdon 8’

Cornet III 2 2/3’

Prestant 4’

Cromhorn 8’

PÉDALE | C–d¹

Montre 16’

Flûte 8’

Bombarde 16’

Trompette 8’

Clairon 4’

Ped. + G. O.


Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Erik van der Heijden, Orgellandschaft zwischen Maas und Rhein, Mettlach 2005, S. 95-98 ⋄ Eigener Befund.

Nr. 239 | Diese Orgel habe ich am 02.08.2005 im Rahmen der GdO-Orgeltagung in Maastricht besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 15.12.2025.