Ludwigsburg

Residenzschloss Ludwigsburg – Schlosskirche

Orgel: Georg Friedrich Schmahl (Ulm), 1747.

Umbau: E. F. Walcker & Cie. (Ludwigsburg), 1916.


© Gabriel Isenberg, 23.04.2014
© Gabriel Isenberg, 23.04.2014

Ab 1704 ließ Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg in der Nähe von Stuttgart eine neue Residenzstadt mit Schlossanlage errichten: das nach dem Vorbild von Versailles gestaltete Ludwigsburg. Zum Ludwigsburger Residenzschloss gehören bis heute zwei Kapellen: die Schloss- bzw. Hofkapelle sowie die Ordenskapelle, die beide auch für die Hofmusik von Bedeutung waren. Zwischen 1704 und 1733 wurden die Hauptbauphasen des Schlosses nach Entwürfen von Philipp Joseph Jenisch realisiert; die zweigeschossige Schlosskapelle (heute bekannt unter dem Namen „Schlosskirche“) wurde von dem italienischen Architekten Donato Giuseppe Frisoni geschaffen. 

1724 baute Hoforgelmacher Joseph Friedrich Baumeister die erste Orgel für die Schlosskapelle, ein Werk mit 12 Registern nach einem klanglichen Entwurf von Orgelbaumeister Nicolaus Franciscus Lamprecht aus Vaihingen an der Enz und im Gehäuse des Hofbildhausers Sebastian Zimmermann. Die Baukosten beliefen sich auf 800 Gulden; und somit überstieg die 1730 ausgeführte Vergoldung des Gehäuses mit 1500 Gulden deutlich die Kosten des eigentlichen Orgelwerks.
Bereits wenige Jahre nach der Fertigstellung zeigten sich gravierende technische und klangliche Mängel. Bei einer Visitation im Mai 1730 durch den Orgelbauer Johann Friedrich Schmahl und den Stuttgarter Hoforganisten Seidle wurde der Zustand des Instruments äußerst kritisch beurteilt; Schmahl kalkulierte für eine grundlegende Instandsetzung 450 Gulden, für eine bloße Reparatur 75 Gulden. Eine erneute Untersuchung im Jahr 1733 ergab, dass das Werk „von Mäusen zerfressen“ und faktisch „zu keiner Funktion“ mehr brauchbar war. Schmahl legte daraufhin ein Angebot für einen Neubau im Umfang von etwa 765 Gulden vor und erklärte sich bereit, mit seinem gesamten Vermögen für die Qualität des Werks zu haften; zur Ausführung kam es jedoch nicht. Das lag unter anderem daran, dass nach dem Konfessionswechsel Herzog Alexanders im Jahr 1733 die Schlosskapelle für den katholischen Ritus adaptiert wurde. Die Ordenskapelle im Westflügel des Schlosses übernahm ab 1749 die Funktion der evangelischen Hofkapelle.

Im Zuge einer Neuordnung der Hofkapellen wurde schließlich 1798 die 1747 von Georg Friedrich Schmahl erbaute Orgel aus der » Ordens­kapelle zusammen mit Kanzel, Altar und Gestühl in die Schlosskapelle übertragen, die damit erneut als evangelische Hofkapelle eingerichtet wurde. Die Baumeister-Orgel von 1724 mit dem Gehäuse Zimmermanns wurde hingegen zunächst in die katholische Kirche St. Eberhard in Stuttgart verbracht und 1808 in das Kloster Schöntal überführt. Das barocke Gehäuse ist dort bis heute erhalten und stellt ein wichtiges Zeugnis südwestdeutscher Orgelbaukunst des frühen 18. Jahrhunderts dar.

Die Versetzung der Schmahl-Orgel aus der Ordenskapelle in die Schlosskapelle hatte 1798 der Hoforgelmacher Johann Jakob Pfeiffer vorgenommen. Am neuen Standort ersetzte Eberhard Friedrich Walcker 1844 das Register Vox humana durch eine Trompete und griff dabei erstmals klanglich substanziell in das Werk ein. Eine tiefgreifende Umgestaltung erfolgte 1916 durch die Firma E. F. Walcker & Cie.: Die ursprünglich mechanische Spieltraktur wurde durch eine pneumatische ersetzt, das zweifache Scharff durch ein Dolce 8' ausgetauscht. Zudem wurden der Manualumfang bis f³ und der Pedalumfang bis d¹ erweitert.

Die zuletzt in schlechtem Zustand befindliche Orgel wird zurzeit [2025] restauriert; ausführende Unternehmen sind das Planungsbüro für den Orgelbau Hans-Jürgen Reuschel und die Orgelbauwerkstatt Andreas J. Schiegnitz (Obrigheim-Albsheim).

I. HAUPTWERK | C–c³

Principal 8'

Gedeckt 8'

Gemshorn 8'

Viola di Gamba 8'

Oktave 4'

Flöte 4'

Nasard 2 2/3'

Superoktave 2'

Mixtur 4f. 1'

Trompete 8'

Koppel II-I

Subkoppel II-I

II. OBERWERK | C–c³

Prinzipal 4'

Gedeckt 8'

Spitzflöte 4'

Superoktave 2'

Dolce 8'

PEDAL | C–d¹

Subbass 16'

Oktavbass 8'

Violoncello 8'

Koppel II-P

Koppel I-P


Schleiflade, pneumatische Spieltraktur, mechanische Registertraktur.


Quellen und Literatur: Helmut Völkl, Orgeln in Württemberg, Neuhausen-Stuttgart 1986, S. 106 ⋄ Eigener Befund.

 

Nr. 487 | Diese Orgel habe ich am 23.04.2014 im Rahmen meiner VOD-Ausbildung besucht.

© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 14.12.2025.