Schönholthausen

Kath. Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt

Orgel: Gebr. Stockmann (Werl), 1902, umgebaut 1965.


© Gabriel Isenberg, 16.07.2013
© Gabriel Isenberg, 16.07.2013

Seit dem 13. Jahrhundert bildet Schönholthausen ein eigenständiges Kirchspiel. Von der romanischen Kirche ist der Kirchturm bis heute erhalten geblieben. Das angefügte Kirchenschiff mit Chor entstand in den Jahren 1733 bis 1736 als barocker Neubau mit gotischen Elementen nach Entwürfen von Johann Jost Schilling. Der barocke Hochaltar stammt aus Schmallenberg-Berghausen; Kanzel, Seitenaltäre sowie weitere Ausstattungsstücke wurden aus der Vorgängerkirche übernommen.

Schon bald nach dem Kirchenbau bemühte man sich um die Anschaffung einer Orgel, auf die man aber noch viele Jahrzehnte warten musste. Eine im Jahr 1771 errichtete Stiftung zum Orgelbau wurde anderweitig verwendet. Zwischen 1791 und 1794 errichtete man eine Orgelbühne, und 1796 ist von konkreten Planungen für einen Orgelneubau die Rede. Im Visitationsbericht von 1799 wird sogar bereits eine Orgel erwähnt. Im Nachlass des Orgelbauers Christian Roetzel finden sich mehrere Entwurfszeichnungen Christian Kleines für eine Orgel in Schönholthausen mit drei Pedalregistern sowie eine Zeichnung der „Coppel und Pedal Tractur nach Drolshagen 1786“ mit dem Zusatzvermerk, diese werde auch für Schönholthausen und Neustadt entsprechend ausgeführt. Gleichwohl scheint keine dieser Planungen realisiert worden zu sein. Noch 1824 heißt es in einer Orgelbestandserhebung: „Die Pfarrgenossen haben schon längst gewünscht, daß sie für ihre geräumige schöne Pfarrkirche eine Orgel erhalten und würden alles Mögliche zu deren Erbauung beitragen.“ Auch der Versuch, 1830 die Orgel der aufgehobenen Franziskanerklosterkirche in Attendorn zu erwerben, blieb erfolglos.

Am 21. Juni 1830 schließlich konnte ein Vertrag über einen Orgelneubau mit dem Orgelbauer Anton Fischer aus Werl geschlossen werden. Die Disposition entwarf Pater Chrysologus Heimes. Die Ausführung der Arbeiten verzögerte sich jedoch erheblich; im September 1833 waren erst vier Register spielbar. Gegen Ende desselben Jahres scheint das Instrument aber vollendet gewesen zu sein. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 2.300 Reichstaler. Das Gehäuse, das 1838 seine farbliche Fassung erhielt, schuf der Schreinermeister Heimes aus Eslohe. Die Orgel verfügte über 19 Register, von denen sechs Manualregister wahlweise auch auf dem zweiten Manual spielbar waren. Nach der Kirchenrenovierung im Jahr 1876 erfolgte eine Instandsetzung durch den Orgelbauer Johann Stockhausen aus Linz am Rhein.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ermöglichte eine Stiftung des 1901 verstorbenen Pfarrers Joseph Hövel den Bau einer neuen Orgel, deren Auftrag er noch selbst erteilen konnte. Im Juni 1902 wurde das von der Orgelbauanstalt Gebr. Stockmann in Werl gelieferte Instrument feierlich eingeweiht. 1925 erhielt die Orgel einen elektrischen Gebläsemotor sowie neue Prospektpfeifen, nachdem die ursprünglichen Zinnpfeifen im Ersten Weltkrieg abgeliefert worden waren. Eine Generalüberholung durch die Erbauerfirma folgte 1936; dabei wurde der Gebläsemotor in den Turmraum verlegt.

1965 nahm die Firma Gebr. Stockmann einen umfassenden Umbau der Orgel vor und stattete sie mit elektrischen Trakturen aus. Dabei erhielt das Instrument einen neuen Spieltisch und eine veränderte Disposition. Der Spieltisch steht frei auf der linken Seite der Empore; der Organist sitzt mit dem Rücken zur Kirchenwand. Die Registerwippen sind in einer Reihe oberhalb der Manuale angeordnet, links daneben befinden sich die Hebel für Einzelabsteller und freie Pedalkombinationen.

I. HAUPTWERK | C–f³

Bordun 16'

Prinzipal 8'

Hohlflöte 8'

Gamba 8'

Oktav 4'

Rohrflöte 4'

Quinte 2 2/3'

Oktav 2'

Waldflöte 2'

Mixtur 4f. 1 1/3'

Trompete 8'

Koppel II–I

II. OBERWERK | C–f³

Quintade 8'

Geigenprinzipal 8'

Gemshorn 8'

Flauto Dolce 4'

Flauto Traverso 4'

Prinzipal 2'

Quinte 1 1/3'

Scharff 4f. 1'

PEDAL | C–f¹

Subbaß 16'

Oktavbaß 8'

Gedacktbaß 8'

Choralbaß 4'

Posaune 16'

Koppel II–P

Koppel I–P


Zwei freie Kombinationen, freie Pedalkombination, Handregister, Tutti, Einzelabsteller (Zungen, Mixturen).

Elektrische Kegellade.


Quellen und Literatur: Pfarrarchiv Schönholthausen, Orgelakten ⋄ Archiv Orgelbau Stockmann ⋄ Eigener Befund.

Nr. 622 | Diese Orgel habe ich zum ersten Mal am 28.05.2022 in Vorbereitung auf ein Konzert gespielt.
© Dr. Gabriel Isenberg | Letzte Änderung: 26.01.2026.