Orgel: Antonín Streit (Praha), 1719.

Die St.-Clemens-Kirche (Katedrála sv. Klimenta) wurde in den Jahren 1711–13 als eine der beiden Hauptkirchen des ursprünglich als Jesuitenkolleg gegründeten Prager Clementinums errichtet. Ob ihrer Planung Entwürfe von Kilian Ignaz Dientzenhofer oder von František Maximilian Kaňka zugrunde lagen, lässt sich heute nicht mehr mit letzter Sicherheit feststellen. An das zweijochige, durch mächtige Wandpfeiler gegliederte Langhaus schließt sich im Osten ein gerade geschlossener Chorraum an. Die Architektur ist insgesamt auf einen monumentalen Raumeindruck hin konzipiert, der sich insbesondere in den als mächtige Baldachine ausgebildeten Jochen mit ihren Hängekuppeln manifestiert. Seit 1950 dient die Kirche der griechisch-katholischen Gemeinde und ist seither mit einer Ikonostase ausgestattet.
Nur wenige Jahre nach der Fertigstellung erhielt die Kirche auch eine Orgel. Dieses Instrument wurde 1719 von dem aus Kulmbach stammenden Orgelbauer Antonín Streit errichtet und verfügte ursprünglich über 16 Register auf zwei Manualen und Pedal bei mechanischen Schleifladen. Die Orgel ist im Wesentlichen bis heute erhalten geblieben; 1845 wurde sie von Josef Gartner um einen Halbton höher gestimmt. Eine umfassende Restaurierung erfolgte 1984 durch die Orgelbaugenossenschaft IGRA.
Das Orgelgehäuse ist architektonisch wirkungsvoll in die Emporenkonstruktion integriert und zeigt im Prospekt den Principal des Hauptwerks. Die Pedalpfeifen stehen frei hinter dem Hauptgehäuse. Das Positiv ist – sozusagen als Continuotruhe – ohne eigenen Prospekt in den kunstvoll gestalteten Spieltisch integriert, der freistehend unmittelbar vor der Orgel positioniert ist; der Organist sitzt mit Blickrichtung ins Kirchenschiff. Die Registerzüge sind an beiden Seiten in das Spieltischgehäuse eingelassen. Die Manualkoppel ist als Schiebelkoppel ausgeführt; Pedalkoppeln fehlen, wie im böhmischen barocken Orgelbau üblich. Die Pedalregister repetieren ab cº in die große Oktave.
Die Emporen der St.-Clemens-Kirche sind für ihre hervorragende Akustik bekannt, wodurch auch die Orgel im Kirchenraum besonders ausgewogen und präsent zur Geltung kommt. In den Sommermonaten finden in der Kirche regelmäßig zahlreiche Konzerte statt.
II. HAUPTWERK | C/E–c³
Principal 8’
Salicional 8’
Octava 4’
Fugara 4’
Quinta 3’
Octava 2’
Quinta 1 1/2’
Octava 1’
Mixtura 2’
[Manualschiebekoppel]
I. POSITIV | C/E–c³
Copula 8’
Copula 4’
Nassat Quint 3’
Octava 2’
PEDAL | C/E–cº–aº
Subbas 16’
Octavbas 8’
Superoctavbas 4’
Mechanische Schleiflade.
Quellen und Literatur: Programmheft der 57. Internationalen Orgeltagung der GdO 2009 ⋄ Eigener Befund.
Nr. 332 | Diese Orgel habe ich am 05.08.2009 im Rahmen der 57. Internationalen Orgeltagung der Gesellschaft der Orgelfreunde in Prag besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 23.01.2026.
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© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
