Orgel: Ferdinand Salomon (Wien-Leobendorf), 2004.

Im unteren Kärntner Lesachtal, unweit des bekannten Wallfahrtsortes Maria Luggau, liegt der Ort Liesing. Die barockisierte Pfarrkirche St. Nikolaus, ein mittelgroßer Bau des 15. Jahrhunderts,
wurde zwischen 1962 und 1965 regotisierend restauriert; ihre Einrichtung stammt überwiegend aus dem Spätbarock.
Bereits im 19. Jahrhundert verfügte die Kirche über eine Orgel, die 1836 als „prächtige Orgel“ erwähnt wird. 1903 erhielt St. Nikolaus für 3217 Kronen ein neues Instrument des Salzburger
Orgelbauers Albert Mauracher: eine pneumatische Orgel mit zehn Registern auf einem Manual und Pedal. Um weiteren Platz für Chor und Gemeinde zu schaffen, wurde sie 1920 abgebaut, in der Höhe
reduziert und 1922 von der Salzburger Werkstatt Cäcilia Orgelbau auf der damals neu errichteten oberen Empore wiederaufgestellt.
Die beengte und akustisch ungünstige Position auf der oberen Empore erwies sich auf Dauer als unbefriedigend. Dennoch blieb sie mehr als acht Jahrzehnte bestehen, bis schließlich die Diskussion
um eine Rückverlegung auf die untere Empore zum Erfolg führte. Im Zuge der Innenrestaurierung der Kirche wurde eine neue Orgel angeschafft; die alte Mauracher-Orgel gelangte an die
Benediktinerabtei auf der Insel Mljet in Kroatien und wurde dort wieder aufgebaut.
Die neue Liesinger Orgel stammt von der Orgelbauwerkstatt Ferdinand Salomon (Wien–Leobendorf) und verfügt über mechanische Spiel- und Registertrakturen. In Anwesenheit von Kurienbischof Dr. Josef
Clemens, Sekretär des Päpstlichen Rates für die Laien in Rom, wurde sie am 10. Juli 2004 feierlich eingeweiht. Die Kosten des rund 150.000 Euro teuren Instruments trug die Pfarrgemeinde
selbst.
Das Gehäuse ist in grün-roten Farbtönen gehalten. Neben dem Frontalprospekt besitzt die Orgel auch Pfeifenfelder, die zu den beiden Seiten zeigen; sämtliche Pfeifen stehen auf einer gemeinsamen
Lade. Der kupferne Principalbass 8’ des Pedals stammt aus einer Konkursmasse. Die Spielanlage ist in die Gehäusefront integriert; die Registerzüge sind links und rechts neben Manual und Notenpult
angeordnet. Die Manualschiebekoppel wird über zwei metallene Hebel an den Klaviaturbacken bedient. Mit ihrem soliden Aufbau und ihrem barock inspirierten Klangbild bereichert die Orgel die
Orgellandschaft des Lesachtals um eine neue Nuance.
I. SOLOWERK | C–f³
Copl maior 8'
Copl minor 4'
Cornettino 3' [ab c¹]
II. HAUPTWERK | C–f³
Principal 8'
Portun 8'
Octav 4'
Flöte 4'
Quint 3'
Superoctav 2'
Quint 1 1/2'
Mixtur 3f. 1'
Koppel I–II [Schiebekoppel]
PEDAL | C–d¹
Subbaß 16'
Principalbaß 8'
Octavbaß 4'
Pedalkoppel [II–P]
Mechanische Schleiflade.
Quellen und Literatur: Das Lesachtal in Kärnten, in: Carinthia. Zeitschrift für Vaterlandskunde... 26. Jg., Nr. 1, 02.01.1836, S. 5 ⋄ Gabriel Isenberg und Peter Mascher, Die
neue Salomon-Orgel in der katholischen Pfarrkirche Liesing im Lesachtal, in: Ars Organi 52 Jg. 4/2004, S. 238-239 ⋄ Eigener Befund.
Nr. 222 | Diese Orgel habe ich am 25.08.2004 im Rahmen meiner Kärnten-Orgeltour besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 12.12.2025.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
