Orgel: Willi Peter (Köln-Mülheim), 1975, mit Pfeifenmaterial von E. F. Walcker (Ludwigsburg), 1908.

Die am 3. November 1908 eröffnete „Große Kirche“ in Oberkassel, einem Ortsteil des Bonner Stadtbezirks Beuel, entstand nach Plänen des Berliner Architekten Otto March. Altar, Kanzel und Orgel bilden eine gestalterische Einheit, die das Zusammenspiel von Predigt, Kirchenmusik und Gottesdienst zum Ausdruck bringt.
Auch der Prospektentwurf der Orgel stammte von Otto March. Das Instrument selbst lieferte die renommierte Orgelbaufirma E. F. Walcker & Cie. in Ludwigsburg als Opus 1441 – ein zweimanualiges pneumatisches Werk mit 27 klingenden Registern. Eine erste Renovierung erfolgte 1947. Im Zuge weiterer Reparaturen schlug der Orgelbauer Willi Peter 1957 vor, die Orgel auf die rückwärtige Turmempore zu verlegen; zur Umsetzung kam es jedoch zunächst nicht, und auch bei der Instandsetzung 1963 verblieb das Werk auf der Empore über dem Altar. Erst 1967 wurde der Spieltisch auf die rückwärtige Empore versetzt, während das Orgelwerk vorne verblieb. Der dadurch entstandene große Abstand zwischen Spieltisch und Pfeifen führte allerdings zu einer spürbaren klanglichen Verzögerung, der man durch den Einbau einer kleinen Chororgel in der Brüstung der hinteren Empore abzuhelfen versuchte – jedoch ohne zufriedenstellendes Ergebnis.
So fiel 1972 schließlich der Entschluss, eine neue Orgel vollständig auf der hinteren Empore zu errichten. In das 1975 fertiggestellte Instrument wurde ein wesentlicher Teil des Pfeifenwerks der
Walcker-Orgel integriert; über Altar und Kanzel blieb jedoch das raumprägende, nunmehr leere Gehäuse der historischen Orgel erhalten. Die nach neobarocken Maßstäben erbaute Willi-Peter-Orgel
verfügte über 31 Register auf elektrischen Kegelladen. Sie besaß zwei Schwellwerke: Neben dem hinterständigen Schwellwerk, das vom III. Manual angespielt wurde, erhielt auch das Rückpositiv
Plexiglasjalousien. Der Spieltisch befand sich an der Kirchenwand links vor der Orgel.
Das nach rund 40-jähriger Nutzung abgängige Instrument wurde 2018 außer Betrieb genommen; wenig später erhielt die Orgelbaufirma Weimbs (Hellenthal) den Auftrag zur Rekonstruktion der
Walcker-Orgel unter Verwendung der erhaltenen historischen Bestandteile. Die Willi-Peter-Orgel wurde entfernt, und zu Pfingsten 2023 konnte die restaurierte beziehungsweise rekonstruierte
Walcker/Weimbs-Orgel feierlich eingeweiht werden.
I. CHORORGEL | C–g³
(= Rückpositiv, schwellbar)
Quintade 16'
Musiziergedeckt 8'
Blockflöte 4'
Principal 2'
Quinte 1 1/3'
Cimbel 3f. 1'
Tremulant
II. HAUPTWERK | C–g³
Pommer 16'
Principal 8'
Hohlflöte 8'
Dolce 8'
Octave 4'
Rohrflöte 4'
Nachthorn 2'
Mixtur 4f. 2'
Trompete 8'
Koppel III-II
Koppel I-II
III. SCHWELLWERK | C–g³
Konzertflöte 8'
Quintade 8'
Principal 4'
Flauto dolce 4'
Octave 2'
Superoctave 1'
Sesquialtera 2f.
Scharf 3-4f. 1 1/3'
Oboe 8'
Tremulant
PEDAL | C–f¹
Subbaß 16'
Octavbaß 8'
Gedeckt 8'
Choralbaß 4'
Rauschpfeife 2 2/3'
Posaune 16'
Schalmei 4'
Koppel III-P
Koppel II-P
Koppel I-P
Zwei freie Kombinationen, Auslöser, Tutti, Koppeln für Fuß- und Handschaltung, Zungen-Einzelabsteller.
Elektrische Kegellade.
Quellen und Literatur: Peter Jurgilewitsch / Wolfgang Pütz-Liebenow, Die Geschichte der Orgel in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis, Bonn 1990, S. 201–204 ⋄ Festschrift zur Einweihung
der restaurierten Walcker-Ogrel in der Großen Evangelischen Kirche Oberkassel, Pfingsten 2023 ⋄ Eigener Befund.
Nr. 512 | Diese Orgel habe ich am 28.08.2016 im Rahmen eines Konzerts gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 14.01.2026.
www.orgelsammlung.de
© Dr. Gabriel Isenberg, 2023/26
