Ludwigsburg

Residenzschloss Ludwigsburg – Ordenskapelle

Orgel: Eberhard Friedrich Walcker (Ludwigsburg), 1820; seit 1980 in der Ordenskapelle.


© Gabriel Isenberg, 23.04.2014
© Gabriel Isenberg, 23.04.2014

Das Residenzschloss Ludwigsburg zählt zu den größten und am besten erhaltenen Barockschlössern Europas und wird aufgrund seiner Größe und Pracht oft auch als „Deutsches Versailles“ bezeichnet. Im westlichen Teil der Anlage liegt der sogenannte Ordensbau, dessen Errichtung ab 1709 nach Entwürfen von Johann Friedrich Nette unter der Leitung von Donato Giuseppe Frisoni für Herzog Eberhard Ludwig begann. Der repräsentative Saal im ersten Obergeschoss sowie die angeschlossene Ordenskapelle dienten vor allem festlichen Anlässen des von Eberhard Ludwig gestifteten Jagdordens. Knapp ein Jahrhundert später ließ König Friedrich I. den Ordenssaal zum Thronsaal umbauen; die Ordenskapelle selbst erfuhr mehrfache Veränderungen, wurde ab 1746/48 als evangelische Hofkapelle genutzt und schließlich 1806 in klassizistischer Form zur Kapelle des königlichen Goldenen Adlerordens umgestaltet.

Wechselvoll ist auch die Geschichte der Orgeln in der Ordenskapelle. 1747 erhielt die Kapelle eine 18 Register große Orgel des Ulmer Orgelbauers Georg Friedrich Schmahl, einem der bedeutendsten süddeutschen Orgelbauern seiner Zeit. Diese kam 1798 in die gegenüberliegende Schlosskirche, die nun wieder für den evangelischen Gottesdienst eingerichtet wurde; die Versetzung übernahm der Hoforgelmacher Johann Jakob Pfeiffer. An ihre Stelle in der Ordenskapelle trat später die Orgel der ehemaligen Hauskapelle Herzog Carl Eugens in Hohenheim; diese blieb aber nur wenige Jahre dort, bis sie 1814 an die Kirche zu Freudental verschenkt wurde. Danach war die Ordenskapelle 166 Jahre lange ohne Orgel.

Erst seit 1980 steht wieder eine Orgel auf der Empore der Ordenskapelle, und zwar das Opus 1 des Ludwigsburger Orgelbauers Eberhard Friedrich Walcker, das die Firma E. F. Walcker & Cie. aus Anlass des 200-jährigen Firmenjubiläums dem Land Baden-Württemberg stiftete. Dieses Instrument hatte der Firmengründer 1820 für die evangelische Kirche in Kochersteinsfeld bei Heilbronn mit acht Registern erbaut. Wie eine Windladeninschrift belegt, war auch der Orgelbaugehilfe Andreas Laukhuff aus Bretzfeld am Bau des Instruments beteiligt, der drei Jahre später ebenfalls eine der bedeutendsten süddeutschen, bis ins 21. Jahrhundert bestehende Orgelbauwerkstätten gründete. Laut Eberhard Friedrich Walckers Taschenkalender wurde die Orgel der Kochersteinsfelder Gemeinde am 19. Februar 1821 übergeben.

Dokumentiert ist der Einbau eines Principal 8' anstelle der Waldflöte 2' im Jahr 1902 durch die Fa. Link (Giengen), um dem Orgelklang – dem spätromantischen Ideal folgend – mehr Grundtönigkeit zu verleihen. Als die Kirche in Kochersteinsfeld 1970 eine neue größere Orgel erhielt, kam die Walcker-Orgel an die Erbauerfirma zurück, wo sie restauriert und weitgehend wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde. In dieser Form wurde sie dann 1980 in der Ordenskirche aufgestellt. Gegenüber der ursprünglich notierten Disposition gibt es heute zwei Abweichungen: Anstelle von Quintaton im Manual war ursprünglich Salicional 8' disponiert, und im Pedal statt Choralbaß 4' ein Violabaß 8'.

Das helle spätklassizistische Orgelgehäuse zeigt im oberen Teil fünf Pfeifenfelder, die mit Pfeifen des Principal 4' besetzt sind. Der Spieltisch steht frei vor dem Orgelgehäuse, der Organist blickt in den Kirchenraum. Die Registerzüge befinden sich zu beiden Seiten der Manualklaviatur.

MANUAL | C–f³

Gros Gedekt 8'

Quintaton 8'

Violdigamb 8'

Principal 4'

Flöte 4'

Waldflöte 2'

Mixtur 4f. 1 1/3'

PEDAL | C–gº

Sub-Baß 16'

Choralbaß 4'

Pedal Kupplung


Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Helmut Völkl, Orgeln in Württemberg, Neuhausen-Stuttgart 1986, S. 188 ⋄ Gerhard Walcker-Mayer, Die Walcker- Orgel in der Ordenskapelle des Ludwigsburger Schloßes, 2005 ⋄ Eigener Befund.

 

Nr. 488 | Diese Orgel habe ich am 23.04.2014 im Rahmen meiner VOD-Ausbildung besucht.

© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 13.12.2025.