Orgel: Orgelbau Alfred Führer (Wilhelmshaven), 1997.

Die Pfarrkirche St. Josef in Lüsche ist ein neugotischer Bau, errichtet 1864/65 nach Plänen des Osnabrücker Dombaumeister Johann Bernhard Hensen (Sögel). 1934 wurde die Kirche nach Osten
erweitert; der Chorschluss mit Sakristeianbau stammt aus den 1960er-Jahren. Seit 2008 gehört Lüsche zur Pfarrei St. Johannes Baptist in Bakum.
Erst 1906 erhielt die Kirche ihre erste Orgel: ein kleines Werk aus der Münsteraner Orgelbauwerkstatt Friedrich Fleiter mit sechs Registern und angehängtem Pedal. Sie wurde 1955 abgelöst durch
ein neues Instrument von Orgelbau Heinrich Rohlfing (Osnabrück) mit 16 Registern auf elektropneumatischen Kegelladen; das Pfeifenwerk aus der Vorgängerorgel wurde fast komplett in das neue
Instrument integriert. Die Weihe des 20.160 DM teuren Instruments fand am 1. Mai 1955 statt; zuvor hatte die Orgel am 19. April die Abnahmeprüfung durch Studienrat Otto Schmelz aus Vechta
bestanden.
Auf lange Sicht brachte es das schlechte Material der Nachkriegszeit mit sich, dass die Orgel immer häufiger Probleme bereitete und größere Reparaturen fällig wurden, so zuletzt 1991 durch
Herrmann Stahl aus Oldenburg. Daraufhin entschied sich die Gemeinde 1996 zum Bau einer neuen Orgel; der Auftrag dazu wurde im Februar 1996 an die Orgelbaufirma Alfred Führer in Wilhelmshaven
vergeben, und am 16. November 1997 konnte die Weihe der neuen Orgel gefeiert werden. Die alte Orgel kam nach Überholung durch einen Orgelbauer aus Krakau als Geschenk in die St.-Anna-Kirche im
ukrainischen Kowel (Ковель), wo sie bis heute besteht.
Die von Orgelbaumeister Heiko Lorenz zusammen mit dem Orgelsachverständigen Stefan Decker und dem Organisten Christoph Wehry konzipierte Disposition umfasst 15 klingende Register, die durch
Wechselschleifen zwischen I. und II. Manual zu 20 Stimmen auf zwei Manualen und Pedal erweitert werden. Dadurch ergeben sich vielfältige Klangkombinationen, die auch auf beiden Manualwerken
Soloregistrierungen ermöglichen. Der Orgel füllt mit ihrem kräftigen Klang den Kirchenraum gut aus.
Aufgrund von Oxidation der mit Blei belegten Messingkehlen mussten diese 2005 durch Heiko Lorenz (Wilhelmshaven) in beiden Zungenregistern durch neue Holzkehlen ersetzt werden.
I. MANUAL | C–g³
Principal 8'
Rohrflöte 8'
Oktave 4'
Blockflöte 4'
Oktave 2'
Waldflöte 2'
Quinte 2 2/3'
Terz 1 3/5'
Mixtur 4f. 1 1/3'
Trompete 8'
Koppel II–I
II. MANUAL | C–g³
Gedackt 8'
Blockflöte 4' (WS)
Oktave 2' (WS)
Waldflöte 2' (WS)
Quinte 2 2/3' (WS)
Terz 1 3/5' (WS)
Sifflöte 1'
Dulcian 16'
Tremulant
PEDAL | C–f¹
Subbass 16'
Offenbass 8'
Koppel II–P
Koppel I–P
Mechanische Schleiflade mit Wechselschleifen (WS).
Temperierung: Bach-Barnes.
Quellen und Literatur: Fritz Schild, Orgelatlas der historischen und modernen Orgeln im Gebiet der Katholischen Kirche im Oldenburger Land, Wilhelmshaven 2011
(unveröffentlicht), Nr. 106 ⋄ Oldenburgische Volkszeitung ⋄ Orgelfestschrift 1997 ⋄ Orgelsachverständigen-Unterlagen des BMO Vechta ⋄ Eigener Befund.
Nr. 538 | Diese Orgel habe ich zum ersten Mal am 01.04.2019 gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 13.12.2025.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
