Praha-Karlín (Prag-Karolinenthal)

Kath. Pfarrkirche Sv. Cyril a Metoděj

Orgel: Emanuel Štěpán Petr (Praha), 1899, mit Pfeifenwerk und Gehäuse der Orgel von Josef Prediger (Albrechtice), 1864.


Bildersammlung Gabriel Isenberg
Bildersammlung Gabriel Isenberg

Die neoromanische Kirche St. Cyrill und Method im Prager Vorstadtviertel Karlín entstand in den Jahren 1854 bis 1863 nach Entwürfen des Wiener Architekten Karl Rössner und wurde vom Prager Baumeister Ignaz Ullmann ausgeführt. Drei Portalreliefs des Bildhauers Václav Levý veranschaulichen die Legende der Slawenapostel Kyrill und Method. Im Kircheninneren verdienen insbesondere die Wandmalereien an den Stirnwänden der Seitenschiffe von Peter Maixner sowie zwei Seitenaltarbilder von Josef Mánes und Antonín Lhota besondere Beachtung.

Unmittelbar nach der Fertigstellung der Kirche errichtete 1864 der südböhmische Orgelbauer Josef Prediger (Albrechtice) eine Orgel mit 34 Registern auf zwei Manualen und Pedal. 1895 wurde diese durch Jindřich Schiffner repariert.

Wenig später lieferte die Orgelbauanstalt Emanuel Štěpán Petr aus Prag-Žižkov eine neue Orgel, in die ein Großteil des Pfeifenwerks sowie das Gehäuse der Prediger-Orgel interiert wurde. Das 1899 fertiggestellte Opus 122 der Firma Petr war mit 61 Registern sowohl deren größtes Werk als auch die seinerzeit größte Orgel in den böhmischen Ländern.

Seitdem wurden an der Orgel nie größere Arbeiten und Veränderungen vorgenommen, so dass die Prediger-Petr-Orgel bis heute nahezu unverändert erhalten ist.

Der freistehende Spieltisch steht vor der Orgel mit Blick des Organisten ins Kirchenschiff; er ist über mechanische Trakturen mit Barker-Maschine mit den Kegelladen des Orgelwerks verbunden. Die hölzernen Registerzüge mit den darüber angebrachten Kombinationsstiften sind in jeweils vier Reihen links und rechts der Manualklaviaturen angeordnet. Die Zuordnung zu den einzelnen Werken erfolgt über farblich differenzierte Registerschildchen (Pedal blau, I. Manual weiß, II. Manual gelb, III. Manual rot). Sämtliche Spielhilfen einschließlich der Koppeln sind als Fußtritte ausgeführt. Über dem dritten Manual befinden sich mechanische Kontrollanzeigen in Form kleiner Kunststoffstifte, die bei den jeweils aktivierten Spielhilfen hervortreten. Zudem sind links und rechts oberhalb des III. Manuals Anzeigen für Crescendo- und Schwellerstand angebracht.
Die Orgel zeichnet sich durch einen ausgewogenen und vielseitigen Klang aus und fügt sich in ihrem original erhaltenen Äußeren wie auch in ihrer klanglichen Konzeption in idealer Weise in das historistische Kirchengebäude ein.

I. MANUAL | C–f³

Principal 16’

Bordun 16’

Principal 8’

Kryt hrubý 8’

Fléta harmonická 8’

Salicional 8’

Viola alta 8’

Roh lesní 8’

Kvinta 5 1/3’

Oktáva 4’

Fléta harmonická 4’

Roh kamzíkový 4’

Oktáva 2’

Granddoublet 2x 5 1/3’

Kornet 4x 4’

Mixtura 6x 2 2/3’

Cymbel 3x 2’

Trompeta 8’

Roh anglický 8’ [vakant]

Spojka [Koppel] II–I

II. MANUAL | C–f³

Bordun 16’

Principal 8’

Portunal 8’

Kryt jemný 8’

Kvintadena 8’

Fléta koncertní 8’

Harmonika 8’

Viola di Gamba 8’

Dolce 8’

Oktáva 4’

Fléta koncertní 4’

Houslovka 4’

Pikola 2’

Tercie 1 1/3’

Progressi 4x 2 2/3’

Klarinet 8’

Spojka [Koppel] III–II

III. MANUAL (SW) | C–f³

Kryt líbezný 16’

Principal houslový 8’

Fléta rourková 8’

Aeolina 8’

Vox coelestis 8’

Fléta rourková 4’

Fugara 4’

Doublet 2x 2 2/3’

Oboe 8’

Vox humana 8’

Šalmai 8’

Physharmonika 8’ [vakant]

Dulcian 8’ [vakant]

PEDAL | C–d¹ 

Kontrabass 32’ (Komb.) 

Principalbas 16’ 

Subbas 16’

Violonbas 16’

Salicetbas 16’

Kvintbas 10 2/3’

Oktavbas 8’

Bordun 8’

Violoncello 8’

Salicet 8’

Kvinta 5 1/3’

Doublet 2x 5 1/3’

Bombardon 32’

Pozoun 16’

Fagot 16’

Klarino 8’

Spojka [Koppel] II–P

Spojka [Koppel] I–P


Freie Kombination (Volna komb.), feste Kombinationen (Pleno I.man., Pleno II.man., Pleno III.man., Tutti, Forte, Mezzoforte, Piano), Crescendo rejstříkové [= Crescendowalze mit Uhr]; Jazykové rejstříky [= Zungenabsteller]; Vzduchoměr [= Winddruckanzeiger als Uhr].

Mechanische Kegellade, Barker-Hebel.

 

Übersetzungen der tschechischen Registerbezeichnungen:

Fléta harmonická = Harmonieflöte (Flûte harmonique)

Fléta koncertní = Konzertflöte
Fléta rourková = Rohrflöte
Houslovka = Violine

Kryt hrubý = Grobgedackt
Kryt jemný = Zartgedackt
Kryt líbezný = Lieblich Gedackt
Princ. houslový = Geigenprincipal

Roh anglický = Englischhorn
Roh kamzíkový = Gemshorn
Roh lesní = Waldhorn


Quellen und Literatur: Programmheft der 57. Internationalen Orgeltagung der GdO 2009 ⋄ weitere Recherchen ⋄ Eigener Befund.

 

Nr. 329 | Diese Orgel habe ich am 03.08.2009 im Rahmen der 57. Internationalen Orgeltagung der Gesellschaft der Orgelfreunde in Prag besucht.

© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 22.01.2026