Mettingen

Kath. Pfarrkirche St. Agatha

Orgel: Orgelbau Fleiter (Münster), 2010, unter Verwendung eines Großteils des Pfeifenmaterials der Vorgängerorgel (Breil 1972/73).


© Gabriel Isenberg, 25.06.2021
© Gabriel Isenberg, 25.06.2021

Nachdem die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kirche im Zuge der Reformation 1674 den Reformierten zugeschlagen worden war, waren erst ab 1717 wieder katholische Gottesdienste in Mettingen gestattet. Ihre erste richtige Kirche bauten die Katholiken 1777–79. Diese wurde Ende des 19. Jahrhunderts durch eine größere Pfarrkirche im neugotischen Stil nach Plänen des Münsteraner Architekten Wilhelm Rincklake abgelöst; die Einweihung fand nach fünfjähriger Bauzeit am 17. September 1895 statt.

In der 1779 fertiggestellten Kirche hatte der Osnabrücker Orgelbauer Eberhard Berner 1783 eine Orgel aufgerichtet, die späteren Aufzeichnungen zufolge 13 Register umfasste. 1820 fügte Joachim Wenthin (Tecklenburg) ein selbständiges Pedal mit drei Registern hinzu. Ein weiterer Umbau erfolgte 1865 durch Georg Weinrich aus Münster; dieser versetzte die Orgel auf der Empore um einige Meter nach hinten und verlegte die Bälge auf das Gewölbe.

Nur wenige Jahre vor ihrem Abbruch erhielt die alte Kirche 1885 eine neue Orgel, die von der Orgelbauwerkstatt Friedrich Fleiter (Münster) mit 22 Registern auf zwei Manualen und Pedal erbaut wurde. Die Orgel wurde zehn Jahre später in die neue Kirche übertragen, konnte aber offenbar den größeren Raum nicht angemessen klanglich füllen. So kam es 1923 zu einem Neubau durch die Firma Fleiter; für die 36 Register umfassende Disposition wurde allerdings ein Großteil des Pfeifenwerks der alten Orgel wiederverwendet. Das röhrenpneumatische System erlaubte zudem die Einrichtung zahlreicher Spielhilfen. Doch schon bald zeigte sich, dass die Aufstellung an den feuchten und kalten Kirchen-Außenwänden zu massiven technischen Problemen führte, so dass die Firma Fleiter bereits 1929 einen durchgreifenden Umbau vornehmen musste, bei dem Teile der Orgel auf die wie ein Schwalbennest vor dem Turmraum auskragende Emporenerweiterung gesetzt wurden. Diese Maßnahme wirkte sich jedoch ungünstig auf die technische Gesamtkonstruktion und auch die klangliche Gestaltung aus, so dass in den kommenden Jahrzehnten vielfach Reparaturen und Anpassungen nötig waren. Nachdem die Orgel 1968 endgültig ihren Dienst versagt hatte, kam es 1972/73 zum Bau einer gänzlich neuen Orgel, die ihren Standort nun ebenerdig in der linken Seitenaltarkapelle fand. Das von der Orgelbaufirma Franz Breil (Dorsten) erbaute Instrument wurde am 3. Adventssonntag (17. Dezember) 1972 eingeweiht; das zunächst noch fehlende Rückpositiv konnte im Spätsommer 1973 fertiggestellt werden. Die Breil-Orgel hatte nun 35 Register auf drei Manualen und Pedal und war nach dem Schleifladensystem mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur gebaut. 1988 erfolgte eine Reinigung durch die Erbauerfirma.

Im Rahmen der umfassenden Kirchenrenovierungsarbeiten in den Jahren 2006 bis 2009 wurde auch die Orgelfrage neu diskutiert, und man entschied sich für einen Orgelneubau am alten Standort im Westwerk in und vor dem Turmraum. Am 28. November 2010 konnte die von der Münsteraner Orgelbaufirma Friedrich Fleiter erbaute Orgel eingeweiht werden. Das Instrument beruht zum großen Teil auf wiederverwendetem Pfeifenmaterial aus der Breil-Orgel von 1972/73. Der Standort der Fleiter-Orgel im Westwerk bewirkt eine gute klangliche Präsenz im Raum; die schon bei der alten Fleiter-Orgel aufgetretenen klimatischen Probleme sind allerdings auch bei dem neuen Instrument nicht ohne Auswirkungen.

Die großen Pedalpfeifen zu beiden Seiten der Empore sind an einem Stahlgerüst aufgehängt und von der Lade abgeführt (hinter ihnen befindet sich kein weiteres Pfeifenwerk); das zweigeteilte Hauptwerk im Turmbogen ist durch die Chamaden in der Mitte verbunden, das Gehäuse ist nicht geschlossen. Im Turmraum stehen in schlichten Holz-Gehäusen das Schwellewerk (seitlich) und das Pedalwerk (hinten). Der freistehende Spieltisch befindet sich mittig vor der Orgel.

Die intonatorische Einbindung der Breil-Register in das neue Konzept ist ausgesprochen gut gelungen; die Orgel ist sehr kräftig intoniert.

I. HAUPTWERK | C–g³

Prinzipal 16'

Praestant 8'

Flute harmonique 8'

Gedackt 8'

Gambe 8'

Octave 4'

Blockflöte 4'

Quinte 2 2/3'

Octave 2'

Mixtur 4-5f. 1 1/3'

Cornett 8'

Trompete 16'

Trompete 8'

Koppel III–I

Koppel II–I

II. SCHWELLWERK | C–g³

Bordun 16'

Geigenprinzipal 8'

Viola 8'

Vox coelestis 8'

Rohrflöte 8'

Praestant 4'

Flute octaviante 4'

Nasard 2 2/3'

Octavin 2'

Terz 1 3/5'

Forniture [sic] 3-4f. 2'

Trompette harmonique 8'

Basson Hautbois 8'

Voix humaine 8'

Tremulant

Koppel III–II

III. CHAMADEWERK | C–g³

Trompeta magna 16' *

Trompeta real 8' *

Trompeta clarin 4' *

Flute harmonique 8' [Tr I]

Cornett 8' [Tr I]

 

* = Oktavauszüge

PEDAL | C–f¹

Offenbass 32'

Prinzipal 16'

Subbass 16'

Octavbass 8'

Gedacktbass 8'

Choralbass 4'

Mixtur 3f. 2'

Posaune 16'

Trompete 8'

Trompete 4'

Koppel II–P super

Koppel III–I

Koppel II–P

Koppel I–P


Elektronische Setzeranlage mit 3 Schlüsseln, Sequenzer; Crescendowalze.

Schleiflade mit mechanischer Spieltraktur und elektrischer Registertraktur, teilweise Einzeltonladen mit elektrischer Ansteuerung (Pedal, Chamadewerk).


Quellen und Literatur: Herbert Brügge, Der Orgelbau im Tecklenburger Land, Kassel 2000, S. 225–231 ⋄ frdl. Mitteilung von Herbert Brügge; Orgelbau Fleiter ⋄ Eigener Befund.

Nr. 598 | Diese Orgel habe ich am 25.06.2021 gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 28.12.2025.