Orgel: Rieger Orgelbau (Schwarzach), 1997.
Gehäuse: Johann Lachmayr (Urfahr), 1901.

Seit 1411 ist die zum Prämonstratenserstift Schlägl gehörige Pfarre in Aigen im Mühlkreis urkundlich belegt. Der spätgotische Vorgängerbau, zwischen 1484 und 1529 errichtet, hatte durch Brände 1802 und 1852 schwere Schäden erlitten. Und so entstand in den Jahren 1897 bis 1901 nach Plänen des Linzer Architekten Raimund Jeblinger ein Neubau, in den der 1856 wiederhergestellte gotische Westturm integriert wurde. Der stattliche Bau aus Granit und Sichtziegeln mit seinen neugotischen und vereinzelt neuromanischen Formen ist einer der bemerkenswertesten späthistoristischen Sakralbauten Oberösterreichs. Die Ausstattung wurde bis 1912 einheitlich neugotisch vollendet; 1991 erfolgte eine Gesamtrestaurierung.
Die in der spätgotischen Vorgängerkirche 1636/37 von Andreas Putz für 374 Gulden erbaute (vermutlich erste) Orgel in Aigen fiel 1802 dem Kirchenbrand zum Opfer. 1805 verpflichtete sich der aus
Pilsen stammende Orgelbauer Franz Noli die Orgel aus der Schlägler Filialkirche Maria Anger in die Pfarrkirche Aigen übertragen.
In der nach der Jahrhundertwende neu erbauten neugotischen Kirche konnte unmittelbar nach der Kirchweihe im August 1901 auch eine neue Orgel in Gebrauch genommen werden: Johann Lachmayr aus
Urfahr bei Linz hatte das Werk mit pneumatischer Spiel- und Registertraktur und 20 klingenden Registern auf zwei Manualen ausgeführt – zahlreiche Koppeln und fünf Collectivknöpfe (d. h. feste
Kombinationen) erweiterten die klanglichen Möglichkeiten des Instruments. Das imposante neugotische Gehäuse mit Dreiecksgiebeln, Fialen und Kreuzblumen fügt sich harmonisch in die
Kirchenausstattung ein.
Mit zunehmendem Alter zeigte das pneumatische Werk jedoch deutliche Mängel, so dass ein Orgelneubau in den Blick genommen wurde. Als Orgelsachverständiger für den Neubau wirkte Rupert Gottfried
Frieberger, Stiftskapellmeister der Prämonstratenserabtei Schlägl und ein weit über Österreich hinaus anerkannter Orgelfachmann. Er legte zwei Leitlinien fest: Das historische Lachmayr-Gehäuse
müsse als Bestandteil der einheitlichen Kircheneinrichtung erhalten bleiben, und das neue Instrument solle klanglich als romantisch-sinfonische Orgel ausgerichtet sein, die insbesondere die
deutsche Musik des 19. und frühen 20. Jahrhunderts zur Geltung bringt. Der Auftrag wurde im Februar 1994 an die Firma Rieger Orgelbau in Schwarzach (Vorarlberg) vergeben. Das am 9. März 1997
eingeweihte Werk mit mechanischer Spieltraktur, elektrischer Registertraktur, Schwellwerk und elektronischen Setzerkombinationen umfasst 33 Register auf zwei Manualen und Pedal. Gerhard Pohl
intonierte das Instrument und gab ihm damit seinen charakteristischen romantisch-sinfonischen Klangcharakter. Der moderne Spieltisch ist direkt an das Orgelgehäuse angebaut.
2019 fand eine Reinigung und Generalüberholung statt.
I. HAUPTWERK | C–g³
Bourdon 16'
Principal 8'
Bourdon 8'
Flûte harm. 8'
Gamba 8'
Octav 4'
Flöte 4'
Quinte 2 2/3'
Superoctav 2'
Mixtur [4–5f.] 1 1/3'
Cornet [5f.] 8'
Trompete 8'
Koppel II–I
II. SCHWELLWERK | C–g³
Hohlflöte 8'
Salicional 8'
Vox coelestis 8'
Principal 4'
Flûte trav. 4'
Nazard 2 2/3'
Octaviante 2'
Tierce 1 3/5'
Plein Jeu [5f.] 2'
Basson 16'
Trompette 8'
Hautbois 8'
Clairon 4'
Tremulant
PEDAL | C–f¹
Principalbaß 16'
Subbaß 16'
Octavbaß 8'
Violonbaß 8'
Gedeckt 8'
Octav 4'
Bombarde 16'
Trompete 8'
Koppel II–P
Koppel I–P
Elektronische Setzeranlage mit Sequenzern, abschließbar.
Schleiflade mit mechanischer Spiel- und elektrischer Registertraktur.
Quellen und Literatur: Rupert Gottfried Frieberger, Der Orgelbau in Oberösterreich Im 17. Und 18. Jahrhundert, Innsbruck 1984, S. 54f ⋄ Neue Musikalische Presse, 10. Jg., Nr. 34/35 (01.09.1901), S. 438 [dort die Disposition der Lachmayer-Orgel] ⋄ Rieger Orgelbau ⋄ Eigener Befund.
Nr. 718 | Diese Orgel habe ich am 28.05.2026 im Rahmen der VOD-Arbeitstagung in Linz besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 05.06.2026.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
