Schlägl

Stiftskirche St. Mariä Himmelfahrt

Chororgel im Chorgestühl des Hochchores

Orgel: Orgelbau Kögler (St. Florian), 2008, im Gehäuse der Orgel von Wilhelm Zika (OÖ. Orgelbauanstalt St. Florian), 1954.


© Gabriel Isenberg, 28.05.2026
© Gabriel Isenberg, 28.05.2026

Chororgeln zur Begleitung der Liturgie des Stundengebetes sind in der Stiftskirche Schlägl seit dem Jahr 1630 urkundlich nachweisbar. Bereits das unmittelbare Vorgängerinstrument der Putz-Orgel von 1634 spielte als Lettnerorgel in den Chorraum. 1640 wurde beim „Straubinger Orgelmacher“ – wohl Christoph Egedacher d. Ä. – ein Instrument angeschafft, das vermutlich auf dem Cantorium aufgestellt wurde; 1748 gelangte es von dort wieder weg. Das Ende des 19. Jahrhunderts brachte eine Erneuerung der Stundengebetsliturgie mit sich, in deren Zuge im Chorgestühl ein Harmonium seinen Platz fand, das bis 1952 seinen Dienst zur Begleitung der Gregorianik versah. Dann aber entschloss sich Abt Cajetan Lang, überzeugter Anhänger des gesungenen Chorgebetes, zur Errichtung einer eigentlichen Chororgel. Den Auftrag erhielt Wilhelm Zika bzw. die kurz zuvor gegründete „Oberösterreichische Orgelbauanstalt St. Florian“, eine Aktiengesellschaft, an der acht österreichische Stifte beteiligt waren und deren künstlerischer Leiter Zika war.

Das 1952–54 erbaute Instrument mit 12 Registern auf einem Manual und Pedal in rein mechanischer Bauweise war eine Pionierleistung des österreichischen Orgelbaus nach dem Zweiten Weltkrieg, initiiert vom Organologen Egon Krauss gemeinsam mit dem Magister choralis Wolfgang Siegl O.Praem. und dem damaligen Mitbruder Bruno Grünberger O.Praem. Das Gehäuse erhielt eine barockisierende Fassung durch die Werkstätte Watzinger in Salzburg, mit Schnitzwerk, Wappen und Engelsfiguren; Flügeltüren, für die der Linzer Maler Fritz Aigner Entwürfe angefertigt und zwei Brustwerkstüren ausgeführt hatte, wurden letztlich nicht verwirklicht und befinden sich heute in der Bildergalerie des Stifts.

Als Bruno Grünberger als Prior auch die Kirchenverwaltung übernahm, drängte man auf eine Erweiterung: 1965 erweiterte der Kremser Orgelbauer Gregor Hradetzky das Werk auf 23 Register mit zwei Manualen, erneut unter Beratung von Egon Krauss. Angesichts des im Laufe der folgenden Jahrzehnte wachsenden Kontrasts zum hervorragenden Zustand der beiden anderen Instrumente in der Stiftskirche (» Hauptorgel und » Cantoriumsorgel) entschloss man sich zu einer grundlegenden Erneuerung: Orgelbaumeister Christian Kögler (St. Florian bei Linz) erhielt den Auftrag, ein neues Spielwerk in das historische Gehäuse von 1954 zu bauen. Die Werkstatt Kögler, deren Tradition auf Wilhelm Zika sen. und letztlich auf den für Oberösterreich bedeutenden Orgelbauer Josef Breinbauer zurückgeht, hatte sich durch intensive Beschäftigung mit historischen Handwerkstechniken einen weit über Österreich hinausgehenden Ruf erworben. Unter orgelsachverständi­ger Begleitung von Rupert Gottfried Frieberger entstand ein Konzept, mechanischer Schleifladenbauweise und optimaler Klangwirkung durch ausgesuchtes Pfeifenmaterial aus Holz, Blei und Zinn beruht. Am 4. Mai 2008 wurde das neue Instrument geweiht. Es steht seither für die Liturgie des Stundengebets wie auch für die Schlägler Orgelkonzerte zur Verfügung und fügt sich würdig in die Reihe der übrigen Instrumente der Stiftskirche ein.

I. HAUPTWERK | C–f³

Principal 8'

Bourdon 8'

Spitzgamba 8'

Octave 4'

Spitzflöte 4'

Superoctave 2'

Mixtur IV

Cornett III

Koppel II–I

II. BRUSTWERK | C–f³

Gedackt 8'

Salicional 8'

Principal 4'

Rohrflöte 4'

Octave 2'

Waldflöte 2'

[Quinte 2 2/3' als Vorabzug]

Sesquialtera II

Mixtur III

PEDAL | C–d¹

Subbass 16'

Octavbass 8'

Octave 4'

Posaune 8'

Koppel II–P

Koppel I–P


Tremulant, Cimbelstern, Vogelgezwitscher.

Mechanische Schleiflade.


Quellen und Literatur: Orgelbau Kögler ⋄ Eigener Befund.

 

Nr. 717 | Diese Orgel habe ich am 28.05.2026 im Rahmen der VOD-Arbeitstagung in Linz besucht.

© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 06.06.2026.