Orgel: Gebr. Reil (Heerde), 1989/93.

Das Cantorium – die Chorette oder kleine Sängerempore über dem Hochchor der Stiftskirche – war in Schlägl schon früh ein Ort für eine eigene Orgel. Urkundlich ist eine Orgel auf diesem Sängerpodium für 1640 belegt, als man eine Instrument beim „Straubinger Orgelmacher" anschaffte; 1748 wurde es wieder entfernt. Danach blieb der Platz lange Zeit ohne eigenständiges Orgelwerk. Erst im Zuge der umfassenden Neubelebung der Kirchenmusik im Stift, die im Wesentlichen auf das Engagement von Rupert Gottfried Frieberger zurückgeht, rückte die Frage eines Neubaus auf dem Cantorium wieder in den Blick. Frieberger, seit 1969 Stiftsorganist und seit 1975/76 Stiftskapellmeister, hatte als Sachverständiger bereits die Restaurierung der » Putz-Orgel durch die Orgelmakerij Reil begleitet und dadurch eine intensive Zusammenarbeit mit den niederländischen Orgelbauern aufgebaut. So lag es nahe, auch den Neubau auf der Chorette an die Gebr. Reil aus Heerde (Niederlande) zu vergeben. Das Instrument war 1989 mit einem Manual fertiggestellt (Weihe am 2. Dezember 1989) und wurde 1993 um das Unterpositiv als zweites Manualwerk erweitert.
Hauptorgel und Cantoriumsorgel sind aufeinander abgestimmt (mitteltönige Stimmung), sodass sie für Konzerte auf zwei Orgeln genutzt werden können – eine Konstellation, die den Schlägler Orgelkonzerten, die sich seit Jahren großer Beliebtheit erfreuen, besondere klangliche Möglichkeiten eröffnet. Die Cantoriumsorgel ist als Instrument mit Bass- und Diskantteilung konzipiert, die wahlweise bei hº/cº oder c¹/cis¹ gewählt werden kann, und verfügt über ein Glockenspiel. Ihrem Charakter nach orientiert sie sich an alpenländischen Vorbildern des 17. und frühen 18. Jahrhunderts und ergänzt damit die historische Hauptorgel von Andreas Putz und Johann Christoph Egedacher auf ideale Weise.
2017 fand durch die Erbauerfirma eine Reinigung und Generalüberholung statt.
I. HAUPTWERK | CD–d³
Principal 8' B+D
Piffaro 8' D
Octave 4'
Quinte 3' B+D
Superoctave 2'
Tertia 1 3/5' B+D
Mixtur 5–6f.
Trompete 8' B+D
Subbass 16' B+D
Copl 8'
Flauta 4'
[Glockenspiel]
[keine Manualkoppel !]
II. POSITIV | CD–d³
Copl 8'
Flauta 4'
Octave 2'
Quinte 1 1/2'
PEDAL | C–bº
Subbass 16'
Trompete 8'
Koppel II–P
Koppel I–P
Mechanische Schleiflade.
Quellen und Literatur: Orgelbau Reil ⋄ Eigener Befund.
Nr. 716 | Diese Orgel habe ich am 28.05.2026 im Rahmen der VOD-Arbeitstagung in Linz besucht.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 06.06.2026.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
