Orgel: Johannes Klais (Bonn), 1937.

Die Abtei Münsterschwarzach an der Mündung der Schwarzach in den Main, rund 23 Kilometer östlich von Würzburg, ist heute eines der bedeutendsten Benediktinerklöster in Deutschland. Sie wurde 1913 von Missionsbenediktinern an der Stelle einer hier bereits seit dem Frühmittelalter bis zur Säkularisation 1803 bestehenden Benediktiner-Niederlassung neugegründet. Die monumentale Abteikirche mit den markanten vier Türmen, am 11. September 1938 nach dreijähriger Bauzeit eingeweiht, entstand nach Plänen des Architekten Albert Boßlet – schlicht und in klaren Formen, 88 Meter in der Länge.
Zur ursprünglichen Ausstattung der Kirche gehört auch die 1937 als Opus 873 der Bonner Orgelbaufirma Klais erbaute Orgel – nahezu zeitgleich mit der großen Domorgel in Würzburg entstanden, die jedoch beim Bombenangriff 1945 unterging. Wegen der politischen und wirtschaftlichen Auflagen der Zeit musste anstelle des sonst üblichen Zinns vielfach Zink verwendet werden, so auch für die Prospektpfeifen. Die Aufstellung des Werks ist außergewöhnlich: Zu beiden Seiten des Chorraums sind in jeweils drei Wandnischen die Pfeifen untergebracht, sodass die Orgel formal als Chororgel konzipiert ist. Darauf verweist auch die Lage des Spieltischs an der rechten Seite zwischen Altar und Chorgestühl. Gleichzeitig ist sie mit ihren 60 Registern und 4.338 Pfeifen auf vier Manualwerken und Pedal eine raumprägende Hauptorgel, die den weiten Raum der Basilika klanglich mühelos füllt.
Im Zuge der umfassenden Kirchenrenovierung 1987 wurde auch die Orgel durch die Erbauerfirma grundlegend überholt und erhielt eine elektronische Setzeranlage mit 96 Kombinationen, die 2012 durch
ein System mit 3000 Speicherplätzen und USB-Anschluss ersetzt wurde. Das Bedientableau wurde so in den Spieltisch integriert, dass dessen historisches Erscheinungsbild unangetastet blieb.
2020 bis 2022 folgte eine weitere umfassende, denkmalgerechte Sanierung der Orgel, bei der insbesondere die elektrische und elektronische Infrastruktur erneuert wurde. Der rund 300 Kilogramm
schwere Spieltisch wurde durch die von Klais beauftragte Firma Eisenschmid (Andechs) vollständig überarbeitet; während er äußerlich fast unverändert blieb, wurden im Inneren die Relais aus den
1930er-Jahren durch moderne Steuer- und Sicherheitstechnik ersetzt; der neue Touchscreen, über den auch weitere Spielhilfen wie freie Koppeln verfügbar sind, ist in einer Schublade an der linken
Spieltischseite eingelassen. Eine Besonderheit der neuen Anlage ist, dass die Registerwippen nun selbsttätig die jeweils gewählten Kombinationen anzeigen, was dem Organisten einen unmittelbaren
Überblick über die aktuelle Registrierung ermöglicht. Hinzu kamen kleinere Verbesserungen an den Spielhilfen sowie eine Fernbedienung, die das Stimmen insbesondere der Zungenregister erleichtert.
So präsentiert sich die Orgel der Abtei Münsterschwarzach heute als sorgfältig bewahrtes und zugleich technisch zeitgemäßes Instrument, das in seiner Disposition, Intonation und Geschichte ein eindrucksvolles Zeugnis des Orgelbaus der 1930er-Jahre darstellt und bis heute den liturgischen Alltag der Mönche wie auch das musikalische Leben der Kirche prägt. Etliche Tonaufnahmen zeugen zudem davon, dass die Benediktiner in Münsterschwarzach schon immer hervorragende Organisten in ihren eigenen Reihen hatten.
I. HAUPTWERK | C–g³
Principal 16'
Octave 8'
Rohrflöte 8'
Gemshorn 8'
Rohrquinte 5 1/3'
Superoctave 4'
Koppelflöte 4'
Principalquinte 2 2/3'
Flachflöte 2'
Rauschpfeife 4f. [2']
Mixtur 6f. [1 1/3']
Bombarde 16'
Trompete 8'
II–I
III–I
IV–I
Super III–I
Sub IV–I
II. OBERWERK | C–g³
Principal 8'
Spitzflöte 8'
Singendgedekt 8' [sic]
Violflöte 8'
Octave 4'
Zartflöte 4'
Gemsquinte 2 2/3'
Schwegel 2'
Sifflöte 1'
Mixtur 4–6f. [1 1/3']
Scharff 3–4f. [2/3']
Kopftrompete 8'
Trichterregal 4'
III–II
IV–II
Super III–II
Sub IV–II
III. UNTERWERK (SW) | C–g³
Quintadena 16'
Geigenprincipal 8'
Bordunalflöte 8'
Octave 4'
Querflöte 4'
Waldflöte 2'
Progressio 3–5f. [2 2/3']
Dulcian 16'
Tromp. harm. 8'
Tremulant
IV–III
IV. BRUSTWERK (SW) | C–g³
Holzflöte 8'
Salicional 8'
Vox coelestis 8'
Principal 4'
Blockflöte 4'
Octave 2'
Nasard 1 1/3'
Sesquialter 2f.
Cymbel 4f. [1']
Krummhorn 8'
Schalmey 4'
Tremulant
PEDAL | C–f¹
Untersatz 32'
Principalbass 16'
Subbass 16'
Zartbass 16' [Tr. III]
Octavbass 8'
Gedacktbass 8'
Choralbass 4'
Bassflöte 4'
Nachthorn 2'
Hintersatz 5f. [2 2/3']
Posaune 16'
Dulcian 16' [Tr. III]
Basstrompete 8'
Clarine 4'
I–P
II–P
III–P
IV–P
3 freie Kombinationen, 2 freie Pedalkombinationen, automatische Pedalumschaltung, Einzelabsteller (für Zungen und 16'-Register), Zungen ab, 16'+32' ab, Tutti, Crescendowalze
Integierte moderne elektronische Setzeranlage (Einschaltung über „SK“) mit Touch-Display zur Bedienung.
Elektro-pneumatische Kegellade.
Quellen und Literatur: Clemens Hamberger, Die Klais-Orgel in der Abteikirche Münsterschwarzach, Münsterschwarzach 1987 ⋄ Abtei Münsterschwarzach (aktuelle Informationen zur
Orgelsanierung 2020–22) ⋄ Eigener Befund.
Nr. 620 | Diese Orgel habe ich am 21.05.2022 in Vorbereitung auf einen Gottesdienst zum ersten Mal gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 04.01.2026.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
