Linz

Mariendom („Neuer Dom“)

Chororgel im Presbyterium

Orgel: Martin Pflüger (Feldkirch), 1989.


© Gabriel Isenberg, 28.05.2026
© Gabriel Isenberg, 28.05.2026

Der „Neue Dom“ in Linz wurde 1862 unter Bischof Franz Joseph Rudigier (1811–1884) begonnen und nach jahrzehntelanger Bauzeit erst 1924 vollendet. Als größte Kirche Österreichs – er bietet rund 20.000 Menschen Platz – prägt der neugotische Bau das Stadtbild der oberösterreichischen Landeshauptstadt.

Von herausragender orgelgeschichtlicher Bedeutung ist die große » Marcussen-Orgel an der Turmseite des Kirchenraums. Mit der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil verlagerte sich das musikalische Geschehen allerdings stärker in den Altarraum. Da zudem die alte, im Laufe der Zeit immer wieder erweiterte Chororgel (Lachmayr/Mauracher) technisch immer problematischer wurde, entschloss man sich zum Bau eines weiteren Instruments. 1989 errichtete die Vorarlberger Firma Martin Pflüger eine neue Chororgel im Presbyterium; ihre Einweihung fand am 26. Oktober 1989 statt.

Das zweimanualige Instrument mit 26 Registern wurde klanglich und gestalterisch bewusst auf die Marcussen-Orgel abgestimmt, sodass beide Orgeln sowohl solistisch als auch gemeinsam eingesetzt werden können. Die neue Chororgel übernahm fortan einen wesentlichen Teil der liturgischen Aufgaben im unmittelbaren Bereich des Chores und des Altares.
2018 erfolgte eine Reinigung und Generalüberholung durch die Orgelbaufirma Kuhn aus Männedorf. Dabei wurde das Instrument um ein Joch nach vorne versetzt; an der Rückseite wurde ein Stimmbalkon angebracht.

Die Trakturen sind vollmechanisch. Die Registerzüge sind zu beiden Seiten des Notenpults angebracht: links für Pedal und Hauptwerk, rechts für Brustwerk. Die Quinte 2 2/3' im Brustwerk ist ein Vorabzug aus Sesquialtera, der Pedal-Prinzipal 16' ist eine Transmission aus dem Hauptwerk.

I. HAUPTWERK | C–g³

Principal 16'
Principal 8'
Hohlflöte 8'
Viola 8'
Octav 4'
Spitzflöte 4'
Quint 2 2/3'
Octav 2'
Mixtur [4f.] 2'
Cymbel [3f.] 1'
Trompete 8'

Koppel II–I

II. BRUSTWERK (SW) | C–g³

Principal 8'
Gedackt 8'
Octav 4'
Flöte 4'

[Vorabzug: Quinte 2 2/3']
Sesquialter 2 2/3' 1 3/5'
Octav 2'
Larigot 1 1/3'
Mixtur [4f.] 1 1/3'
Dulzian 8'
Tremulant

PEDAL | C–f¹

Principalbaß 16' [Tr HW]
Subbaß 16'
Octavbasß 8'
Flöte 8'
Octav 4'
Posaune 16'
Trompete 8'

Koppel II–P

Koppel I–P


Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Orgelbau Pflüger ⋄ Dommusikverein Linz ⋄ Eigener Befund.

Nr. 720 | Diese Orgel habe ich am 28.05.2026 im Rahmen der VOD-Tagung in Linz besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 03.06.2026.